W I D E R H A L L ~ Nr.. 55
M a i / J u n i - 2 0 1 0 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Prof. Dr.-Ing. Selenz

Christian Wulff for President?


Christian Wulff fiel - quasi über Nacht - eine neue Rolle zu. Er soll Bundespräsident werden. So
wollen es zumindest seine Partei-Freunde in CDU und CSU sowie der Koalitionspartner FDP. Die
Personalie wurde akut, als Horst Köhler die Brocken hinwarf. Urplötzlich - Hals über Kopf. Ist Wulff
eine gute Wahl? Nach Darstellung einiger Presseorgane ist er angeblich die erklärte Nummer 1.
Zumindest für Schwiegermütter. Die wählen indes nicht den Bundespräsidenten.

Ob das Schwiegermüttervotum auch nach Wulffs Scheidung von Erst-Frau Christiane noch gilt, ist
zudem durchaus fraglich. Gerade in Fragen von Ehe und Familie haben Schwiegermütter zuweilen eine
völlig andere Sicht der Dinge als beispielsweise der flotte CSU-Chef Horst Seehofer.

Was qualifiziert Wulff also über den Schwiegermutter-Faktor hinaus für das Präsidenten-Amt? Welche
Ziele hat er? Wie handelt er? Wie ehrlich ist er? Wulff dazu selbst: "Für mich sind Stil und Inhalt der
Politik gleichermaßen wichtig. Nicht nur die Inhalte sind wichtig, sondern auch die Form. Da sehe ich
einen bedrohlichen Verlust der politischen Kultur. Sie (die Bürger) sehnen sich danach, reinen Wein
eingeschenkt zu bekommen. Und sie sehnen sich nach Orientierung, danach, dass Politiker Ihre
Entscheidungen gut begründen und sie dann auch durchsetzen." Wulff fordert schließlich sogar mehr
Ehrlichkeit von den Politikern (WELT-online 12.06.2010).

Im VW-Skandal lässt Wulff diese Orientierung jedoch komplett vermissen. Unmittelbar nachdem er
das Protokoll der Vernehmung von Skoda-Vorstand Schuster gelesen hatte, bezeichnete er die Top-
Etage von VW öffentlich als Misthaufen. Der umtriebige Dr. Schuster hatte das zwar ein wenig
dezenter formuliert, aber Wulffs Interpretation ist nach Lektüre des LKA-Protokolls durchaus
nachvollziehbar. Der Ministerpräsident forderte, auszumisten "indem man den Mittellandkanal von
oben in das Verwaltungsgebäude einleitet." Wulffs Vorbild Herkules hatte eine vergleichbare
Reinigungsaktion in den Ställen das Augias in ähnlicher Weise realisiert. Nach seiner Rede vor der
IHK versiegte der Heldenmut des MP indes schnell. Was besänftigte Wulffs heiligen Zorn? Waren es
die dramatisch steigenden Parteispenden von Porsche - inzwischen VW-Hauptaktionär? Allein Wulffs
CDU erhielt im Jahr 2003 30.000 Euro. In 2004 stieg die Spenden-Flut bereits auf 78.500 Euro. Das
Jahr 2005 spülte schließlich 265.000 Euro in die CDU-Kasse. In diesem Jahr startete Porsche den
Angriff auf VW - und der Misthaufen blieb nahezu unberührt.

Die noch unter Kontrolle des Landes Niedersachsen befindliche Salzgitter AG sponsert die
Parteipostille der CDU sogar direkt. Servil und unmittelbar. Im "Magazin für Niedersachsen" bezahlte
die Salzgitter AG jüngst zwei komplette Seiten unter dem durchaus zweideutigen Reklame-Slogan:
"Was auch immer Sie vorhaben". Das Land ist mit 26,48 Prozent mit Abstand größter Aktionär des
Stahlkonzerns. Im Aufsichtsrat sitzt der Chef der Staatskanzlei, Dr. Hagebölling. Sein Chef,
Landesvater Wulff steht für diese überaus kreative Parteienfinanzierung.

Auch bezüglich seiner Landesbank, der Nord LB, zeigt Landesvater Wulff Milde. Der Metabox-
Skandal harrt weiter seiner Aufklärung. Beim Börsengang der Betrugsfirma beteiligte sich die Nord LB
aktiv an den schweren Kursmanipulationen zu Lasten gezielt desinformierter Anleger. Dies wird durch
interne Dokumente belegt, die der Staatsanwaltschaft Hannover seit Jahren vorliegen. Unklar ist
weiterhin, wer in Niedersachsen an den Kursmanipulationen verdiente.

Bei eigenen Aktivitäten schaut Landesvater Wulff durchaus auf den Euro. Auf einem Flug nach Florida
saßen er und seine Familie in der Business-Klasse. Hin und zurück. Bezahlt wurde indes nur Economy.
In Florida wohnten die Wulffs in der Villa von Egon "Bubi" Geerkens. Der liebt goldene Wasserhähne
und wurde reich mit Schrott und Edelsteinen. Nachdem der SPIEGEL die Bereicherung im Amt
aufgedeckt hatte, regte sich Wulffs Gewissen. Er zahlte 3056 Euro nach. Seine politgesteuerten
Staatsanwälte fanden diesen offenen Gesetzesbruch völlig in Ordnung.

Bekäme Deutschland mit Wulff mithin einen würde- und charaktervollen Bundespräsidenten? Hören
wir, was er selbst dazu verlautbart hat: "Ich (Wulff) sage: Wer einen guten Charakter hat, kann den
auch in der Politik behalten; wer vorher keinen hatte, wird ihn in der Politik wohl auch nicht
bekommen." Warum sollte ausgerechnet Wulff seine eigene Aussage widerlegen?

Peine, den 25. Juni 2010
gez.: Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Selenz
www.hans-joachim-selenz.de

* * *

In Nr. 25 vom 27. Juni 2010 wurde in den "Osnabrücker Nachrichten" über die Wahl des
Bundespräsidenten eine Umfrage veranstaltet. Soll der Bundespräsident vom Volke gewählt werden?
Ja oder Nein. Ergebnis 84,8 % waren für die Direkt-Wahl durch das Volk (die Zeitung hat sogar die
Vokabel "Volk" verwendet, sicher ein versehentlicher Ausrutscher!) und nur 15,2 % stimmten mit
"Nein". Zugegeben, daß die Umfrage nicht repräsentativ ist, aber ähnliche Ergebnisse würde auch
Allensbach erzielen, plus/minus 5 %. Es ist typisch für die System-"Wissenschaftler", die von
Reportern nach der Direkt-Wahl durch das Volk befragt wurden. Jeder verklausulierte seine "Wenn"
und "Abers" und das Aussage-Ergebnis war immer dasselbe: das Volk ist zu blöd für eine Direktwahl.
Sollte das etwa stimmen? Karl-Heinz Heubaum.
==============================================================
Abgeschlossen 30. Juni 2010.
==============================================================

Links/Verweise und Sofortbrief an WIDERHALL:

===================================================================
Vielen Dank für den Besuch der Homepage. Bitte weiterempfehlen und wieder
reinschauen. In unregelmäßigen Abständen kommen neue Beiträge hinzu. Anregungen,
Kritik und Beiträge sind willkommen. Bei Leser-Briefen setze ich die Erlaubnis
zur Veröffentlichung voraus, wenn nichts anderes angegeben wird.
A C H T U N G ! A C H T U N G ! A C H T U N G ! ! Um den Suchrobotern im Netz
das Auffinden von ePost-Adressen möglichst zu erschweren, verwende ich in
allen eBrief-Anschriften anstelle des @ die Zeichenfolge (A)
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
D I S T A N Z I E R U N G . Aufgrund bundesdeutscher Justizpraxis können auch
Zitate, sogar welche aus wissenschaftlichen Werken und historischen Dokumenten,
zu einer Strafverfolgung führen, wenn man sich nicht glaubhaft vom Inhalt
distanziert und die Veröffentlichung geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu
stören. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von solchen Zitaten und
Aussagen, sollten sie in meinen Veröffentlichungen erscheinen. Das gilt für
alle Ausgaben des WIDERHALL. Übertragen gilt dies auch für Links/Verweise auf
andere Internetseiten. Deren Veröffentlichung habe ich rechtlich grundsätzlich
nicht zu vertreten, da ohne Einfluß meinerseits. Ich verweise ausdrücklich
auf den Haftungsausschluss und die Bekanntmachungen gleich anfangs auf meiner
Hauptseite hin, gültig für alle von mir veröffentlichten Weltnetz-Seiten.
Viele Grüße von Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de