W I D E R H A L L ~ Nr. 56
J u l i / A u g u s t - 2 0 1 0 .
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Zum 20. Juli 1944:
Zwischen Eid und Befehl.

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Vortrag, gehalten am 21. November 1950, am Tage der Besinnung für
ehemalige Soldaten auf der Evangelischen Akademie in Bad Boll von
Hans Wilhelm Hagen, Autor des gleichnamigen Buches und Zeuge des
20. Juli 1944. ("Zwischen Eid und Befehl", Hans W. Hagen, Seite 73 ff.)
*



Meine Kameraden!

Hinter uns liegt eine Tragödie, und wir waren, jeder an seinem Platz, Handelnde und Gehandelte im Spiel
des Schicksals. Noch sind wir alle zu nahe an diesen Zusammenbrüchen, - und doch wiederum noch viel zu
weit entfernt, in ihnen die echte Tragödie zu erkennen und deren eigentlichen Sinn zum Ziel einer
seelischen Katharsis im ästhetischen wie ethischen Bereich in uns wirksam werden zu lassen. So will es mir
auch unmöglich erscheinen, bereits heute mit absoluten Wertmaßstäben das vereinzelte Geschehen messen
oder richten zu dürfen. Philosophisch gesprochen: die deduktive Methode führt zu keinem Ziel, im
Gegenteil, hier lauern auf dem Weg allenthalben die Schlaglöcher der Schlagworte. Wir müssen uns
vielmehr mühsam auf dem induktiven Weg, und zwar jeder von seinem damals innegehabten Standort und
Erlebnisbereich aus - zu einer höheren Sicht und Erkenntnis durchringen. Vorbedingung ist allerdings die
vorbehaltlose Bereitschaft zur Wahrheit.

Ich darf Sie bitten, mir auf einen im Spiel dieser Tragödie kulminierenden Schauplatz zu folgen.

Am Nachmittag des 20. Juli 1944 ereigneten sich im Wachregiment "Großdeutschland" zu Berlin folgende
Szenen:

Gegen 15 Uhr sitzen der Adjutant und ein Offizier des Stabes beim Kommandeur. Der Adjutant (Anm.:
Siebert) ist im Zivilberuf evangelischer Pfarrer und gehört der bekennenden Kirche an. Der andere Offizier
(Anm.: Der vortragende Hans W. Hagen selbst) ist von Hause aus Kulturhistoriker und aus der Kirche
ausgetreten. Der Kommandeur (Anm.: Major Ernst Otto Remer), selbst humanistisch gebildet, verläßt im
Verlauf der Diskussion das Zimmer. Das Gespräch geht um Entstehungsfragen des "Helianth", jenes zur
Zeit und im Auftrag Ludwigs des Frommen im IX. Jahrhundert entstandenen, althochdeutschen Epos, das
uns heute noch die Probleme bei der Christianisierung der Germanen klar erkennen läßt. Die Fragen nach
der Treue zum Althergebrachten oder dem Willen zum Neuen klingen auf. "Während sich die beiden
Antipoden noch streiten, ob dieses Epos nach Meinung des Pfarrers ein Symbol für die innere Bereitschaft
der Germanen zur neu an sie herangetragenen Religion ist oder, wie der Kulturhistoriker dem entgegenhält,
als ein durch die Person des Auftraggebers geschickt veranstaltetes Lehrwerk anzusehen sei, klingelt der
Fernsprecher. Der Adjutant, der in diesem Augenblick sofort wieder aus dem Pfarrer wird, nimmt den
Alarmbefehl "Walküre" entgegen.

Die beiden Offiziere, eben noch im geistigen Streitgespräch verfangen, sind im nächsten Augenblick in
einen vorgeschriebenen Plan eingespannt, - die geistige Auseinandersetzung ist vergessen -, sie sind, wie
sie es vorher und nachher immer waren, auch in diesem Augenblick Kameraden in einer beide
gleichermaßen verbindenden Pflicht und Verantwortung.

Die Aufgabe lautete: Durchführung des Alarmplanes "Walküre". Dieser Plan sah für das Wachregiment
folgende Maßnahmen vor: Das Regiment - es war übrigens in jenem Zeitpunkt nicht mehr als ein durch
zwei Kompanien vermehrtes Bataillon - tritt feldmarschmäßig an, der Kommandeur holt sich persönlich
beim Stadtkommandanten die Einsatzbefehle. Dieser Alarmplan war vorgesehen und fünf Tage zuvor
bereits durchgeübt worden unter der Annahme einer Landung von Fallschirm-Einheiten feindlicher
Verbände im Weichbild von Berlin oder beim Ausbruch von Fremdarbeiterunruhen im Gebiet der
Reichshauptstadt. Berlin hatte damals über eine Million Fremdarbeiter.

Der Kommandeur fährt also befehlsgemäß zur Kommandantur, der Adjutant leitet inzwischen die
Alarmierung der Truppe von der Wohnung des Kommandeurs aus. Nach knapp einer halben Stunde kehrt
der Kommandeur zurück mit folgender Lage: Attentat auf den Führer. Ausgang ungewiß. Der Truppe soll
allerdings bekanntgegeben werden, der Führer sei tot. Das Heer übernimmt die Regierungsgewalt. Das
Wachregiment zerniert das Regierungsviertel längs der Bann-Meile. Es ist niemand durchzulassen, auch
kein Minister oder General.

Der Kommandeur und sein Adjutant geraten noch aneinander über die vom Adjutanten aufgeworfene
Frage, wie man der Truppe die unklare Formulierung vom Ausgang des Attentats bekanntgeben solle. Das
Gespräch zieht sich den Weg entlang von der Wohnung des Kommandeurs bis zum Dienstzimmer, das
sich über der Torwache, einem Gebäude etwa 150 Meter von den Offizierswohnungen entfernt, befindet.

Im Dienstzimmer wartet bereits das gesamte Offizierkorps. Hier wird die Lage erklärt unter der Annahme
eines vermuteten, aber noch nicht bestätigten, tödlichen Ausgangs des Attentats. Dem Kommandeur war
ein Oberstleutnant (Anm.: Wolters) der Kommandantur beigegeben worden, der bei dieser Orientierung in
die aufs Äußerste gespannte Atmosphäre ein Wort fallen läßt, das jedem der Anwesenden unverständlich
und ungeheuerlich erscheint. Er sagt: "Betrachten Sie mich hier, bitte, nicht als Spitzel." Dieser Offizier
war in diesem Augenblick der einzige Soldat, der wußte, was sich unter der Auslösung des "Walküre-
Alarms" verbarg.

Das Wort "Spitzel", in dieser Umgebung, ruft beim eingangs erwähnten Gesprächspartner des Adjutanten
ein Ereignis ins Gedächtnis zurück, das er bereits wieder vergessen hatte. Auf seinem Weg zum
Wachregiment war er gegen 13.45 Uhr dem Generalfeldmarschall von Brauchitsch, in voller Uniform und
mit Marschall-Stander am Wagen, begegnet. Jetzt, auf die Schluß-Formel des Kommandeurs nach der
Lage-Ausgabe: "Hat noch jemand eine Frage?", glaubt er diese Begegnung seinem Kommandeur melden
zu müssen. Um nicht neue Aufregungen aufkommen zu lassen, sagt er: "Herr Major, ich bitte, Sie unter
vier Augen sprechen zu dürfen."

Sie gehen ins Adjutantenzimmer. Dort beginnt der Kommandeur, daß er bei der ganzen Sache ein ungutes
Gefühl nicht loswerden könne, daß irgend etwas nicht stimme. Der Offizier seines Stabes macht ihm erst
einmal Meldung von seiner Begegnung mit Brauchitsch, von dessen Rehabilitierung bis zu jenem
Augenblick doch nichts bekannt geworden sei. Dann aber, so fährt er fort, stoße er sich an der
Formulierung: "Das Heer übernimmt die Regierungsgewalt." Das sei nicht üblich, - der auf eine Person
geschworene Eid könne niemals auf einen anonymen Wehrmachtsteil übergehen. Hier stimme etwas nicht.

Die beiden Offiziere kommen überein, daß die Lage, besonders die Frage nach dem Ausgang des Attentats,
unbedingt geklärt werden müsse. Denn diese Frage schloß jene andere nach dem Eidträger in sich. Der
Weg über Goebbels in seiner Eigenschaft als Reichsverteidigungskommissar wird erwogen, denn er hatte
ja einen direkten Draht zum Führerhauptquartier.

Der Offizier des Stabes übernimmt diese Lageerkundung. Beim Reichsverteidigugskommissar erfährt er
sowohl die Bestätigung des Attentats als auch die Tatsache, daß der Führer beim Anschlag auf sein Leben
nur geringfügig verletzt worden sei. Er erhält den Auftrag, seinen Kommandeur zum
Reichsverteidigungskommissar zu bitten. Diese Meldung wird dem Adjutanten von seinem
Gesprächspartner über den "Helianth" persönlich überbracht. Major Remer befiehlt seinem Adjutanten
seinerseits, wie dieser ihm das Ersuchen des Reichsverteidigungskommissars übermittelt, diese
Aufforderung in Gegenwart des Stadtkommandanten zu wiederholen.

General von Hase entscheidet: "Sie fahren nicht zu Goebbels". Remer wiederholt seine Frage nach dem
Ausgang des Attentats und erbittet eine klare Antwort. Der Stadtkommandant kann oder will keine präzise
Antwort geben.

Die Frage drängt sich zusammen: "Wo steht der Eid?" "Lebt der Eidträger?" Remer geht vor der
Kommandantur auf und ab. Sein Adjutant ist ihm instinktiv gefolgt. Remer wendet sich an seinen
"Gehilfen", der dies in jenem Augenblick in des Wortes eigentlicher Bedeutung werden soll: "Siebert, was
sollen wir tun? Der General verbietet mir, zu Goebbels zu fahren - dagegen erfahre ich, daß dieser mich
erwartet. Der Minister behauptet, daß der Führer lebt. Wenn das der Fall ist, sind alle bisherigen Befehle
Unsinn. Ich glaube, wir stehen hier zwischen zwei Feuern. Siebert, jetzt geht es um den Kopf. Was sollen
wir tun?"

Von den Worten des Adjutanten hängt viel ab, als er antwortet: "Mein Vorschlag, Herr Major: Es war
richtig, das Regierungsviertel zu zernieren, denn wir haben diesen Befehl auf dem Dienstweg erhalten.
Aber jetzt müssen wir uns unter allen Umständen ein Bild von der tatsächlichen Lage verschaffen."

Diese tatsächliche Lage ergab, daß der Eidträger lebte. Alle Handlungen und Befehle erfolgen danach aus
dieser Erkenntnis der Bindung an den Eid und den Eidhalter.

Ich habe nicht die Absicht, meine Kameraden, Sie mit einem Gefechtsbericht über den Ablauf der
Walküre-Aktion unnötig aufzuhalten. Mir ging es in unserem Zusammenhang nur darum, die Lage so weit
zu klären, als sie für unsere Fragestellung unbedingt nötig ist. Für die Richtigkeit der Darstellung der
Ereignisse, soweit sie Remer und seinen Adjutanten angeht, habe ich deren ehrenwörtliche Erklärungen, -
und für den Dritten, den Offizier im Stabe, für den Kulturhistoriker im Zivilberuf, kann diese Erklärung
vor Ihnen hier abgegeben werden, denn dieser Dritte bin ich selbst.

Hundert und tausendmal sind meine Kameraden und ich gefragt worden: "Wie konnten Sie so etwas tun?
Sie haben ja die primitivste Gehorsamspflicht verletzt, - Sie hatten sich doch nur an die Befehle Ihrer
vorgesetzten Dienststelle zu halten" und, was man alles sonst gegen uns ins Treffen führte.

Ich sehe ab von den bewußten und unbewußten Entstellungen in der Presse oder in Denunziationen,
Spruchkammer-Anklagen usw., die uns zu "millionenfachen Mördern" stempelten; auch Menschen, die
glaubten, besonders gefühlsselig an dieses harte Problem herangehen zu müssen, fragten sich und mich,
wie man mit einer solchen Belastung auf dem Gewissen noch weiterleben könne. Die Neunmalklugen oder
Generalkläger aber meinten: "Sie mußten sich doch der Tragweite Ihrer Handlungen bewußt sein".

Jawohl, wir waren es; aber nicht im oberflächlichen Sinn und im Hinblick auf die eine oder andere reale
Lösung einer verwickelten Lage, die wir in diesem Augenblick überhaupt nicht übersehen konnten,
sondern im Hinblick auf die Bewahrung der tragenden Ordnungen des sittlichen Gefüges einer im Kampf
auf Leben und Tod stehenden Gemeinschaft eines Volkes.

Es gab für uns nur eine Frage: wo steht in diesem Augenblick der Eid? Als es sich herausstellte, daß der
Eidträger lebte, gab es kein Wanken oder Zweifeln.

Alle anderen Betrachtungen und Einwände wie: "Sie mußten sich doch darüber im Klaren sein, daß Sie mit
Ihren Entscheidungen den Krieg unnötig verlängerten, daß Sie einen Verbrecher weiter am Werk ließen"
usw. möchte ich mit dem Begriff der "post-katastrophalen Sicht" abtun. Ich kann mich dabei auf das Wort
des Dichters Kolbenheyer berufen, das er seinem Spruchkammer-Vorsitzenden erwiderte, als dieser ihm
vorhielt, ein Mann von seinen Einsichten müsse doch gewußt oder zumindest geahnt haben, wohin dies
alles führe. Der Autor des "Paracelsus" und der "Bauhütte" antwortete gelassen: "Ich gehöre nicht zu jenen
divinatorischen (voraussehenden) Geistern, die hinterher immer alles schon vorausgewußt haben."

Dies alles, wie auch Geschichtskonstruktionen im Sinne von: "was wäre geworden, wenn Sie nicht so
gehandelt hätten", also diese müßigen Konditionalismen, sind einer klaren Schau ins Geschehen und einer
sauberen Darstellung des Ablaufs der Ereignisse unwürdig. Sie haben weder mit einer echten
Geschichtsdarstellung etwas zu tun, noch helfen sie uns zum höchsten Ziel aller wissenschaftlichen
Bemühungen, nämlich einen Beitrag zur Erkenntnis der Sinngebung unseres Daseins zu liefern.

Auf meiner ersten Spruchkammer-Verhandlung glaubte mich der Vorsitzende in die Enge treiben zu
können mit seiner Frage: "Sind Sie überzeugt, daß Sie richtig gehandelt haben?" Ich hätte ihm ohne
weiteres auf seine Ebene, um nicht zu sagen "Platt"-Form folgen und ihm dort sogar mit Kants
kategorischem Imperativ oder den "Pflichten des Soldaten" Widerpart bieten können. Ich habe ihm
geantwortet: "Ob ich richtig gehandelt habe? Ich weiß es nicht. Aber, vor die gleiche Situation mit den
gleichen Vorbedingungen gestellt, werde ich immer wieder so handeln. Denn ich stand im Eid."

Diesen Eid des Soldaten, den Fahneneid, habe ich geschworen. Ich wurde nicht zum Schwur gezwungen,
aber ich fühlte mich gezwungen, den einmal geleisteten Schwur dann zu halten.

Der Fahneneid wächst zu seiner letzten Größe und Erhabenheit erst im Augenblick des Krieges. Dort habe
ich mein bisher als Wille zur Bereitschaft gegebenes Wort nicht nur in die Tat umzusetzen, sondern es tritt
für denjenigen, der eine der höchsten sittlichen Entfaltungen und Ereignisse des Krieges erlebt hat, die
Kameradschaft, etwas hinzu: mir wächst der Eid jedes an meiner Seite gefallenen Kameraden als
Eidstärkung und Eidverpflichtung zu. Man soll über diese heiligen Dinge nicht viel reden. Hier, in diesem
Kreise, weiß ich, wie diese Worte aufgefaßt werden. Mit anderen darüber zu sprechen - damit sie
womöglich diese Gedanken in einer Diskussion sezieren - verbietet mir die Scheu.

Mein Eid wächst in der Treue zu meinen Kameraden. So ist der Fahneneid im Augenblick, wo seine
Erfüllung durch die Treue meines Kameraden im Tod besiegelt wurde, die stärkste Bindung, in der sich ein
Soldat im Feld überhaupt zu empfinden vermag.

Die letzte Frage des Vorsitzenden in der Beweisaufnahme meines Prozesses an mich lautete: "Wie stehen
Sie zum Eid?" Schon die Frage war ja bezeichnend für die Gedanken- und Gefühlswelten, mit denen man
an ein Problem wie das des 20. Juli von dieser Seite eines rückwirkenden Rechtes heranging. Nach meiner
Antwort: "Der Eid ist unabdingbar", war keine weitere Beweiserhebung mehr nötig.

Eid - Treue - Gehorsam treten hier in einen Wirkungszusammenhang. Der Eid beruht auf der Treue und
erfüllt sich im Gehorsam.

Der General von Seydlitz glaubte seinen Übertritt zum Komitee "Freies Deutschland" (in sowjetischer
Gefangenschaft - KHH.) damit begründen zu dürfen, daß sein oberster Befehlshaber ihn beleidigt habe.
Was hat der Soldat im Eid für ein Recht, mit einer ihm angeblich angetanen Unbill oder Beleidigung
seinen Landesverrat zu entschuldigen?

Bevor wir aber zu diesem eigentlichen Problem stoßen, wollen wir noch einmal zurückgehen in die
deutsche Vergangenheit. Wir sind noch nicht, wie in Bruckners Achter Sinfonie, beim befreienden
Beckenschlag und reinen C-Dur der Coda angelangt, wir müssen, wie dort, noch einmal von vorn
beginnen.

Unser größtes mittelalterliches Epos, Wolfram von Eschenbachs "Parzival", gipfelt in einer ungeheuren
Szene. Der staufische Ritter erlebt seine Welt in den Ordnungen des Lehens-Eides. Auch das Verhältnis
Mensch-Gott ist im Grunde genommen das ins Geistige gesteigerte, mittlerlose Verhältnis von Lehnsmann
zum Lehnsherrn. Beide sind einander zur mittlerfreien, bedingungslosen Treue verpflichtet. In dieser
Geborgenheit seines Lebensverhältnisses Mensch-Gott zieht Parzival in die Welt der ihn erwartenden
Abenteuer. Er kommt bis zur Gralsburg, erlebt dort die Leiden des Amfortas und die Not der Gralsritter.
Alle warten, daß der junge Parzival nun die das Unheil bannende Frage aussprechen wird. Aber er bleibt
stumm - und wird aus Monsalvatsch gejagt. Nun, wie er, nach seinem Empfinden ungerecht in die
Einsamkeit gestoßen, dahinreitet, beginnt er mit seinem Lehnsherrn - Gott zu hadern. Jetzt erst überfällt ihn
die grenzenlose Einsamkeit, bis dahin hatte er sich in der Gemeinschaft mit seinem Lehensgott gefühlt.
Dieser hat versagt, er sieht sich von ihm verlassen. Da hebt er an: "We, waz ist got - wer der gewaltec -
solhen spot - het er uns peden nicht angetan, ich was ihm dienens Untertan - sit ich diu genade han erfarn.
nu muez die triuwe ich ihm ufsagen - kan er hazzen, nu ich will ez tragen."

Das ist staufische Gottesvorstellung des durch den Lehenseid mit Gott mittlerlos verbundenen Menschen.
Sein Lehnsherr hätte ihm beistehen müssen in jener Stunde; er, Parzival konnte nicht ahnen, daß von seiner
Frage das Schicksal des Grals abhinge. Aber sein Lehnsherr, Gott, durfte ihn in dieser Not nicht allein
lassen. Gott hatte ihm den Treu-Eid nicht gehalten, nun sagt der Lehnsmann seinerseits seinem Herrn die
Treue auf.

Das ist die ursprüngliche und erste Reaktion aus mittelalterlich-staufischer Auffassung vom mittlerlosen
Lehensverhältnis Gott zu Mensch. Dann führt ihn das Leben zur Erkenntnis, daß diese Aufwallung aus der
gedachten Treulosigkeit noch nicht genügt, - und in einer langen Zeit der Bewährung durch ein Leben in
Kampf und Treue findet er wieder zurück zum Gral. Jetzt, auf einer neuen Wandlungsstufe und aus höherer
Reife, kann er des Grals teilhaftig werden.

Warum ich dieses Beispiel anzog? Beileibe nicht, um es vor Seydlitz zu stellen, der seinen Übertritt ins
feindliche Lager aus einer Beleidigung durch seinen Eid-Herrn glaubte rechtfertigen zu können. Aber, um
zu zeigen, daß wir eine persönliche Unbill niemals so sehr ins Gewicht werfen dürfen; in den Bezügen des
Eides, der Treue und des Gehorsams hat das Ich zu schweigen.

Ich darf ein weiteres Beispiel geben. In den letzten Tagen des Krieges war der Ritterkreuzträger und
Generalmajor Brendel, ein Gebirgsjäger, Kommandant von Traunstein. Wie Sie wohl wissen, war
Traunstein mit Bad Endorf zusammen Lazarettstadt; gleichzeitig war dort das Heerespersonalamt mit
sämtlichen Offiziersakten untergebracht. Als der Feind heranrückte, gab General Brendel den Befehl zur
Vernichtung der Akten und meldete den Vollzug seiner höheren operativen Leitung mit der Bitte um
Entscheidung, ob das nunmehr reine Lazarettstadt gewordene Traunstein verteidigt werden solle oder nicht.
Er erhält den Befehl, den Ort bis zum letzten Mann zu verteidigen. Der befehlsgebenden Stelle sagt er die
Ausführung dieses widersinnigen Befehls zu. Dann legt er den Hörer des Fernsprechers auf. Einen
Augenblick später gibt er seinem Ia durch: "Befehl: Traunstein wird als Lazarettstadt kampflos übergeben!"
Er legt den Hörer zum zweitenmal auf, nimmt seine Pistole und erschießt sich.

Bei ihm, in seinem Willensentschluß, lag die Entscheidung zwischen Gehorsam und Ungehorsam. Auf
dieser Nahtstelle stand der Tod. Deutsches Soldatentum in höchster sittlicher Bewährung.

Lassen Sie mich noch einmal einen Bogen zurückschlagen zum Hochmittelalter. Ist der "Parzival" der reife
und reine Entwicklungsroman des staufischen Ritters, so ist das Nibelungenlied das Epos der Treue und
der aus ihr erwachsenden sittlichen Werte. Seit den Tagen der Völkerwanderung tragen die germanischen
Stämme diese Sage oder Teile aus ihr mit sich; das Lied schwillt immer reicher an, bis im kongenialen
Augenblick einer germanischen Renaissance um 1200 dieses Epos von einem unbekannten Genie
zusammengefaßt und aufgezeichnet wird.

Gleich zu Beginn steht die Szene des Treueschwurs zwischen Günther - Hagen - Siegfried. Wie in der
Edda, - dort im Havamal -, sich die Sorge anmeldet, daß ein Geheimnis, und wäre es noch so bündig
beschworen, nicht über drei Menschen hinausgehen darf, so geschieht es auch hier. Das Geheimnis wird
beschworen, es muß unter den drei Schwurträgern bleiben. Der Vierte, der in diesen Kreis tritt, bringt den
Tod herein. Siegfried erzählt das Geheimnis Kriemhild, - und sie muß nun, in einer ungeheuren
Symbolhaftigkeit ihrer Handlung, das Kreuz am Gewand anbringen und damit die Stelle bezeichnen, wo
der Tod bei Siegfried seinen Eingang finden kann.

Immer steht so der Tod über dem Eid, - und der Eidbruch ist stets nur mit dem Tod zu sühnen. Der
mittelalterliche Gedanke des "Bauopfers" klingt an. Zugegeben, die Verschwörer des 20. Juli wollten eine
neue Welt bauen, dann mußte sich der Erste, der mit seinem Eidbruch sich aus der alten Welt löste, als
Bau-Opfer in diese neue Welt einbauen.

Wie konnte Adolf Hitler das Attentat überstehen? Weil sich kein Selbst-Opfer fand. Das Attentat war bis
ins Kleinste vorbereitet und berechnet, nach menschlicher Voraussicht konnte kein im Raum Anwesender
den Anschlag überleben. Ich muß, selbst auf die Gefahr hin, längst Bekanntes zu wiederholen, die Szenen
in der "Wolfsschanze" nochmals kurz skizzieren.

Als Oberst Graf Stauffenberg den Raum betrat, darin die Lagebesprechung stattfand, hatte er die erste
Sicherung der Bombe bereits gelöst. Die Besprechung war schon im Gange. Er stellte die Tasche vor sich
auf den Kartentisch, der eine etwa 6 m lange und gut anderthalb Meter breite, 8 cm dicke Eichenplatte
hatte. Sie ruhte auf starken Eichensockeln. Zu Beginn der Besprechung stand man um den Tisch herum; im
Verlauf des Vortrages von General Heusinger setzte sich Adolf Hitler, - und nach seinem Beispiel zog der
eine oder andere Teilnehmer, unter ihnen der schwerverwundete Stauffenberg, einen der unter der
Tischplatte befindlichen Hocker hervor und setzte sich ebenfalls.

Kurz darauf erscheint Stauffenbergs Adjutant, Oberleutnant Haeften, in der Tür und gibt das verabredete
Zeichen, das den Oberst vor allen Anwesenden zum Fernsprecher rufen sollte, eine völlig unverdächtige
Geste. Stauffenberg stützt sich auf die vor ihm stehende Tasche und drückt auf diese Weise den
Druckzünder ein. In drei Minuten würde sich also die Säure durch den Verzögerungssatz durchfressen und
die Detonation auslösen. Kaum drei Meter trennen Bombe und Opfer, ein Entkommen ist unmöglich. In
dieser Gewißheit verläßt der Attentäter den Raum.

Er ist aber kaum hinausgegangen, da fällt der Name einer Stadt auf dem östlichen Kriegsschauplatz, - die
also vom Platz des Führers aus gesehen auf der rechten Seite des vor ihm ausgebreiteten Kartenbildes liegt,
genau dort, wo Stauffenbergs Tasche jetzt steht. Man beugt sich zur Tischplatte, denn Adolf Hitler war ja
bekanntlich kurzsichtig. General Schmundt, den nun die Tasche hindert, nimmt sie und stellt sie unter den
Tisch. General Körten, den sie beim Sich-Setzen dann wiederum stört, schiebt sie mit dem Fuß noch weiter
an den die Platte tragenden Eichensockel heran.

Im nächsten Augenblick zerreißt die Detonation den Raum. Selbst dem auf dem Fensterbrett sitzenden
Konter-Admiral von Puttkamer werden die Beine wie weggesengt. Zwischen Bombe und dem
ausersehenen Opfer aber wehrte der Eichensockel die direkte Wirkung ab.

Das war die Entscheidung. Der Attentäter opferte sich nicht selbst, - und der eine Augenblick, als er die
Bombe allein ließ, genügte, um den Eidträger am Leben zu erhalten. Als ob das Schicksal eine solche
Inkonsequenz nicht annehmen wollte. Es fehlte das Selbst-Opfer!

Die nächsten Szenen ereignen sich in einem Wirbel von Verwirrungen. General der Nachrichtentruppen
Fellgiebel hatte innerhalb der Verschwörung den Auftrag übernommen, sofort nach dem Anschlag die
Nachrichtenmittel unbrauchbar zu machen. Dies unterbleibt, er selbst geht stattdessen zusammen mit den
eidgetreuen Offizieren, umgeschnallt (gemeint ist mit "umgeschnallter" Pistole - KHH.), zur
Gratulationscour. Auch dort hätte er, einmal im Komplott, die unausweichliche Aufgabe gehabt, jetzt noch
den Eidträger niederzuschießen, das Attentat also nachzuholen. Oder, sollte ihn nun die, Tatsache, daß
Adolf Hitler das Attentat gegen Berechnung und Vernunft überlebte, wieder in den Eid zurückgezwungen
haben?

In der Bendlerstraße in Berlin dagegen wiederholt sich dreimal kurz hintereinander eine im Grunde
genommen gleichförmige, in ihrer Auswirkung aber verschiedenartige Szene.

Zuerst wird der BdE, Befehlshaber des Ersatzheeres, General-Oberst Fromm, von den Vorgängen ins Bild
gesetzt. General Olbricht fängt den aus dem Hotel "Adlon" vom Essen verspätet zurückkehrenden Chef vor
seinem Dienstzimmer ab mit den Worten: "Herr General-Oberst, ich muß Ihnen melden, daß der Führer tot
ist."
Fromm: "Das ist doch unmöglich."
Olbricht: "Ich werde es Ihnen beweisen."
Fromm: "Wie wollen Sie das tun?"
Olbricht winkt Stauffenberg heran: "Hier ist der Beweis!"
Fromm, der nicht begreift: "Wie soll ich das verstehen?"
Stauffenberg: "Ich habe den Führer umgebracht."

Fromm schreit entsetzt auf und erklärt die Aufständischen zu Verrätern. Er wird überwältigt, in ein
Schreibzimmer geführt und dort unter Abnahme seines Ehrenwortes, daß er den Haftraum nicht verlassen
werde, festgehalten. Der BdE (Befehlshaber des Ersatzheeres), völlig gebrochen, gibt sein Wort und ist zu
keiner Handlung mehr fähig.

Kurz darauf erscheint der herbeigerufene Kommandierende des III. stellvertretenden Armeekorps, General
der Kavallerie von Kortzfleisch, im Sitz der Verschwörung, d. h. in Ulbrichts Arbeitszimmer. Auch ihm
wird die Lage eröffnet unter der Annahme, daß der Führer tot sei. Auch er erklärt das Vorgehen als Verrat,
auch er wird in ein Schreibzimmer gesperrt. Aber, er gibt sich nicht gefangen; er wirft erst eine
Schreibmaschine, dann einen Telephon-Apparat durch das geschlossene Fenster. Die Hofwache wird
aufmerksam, und der General beordert sie vor sein Zimmer, dessen Nummer er sich geistesgegenwärtig
gemerkt hat. Der Wachführer kann ihn auf diese Weise leicht und ohne Aufsehen befreien.

Die Verschwörer haben inzwischen auch ihrerseits die Tatsache des mißlungenen Attentats erfahren. Doch
im Fall Kortzfleisch war ja alles noch einmal gut gegangen. Da erscheint der ebenfalls herbeigerufene
Generalinspekteur für den Führernachwuchs, Generalleutnant Specht. Als man ihm erklärt, der Führer sei
tot, fällt er Olbricht sofort ins Wort. Er habe soeben im Rundfunk die Nachricht vom Attentat gehört,
gleichzeitig sei aber die Meldung durchgegeben worden, der Führer habe nur geringfügige Verletzungen
erlitten. Diese Antwort schlägt wie eine Bombe ein, die Verschwörer sind gelähmt. Selbst das Wort
"Verräter", mit dem Specht das Zimmer verläßt, vermag sie nicht aus ihrer Lethargie zu wecken. Man läßt
den General ungehindert gehen.

Der Eid hatte gesiegt. Generalfeldmarschall von Witzleben bricht unter der Last der Entscheidungen
zusammen und verläßt ebenfalls den Sitz der Verschwörung.

Bis zu diesem Augenblick war in Berlin noch kein Schuß gefallen. Der Putsch fand seine Lösung einzig
und allein darin, daß der Soldat den Eid und den Eidträger in seiner lebendigen Funktion zu erkennen
vermochte.

In diesem höheren Sinne hatte das Schicksal gegen die Attentäter entschieden. Fünfeinhalb Jahre nun hat
die öffentliche Meinungsbildung Zeit gehabt, einseitig nur für eine Partei Propaganda zu machen, und doch
ist nicht einmal Stauffenberg zu einem von allen rückhaltlos anerkannten Helden geworden. Ich stelle dies
fest, rein als Tatsache, ohne irgendwelche Wertungen damit zu verbinden.

Doch, es droht trotzdem die Gefahr, daß wir uns in Augenblickswertungen verlieren, und daß wir dadurch
aus der Sicht der Tragik in die der Tendenz und Propaganda absinken in dem Augenblick, da wir in die
Gegenwart gelangen.

Auch ich bin hier Partei im Problem des 20. Juli, bei aller Bemühung, zu höheren Wertungen zu gelangen.
Das ist wohl unausbleiblich. So wollen wir unseren Blick auf eine Gestalt richten, die heute bereits über
den Parteien steht, an der jedoch die tragische Verstrickung jetzt schon deutlich wird. Ich spreche von
Rommel. Sein Schicksal kulminiert ebenfalls im 20. Juli, - und so fällt er auch aus diesem Grund unter das
uns gestellte Thema.

Rommel leuchtet als deutscher Soldat bereits heute in die Welt. Die außerdeutsche Welt sieht ihn
vornehmlich durch die Brille seines ehemaligen Gegners, des englischen Generals Young, der sich in
vorbildlicher und vornehmer Weise in seinem Buch um die Darstellung des Menschen und Feldherrn
Rommel bemüht hat. Da in Rommel die Tragödie des deutschen Soldaten am sichtbarsten wird, da wir
selbst aber immer noch Gefahr laufen, innerhalb des Vollzugs dieser Tragödie aus unserer Aufgabe als
Handelnde, als Geschöpfe auszubrechen und uns, während des Dramas, bereits das Amt des Richters oder
Regisseurs und Kritikers anmaßen, womit wir aber nur den Ablauf des Spiels stören und verzerren, wollen
wir die Problematik, die sich mit Rommels Schicksal vollzog, durch die Darstellung des Engländers zu
erfassen versuchen.

Young leitet sein Buch ein mit dem Tagesbefehl von Feldmarschall Auchinleck, worin dieser
nachdrücklich davor warnt, im Augenblick der Kämpfe immer nur von Rommel zu reden und ihn dadurch
geradezu zu einer Art Magier oder Kinderschreck zu erheben. Das war im Kampf der Tagespropaganda
während des Krieges völlig richtig. Der gleiche Marschall besitzt aber auch die menschliche Größe, heute,
nach den Kämpfen und vor dem toten Gegner den Degen zu senken. Und aus der gleichen seelischen
Grundhaltung machte sich General Young an sein Werk.

Als in ihm der Entschluß gereift war, Rommels Gestalt zu zeichnen, trat er aus dem Bereich der magischen
Bestrickung heraus in die Freiheit der geistigen Gestaltung. Hier gibt es dann keine Ressentiments des
Schriftstellers dem Soldatenberuf gegenüber, denn Young weiß, was es heißt, Soldat als Beruf zu wählen.
Rommels Gestalt wächst organisch vor uns auf. Young führt uns zum Monte Matajur, wo sich der junge
Truppenführer im Ersten Weltkrieg den Pour-le-Merite holt. Mit viel Einfühlung läßt der Verfasser die Zeit
nach 1918 und Rommels Durchgang durch sie klar werden. Rommel blieb ja auch damals Soldat, er hat
sich nie einen "Ausweichberuf" suchen müssen. Er wurde vom Hunderttausend-Mann-Heer übernommen.

Dabei geschehen Verzeichnungen, die man einem Engländer nicht übelnehmen kann. Zur Charakteristik
des deutschen Offiziers aus dem Ersten Weltkrieg zieht Young mißdeutend jene Episode aus Jüngers
"Stahlgewittern" heran, wo ein Leutnant nach dem Essen ohne Befehl von oben, geradezu aus Kasino-
Laune heraus, einen Stoßtrupp in den Feind vorschlägt, gewissermaßen aus Sport. Aber diese von Young
schief interpretierte und in der Übersetzung dann noch falsch wiedergegebene Stelle ist weder für den
deutschen Frontoffizier bezeichnend, noch für Rommel. Für ihn wohl am allerwenigsten. Etwas weiter
ausgegriffen aber hätte Young eine haarscharfe Trennung bei mancher ursprünglichen Gemeinsamkeit der
höchsten persönlichen Tapferkeit zwischen Rommel und Jünger herbeiführen können. In Jüngers
Darstellungen des Kriegserlebnisses fehlt ein entscheidender und tragender Begriff: die Kameradschaft.
Jünger ist Einzelgänger - Rommel jedoch ist ein Einsamer. Aber, und hier liegt wohl das beide trennende
Wegekreuz: Rommel blieb immer, auch als Einsamer, der unmittelbar Führende. Es war die Einsamkeit
des soldatischen Genies, während Jünger von sich aus zum Schreibtisch drängte, und er wohl, wäre er wie
Rommel kontinuierlich Soldat geblieben, nicht die Laufbahn des Troupiers eingeschlagen hätte, sondern
wohl zwangsläufig im Generalstab gelandet wäre.

Alle Phasen der Entwicklung Rommels werden kongenial nachgezeichnet, der atemberaubende Vormarsch
im Frankreichfeldzug ebenso wie das afrikanische Unternehmen. Und hier begegnet uns abermals wie von
fern Ernst Jünger. Dieser war auch einmal auf dem Weg nach Afrika gewesen und kurz vor der
Fremdenlegion wieder zurückgeholt worden. Aus diesem Erlebnis schrieb er dann die Traumvision der
"Afrikanischen Spiele". Als aber nun Rommel seinerseits sein "Abenteuerliches Herz" - und zwar nicht als
Traumvision wie Jünger, sondern als Tat - in den Kämpfen von EI Alamein bis Tunis in die Schlachten
warf, saß Jünger als Verwaltungsoffizier tatsächlich am Schreibtisch in Paris, meditierte über seinen
"Strahlungen", während Rommel sein Feldherrentum auf seine Soldaten in den Wüstenschlachten in
Wirklichkeit und Wirksamkeit ausstrahlte.


Das afrikanische Abenteuer bricht zusammen, ohne daß Rommels Ruhm geschmälert werden könnte. Jedoch, die
Klimax in der Tragödie ist bereits erklommen. Und - bis hierher konnte Young das Schicksal Rommels
nachzeichnen. Dann aber versagen ihm Einsichten und Erlebnisse, die man selbst gehabt und erlebt haben muß.
Jetzt, da die eigentliche Tragödie beginnt, vermag der englische General die Waagschalen nicht gleichmäßig zu
füllen. Wer aber dürfte ihm daraus einen Vorwurf machen, wo wir in Deutschland beinahe ausnahmslos allen
Darstellungen des jüngsten Geschehens das Prädikat der billigsten Tendenz geben müssen?

Young vermag den rein soldatischen Bereich der Geschehnisse auszuloten und sogar deren Hintergründe
abzuleuchten, solange sie das militärische Geschehen nicht verlassen. Im Augenblick, wenn auch diese Bereiche in
den allgemeinen Schicksalsvollzug des deutschen Geschehens eintreten, - und das heißt ab 1933
Nationalsozialismus - für oder wider -, in diesem Augenblick versagt auch Young. Da beginnt die Schwarz-Weiß-
Malerei, da bricht auch bei ihm die Tendenz herein. Das deutsche Offizierskorps wird gruppiert: grob gesagt, die
Nazis und die Anti-Nazis. Es beginnt in der obersten Führung. Die erste Gruppe ist Hitler-Keitel-Jodl. Sie werden
immer zusammen als die Vertreter des schlechthin Bösen genannt. Daß Rommel zeitweise Kommandant des
Führerhauptquartiers war und in engem, persönlichem Kontakt mit Hitler stand, läßt sich nicht verheimlichen,
ebenso wenig seine bis zum Schluß andauernde enge Verbundenheit mit Goebbels. Entscheidend ist aber doch das
bis zu beider Tod herzliche und menschliche Vertrauensverhältnis zwischen Rommel und Schmundt. Schmundt
aber war wohl der reinste nationalsozialistische Idealist im Führerhauptquartier. Hier tritt die Tragödie in zwei
Gestalten ganz klar ins Licht: Rommel stirbt an dem Gift, das ihm Schmundts Nachfolger als Chef des
Heerespersonal-Amtes, Burgdorf, überbringt, - und zwar im gleichen Monat Oktober, man ist sogar versucht zu
sagen, zur selben Stunde, als Schmundt den Verletzungen infolge von Stauffenbergs Attentat in einem
ostpreußischen Lazarett erliegt. Merkwürdige Verzahnung der Fronten!

Es ist menschlich verständlich, daß sich Rommels Familie und Umgebung mit heißem Herzen auf die Seite der
Gegner Hitlers stellen. Wer aber blickt in die Seele eines Soldaten vom Schlage und Range Rommels? Er nahm
das Gift, das ihm Hitler in dem Augenblick schicken mußte, als der Verdacht sich verdichtete, daß er von der
Verschwörung Kenntnis gehabt habe. Welcher Staatsmann erlaubt oder verzeiht einen Staatsstreich gegen sein
Leben, - welcher Kriegsherr darf eine Verschwörung im Augenblick der höchsten Bedrohung seines Volkes, auf
dem Gipfelpunkt eines Krieges ungesühnt lassen?

Auch aus diesem postkatastrophalen Streit der Meinungen erhebt sich erhaben die Gestalt des Feldmarschalls.
Erschütternd bleibt im tragischen Auseinandertritt Hitlers und Rommels die schweigende Geste, mit der er das
Gift nimmt. In diesem Augenblick treten jene großen Schicksalsdemütigen an seine Seite, Männer wie Sokrates,
als er den Schierlingsbecher nahm und den Rat seiner Freunde, zu fliehen, ausschlug. Mit ihrem "höheren
Gehorsam" hoben sie den lauten Streit der Parteien um gegenwärtiges Recht oder Unrecht, wie es in unteren
Stufen noch abgewogen und abgehandelt werden mag, wie es in der Tendenz des Tages unter momentanen
Lichtem und Schatten verschieden aufscheint, aus diesem Augenblicksgezänk in den Schauder vor einem
tragischen, die Zeit überdauernden und in die Ewigkeit weisenden Schicksalsvollzug.

Meine Kameraden! Dieser Krieg hat über jeden in ihn Verstrickten Furchtbares ausgegossen. Daß er uns aber, wie
kaum eine Generation vor uns, in diese greifbar nahen Schicksalsbezüge hineinriß, so daß wir, ein jeder an seinem
Platz im Kleinen oder Großen, als Allgemeinheit, aber im Ganzen handelnd und behandelt, eine unerhörte
Tragödie mit wachen Sinnen, gleichzeitig auch mit blutenden Herzen durchlebten, mag uns alle über das
Ungeheure erheben und, wie in jeder echten Tragödie, mit dem Schicksal aussöhnen. Denn, wenn wir in wachem
Erkennen die Katharsis in uns bereiten, dann soll keine Zumutung umsonst gewesen sein, die uns zum Handeln in
diesem oder jenem Sinne aufrief.

Wir müssen aus den Verstrickungen in der Vergangenheit uns befreien, indem wir versuchen, eine neue Ebene zu
ersteigen. Erst in dieser Sicht und mit diesen neuen Einsichten dürfen dann die Fragen gestellt werden, die in den
bisherigen. Arten der Rückschau stets zu einer Verhärtung der Fronten führten. Erst der Blick nach vorn und die
Verantwortung vor dem Morgen, frei von Ressentiments und Rechthaberei im verschütteten und unter Trümmern
begrabenen Gestern, läßt eine Begegnung aller Träger des einstmals auferlegten Schicksals in neuer,
schöpferischer Freiheit zu. Erst hier erscheint dann der Soldat, der seinen Eid hielt, als gleichberechtigter
Gesprächspartner für den einstigen Gegner, der aus Last der Verantwortung und höherer Einsicht glaubte, seinen
Eid brechen zu müssen. Wer wohl vermag heute schon das Gewissen jener Soldaten zu erforschen, die, in
höchster Verantwortung stehend, eben aus tieferen Einsichten zu ihrem Eidbruch sich befohlen sahen, weil sie
glaubten, mit diesem Bruch des Gelübdes den drohenden Zusammenbruch des Volkes aufhalten zu können.

Es mag ein jeder seine Taten aus dieser höheren Rückschau auf die Ereignisse dahingehend prüfen, ob er zu seiner
Handlung mit reiner Hand und reinem Gewissen trat. Dann können sich diese Hände auch gegenseitig, und das
bedeutet in unserem Anliegen im eigentlichen Sinn "von den Gegenseiten her!", heute wieder ergreifen, wenn
beide Partner zur höheren Einsicht sich durchgerungen haben.

Ich bin damit an der Stelle angelangt, wo ich meine persönliche Sicht auf die Ereignisse hier, vor Ihnen, darlegen
muß. Ich kann es nicht besser tun, als daß ich mein Schluß-Wort wiederhole, das ich im März 1949 vor der
Münchener Hauptspruchkammer sprach, und dem ich auch heute nichts hinzuzufügen habe. Ich schloß damals
meinen Prozeß mit den Worten, mit denen ich auch heute meine Worte an Sie beenden möchte:

Schluß-Wort zu den Spruchkammerverhandlungen am 10., 11. und 14. März 1949 in München.

"Ich bin diesem Prozeß niemals ausgewichen. Alles, was in dieser Hinsicht in der Voruntersuchung vermutet
wurde, beruht auf Lüge und böswilliger Verleumdung. Im Verfahren selbst habe ich dann darauf verzichtet, mit
den üblichen Methoden des Verkleinerns das geschichtliche Ereignis zu entstellen. Ich betrachte dieses Verfahren
vielmehr als die erste Gelegenheit, über den Streit der Tagesmeinung hinausgehend, eine Schicksalsstunde der
deutschen Geschichte auf einer höheren Ebene zu würdigen und - soweit wir Menschen dies überhaupt vermögen
- zu wägen. Ich bin mir dabei bewußt, daß ich nicht als Richter über der Waagezunge stehe, sondern in einer der
beiden Waagschalen laste.

"Aber gerade der Umstand, daß ich an der Seite meines Kommandeurs näher an das Schicksal herangerückt
worden war, wofür man mich auch ins Gefängnis warf und nun zur Rechenschaft zieht, gibt mir das Recht, in
einem Schluß-Wort meine Meinung zu den Dingen vor diesem Forum und damit vor der Öffentlichkeit zu sagen.
Ich habe es während der Verhandlung selbst abgelehnt, eine Frage zu beantworten, die aus postkatastrophalem
Aspekt heraus den Ablauf der Geschehnisse und die Motivierung unserer Handlungen hätte verzerrt und
verfälscht erscheinen lassen müssen. Wir konnten damals nur das eine tun: handeln aus der Unbefangenheit der
Situation, wie sie sich uns enthüllte, und aus der Treue zum Eid.

"Der Putsch war bereits mißlungen, bevor wir überhaupt in Aktion traten. Er mußte sogar mißlingen, und zwar
aus verschiedenen Gründen. Einmal hatten die Gegner alle bis zu einem individuell verschiedenen Augenblick, und
zwar jeder an seinem Platz, mehr, wie es im Gesetz heißt, "zur Stärkung der NS-Gewaltherrschaft beigetragen"
als mein Kommandeur und ich zu jener Stunde. Lassen Sie mich nur die bei den führenden Köpfe auf dem zivilen
und dem militärischen Sektor herausgreifen.

"Dr. Gördeler war bis 1934 Oberbürgermeister von Leipzig. Dann schied er nach seinem Streit mit dem
Kreisleiter, wobei das Mendelssohn-Denkmal nur die Rolle des auslösenden Momentes spielte, aus diesem Amt.
Er schied aber keineswegs aus dem Dienst des NS-Reiches. Er wurde vielmehr Reichspreiskommissar. 1936/37
hielt er im Auftrag der Reichsregierung Werbevorträge für Deutschland in der ganzen Welt. 1938 wurde er in das
Direktorium der Krupp-Werke berufen und wäre, hätte ihn nicht der Volksgerichtshof abgeurteilt, in Nürnberg
auf der Anklagebank erschienen.

"Generalfeldmarschall von Witzleben dagegen hatte im Frankreichfeldzug noch eine Heeresgruppe geführt und
den Marschallstab dafür empfangen. Er hätte also neben den Marschällen List, von Leeb usw. sich ebenfalls in
Nürnberg verantworten müssen.

"Ich sage dies aber nicht, um meine Waagschale zu entlasten. Es geht mir einzig darum, das Verflochtensein aller
in ein Schicksal deutlich zu machen, das den einen länger, den anderen kürzer in das Geschehen zwang.

"Doch hinter diesen vordergründigen Dingen und Abwägungen erhebt sich die Frage, ob im Augenblick der
höchsten Not eines Volkes ein Mann, mag er immer zum Hochverrat entschlossen gewesen sein, auch zum
Landesverräter werden darf. Wenn die Zeitschrift "Contact" in London in einem bemerkenswerten Artikel über
die Hinter- und Abgründe jenes schicksalhaften Augenblicks die tragische Verlassenheit der Männer des 20. Juli
unterstreicht, indem sie selbst zugibt, daß die Verbindungen mit der deutschen Verschwörung seit Ende 1942
abgebrochen wurden, so will auch dies näher beleuchtet sein. Ende 1942, - das war der Beginn von Stalingrad.
Man brauchte die deutsche Gegenbewegung nicht mehr. Man benützte sie allerdings trotzdem noch einmal in dem
Augenblick, als man die Bombe für die Initialzündung zur Verfügung stellte, denn diese Bombe, die Stauffenberg
ins Hauptquartier schaffte, war ~ e n g l i s c h e n ~ Ursprungs und über Schweden nach Deutschland gebracht
worden.

"Doch auch dies ist noch nicht der entscheidende geschichtsphilosophische Grund für das Scheitern des 20. Juli.
Dieser letzte Grund des Versagens ist der, daß sich kein Selbst-Opfer fand.

"Einen Eid kann man nur beseitigen, wenn ein Mann sich opfert und den Eidträger aus der Welt schafft,
gleichzeitig aber auch mit dem eigenen Tod seinen Eidbruch sühnt. Die sieben mir bekannten Attentate auf Adolf
Hitler scheiterten alle daran, daß sich eben kein Eigen-Opfer gefunden hat. So bestand für uns der Eid.

"Was wir nun taten, lief darauf hinaus, bei der unklaren Befehlsgebung den letzten Richtpfeiler zu suchen und zu
finden: den Eid des Soldaten. In dem Augenblick, wo der Eid bestand, fiel der Putsch zusammen wie ein
Kartenhaus. Es mag dies in einer Zeit, wo mit der Diffamierung des deutschen Soldaten überhaupt auch sein
Festhalten am Eid lange Zeit zumindest als suspekt oder, wenn er sich darauf berief, als Ausrede angesehen
wurde, nicht ganz verständlich sein. Es werden aber wieder Zeiten kommen, wo man die Unabdingbarkeit der
Eide begreifen wird als das Unterpfand jeglichen sozialen Zusammenlebens der Menschen.

"So fühle ich mich in diesem realen Ablauf des Geschehens keineswegs schuldig. Was geschah, ist Schicksal - und
mit Schicksal läßt sich nicht rechten. Wir können nur eines tun: mit reiner Hand und freiem Gewissen in dieses
Schicksal treten. Es will mir in diesem Zusammenhang als symbolisch erscheinen, daß sämtliche von meinem
Kommandeur befohlenen Aktionen abliefen, ohne daß auch nur ein Schuß fiel. Wir haben einen ohnehin im
Augenblick der Initialzündung bereits verlorenen Putsch beendet, ohne daß er zum Bürgerkrieg oder
Blutvergießen ausarten konnte. Die Begründung, mit der Major Remer damals die Auszeichnung ablehnte, hat
den gleichen Charakter, wenn er sagte: "Man kann doch keine militärischen Auszeichnungen für eine Tat
annehmen, bei der man hinterher nicht einmal die Pistole reinigen mußte." Daß ich selbst jenen Tag erlebte, ohne
irgendeine Waffe zu tragen, - ich hatte, als er mich auf dem Motorrad hinderte, meinen Degen einer Ordonanz
zugeworfen, - erscheint mir im gleichen Licht.

"Daß wir der Welt nicht das Bild einer Festungsbesatzung boten, die sich selbst zerfleischt, bevor der Feind in sie
eingedrungen ist, klingt mir geradezu wie ein starkes und versöhnendes Motiv in dieser Untergangs-Symphonie.

"Wir haben aber nicht den Untergang nachträglich noch einmal zu begehen, sondern seine Taten nach vorn
wirksam werden zu lassen. Und da erscheint alles in anderer und neuer Bewertung. Einer Zeit, die uns zum
Handeln aufrief, folgte eine Zeit, die uns die Betrachtung in Gefangenenlagern oder Gefängnissen auferlegte. Und
hier gilt es dann, jenes weise Wort Goethes zu begreifen: 'Nur der Betrachtende hat Gewissen, der Handelnde ist
immer gewissenlos.'

"Wir aber mußten handeln, - und mit jeder Handlung im Sinne dieser goetheschen Erkenntnis auch schuldig
werden. Aus den in der Betrachtung geweckten Gewissen wollen wir alle unsere tragische Schuld bekennen als
ersten Beitrag zu einer neuen Welt. Denn diese läßt sich nicht mit Rache an der Vergangenheit errichten, sondern
nur durch eine Neusetzung der Gewissen. In einem solchen Zusammentritt aller vorwärtsdrängenden Geister bin
ich gewillt, mehr tragische Schuld auf mich zu nehmen, - und ich danke dem Schicksal, daß es mich rein äußerlich
in Situationen gestellt und dort zu handeln gezwungen hat, daß mein Bekenntnis auf dieser neuen und höheren
Ebene dann auch glaubhafter erscheint. Doch diese Tragik erwächst aus Verstrickungen des Menschen, die
sowohl seiner eigenen Verantwortung wie auch einer Beurteilung durch menschliche Gerichte enthoben sind.

"Ich bitte das Gericht nicht um Nachsicht für meine Person, aber um einen Spruch, der es mir wie allen Soldaten
erlaubt, den Eid und das Handeln aus ihm in diese neue Welt hinüberzuretten."

*

Ende des Vortrages von Dr. Hans Wilhelm Hagen am 21. November 1950 am Tage der Besinnung für ehemalige
Soldaten auf der evangelischen Akademie in Bad Boll.

* * * * * *

Quelle: Der freie Mensch, Ausgaben 7-8 und 9-10 in 2009,
Wilhelm Kammeier Verein e.V., Postfach 450 322, D-50878 Köln.

* * * * * *

Über den Vortragsredner Otto Emil Hans Wilhelm Hagen: geboren am 9. Mai 1907 in Markisch/Oberelsaß;
gestorben am 2. April 1969 in München; er war ein Journalist, Kunsthistoriker und Kulturfunktionär der NSDAP
(Nationalsozialistische-Deutsche-Arbeiter-Partei). 1919 mußten seine Eltern mit ihm nach Freising umziehen, weil
der Elsaß infolge des Versailler Diktates an Frankreich fiel. Besuch des Gymnasiums in Freising und Zürich.
Studium deutscher Literaturwissenschaft, Musik- und Kunstwissenschaften in Zürich, Berlin und Greifswald.
1933 der SA beigetreten. Ab 1934 ehrenamtlicher Lektor im Amt für Schrifttumspflege und begann als
Schriftsteller zu arbeiten, schrieb Artikel für die Wochenzeitung "Das Reich" und den "Völkischen Beobachter".
Mit der Mitgliedsnummer 4.158.225 trat er 1937 in die NSDAP ein. 1937 Leiter der kulturpolitischen Abteilung
der Parteiamtlichen Prüfungskommission (PKK) in der NSDAP. 1939 Redakteur für Kultur bei der "Berliner
Börsenzeitung". 1939 bis 1941 kämpfte er als Sturmpionier im 2. Weltkrieg, wobei er in Frankreich schwer
verwundet wurde. Deswegen danach Berater des Hauptschriftleiters der schon erwähnten Zeitschrift "Das Reich".
1943 bei der "Ersatzbrigade Groß-Deutschland" in Cottbus zum Leutnant befördert. Aufgrund seiner
Verwundung wurde er 1944 Ordonnanzoffizier beim Stab des Berliner Wachbattallions "Großdeutschland". "Als
Leutnant unter Otto Ernst Remer trug er durch die Nichtausführung der Walküre-Befehle (der
Verschwörergruppe um Stauffenberg) durch die Herstellung einer Verbindung zwischen Remer und Goebbels
maßgeblich dazu bei", die Verschwörung des 20. Juli 1944 erfolgreich zu bekämpfen. Noch im August wurde er
deshalb zum Hauptmann befördert. Nach dem Krieg wurde er wegen der Beteiligung an der Niederschlagung der
20. Juli-Verschwörer "vor Gericht gestellt". Eine Verurteilung erfolgte jedoch nicht. Anschließend
schriftstellerische Tätigkeit (Bücher und für rechtsgerichtete Zeitschriften), 1958 veröffentlichte er ein Buch über
die Geschehnisse um die Vereitelung der Verschwörung des 20. Julis 1944 mit dem Titel "Zwischen Eid und
Befehl" (aus dem oben der Vortragstext zitiert wurde).

Quelle: Wikipedia.

* * * * * *

Seitenbetreiber: Hier kommentieren zu wollen, würde der Würde des Vortragenden nicht gerecht.

Unten in der Linkliste ein Direktlink zu einem weiteren Artikel über den 20. Juli 1944 in der Widerhall-Ausgabe
Nr. 26 vom Juli 2005. -

Nur so viel zu obigem Vortrag als Erklärungen für die jüngeren Leser. Wie beispielsweise zum Schluß, ist von
Spruchkammergerichten die Rede. Diese wurden nach dem verlorenen Kriege eingerichtet, um Aktivisten des
Hitler-Staates abzuurteilen. Je nach dem Grad der Unterstützung des Nationalsozialismus und seiner
Einrichtungen (egal ob es sich um einen sozialen Verein handelte oder NS-Sportverband, oder das Militär, die
Wirtschaftsverbände, Polizeistellen, eben alle Gruppierungen, die nur irgend etwas mit dem NS-Staat zu tun
hatten) wurden Urteile bis hin zu Gefängnisstrafen und Geldbußen verhängt, wobei weder kriminelle noch
völkerrechtliche Handlungen oder Kriegsverbrechen vorliegen mußten. Das Ganze wurde flankiert von einer
sogenannten "Entnazifizierung", der sich jedes Mitglied einer NS-Organisation unterziehen mußte. Es ging den
Besatzungsmächten und ihren Vasallen (oft zurückgekehrte Emigranten) darum, die Träger der
nationalsozialistischen Idee und Lehre auszuschalten als Voraussetzung für die nun einsetzende Umerziehung des
deutschen Volkes gegen Militarismus (nie wieder sollte ein Deutscher eine Kriegswaffe in die Hand nehmen) und
gegen das Deutschtum schlechthin, was heute im Volksaustausch durch radikale Überfremdung "gekrönt" wird.
Karl-Heinz Heubaum
=======================================================
Abgeschlossen am 20. Juli 2010.
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Verweise zum Seitenanfang, zum älterem WIDERHALL über 20. Juli und zur Hauptseite:

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A C H T U N G ! A C H T U N G ! A C H T U N G ! ! Um den Suchrobotern im Netz
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distanziert und die Veröffentlichung geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu
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