W I D E R H A L L - Nr. 56
J u l i / A u g u s t ~ 2 0 1 0 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Prof. Dr. Eberhard Hamer

Anzeichen
für einen dritten Weltkrieg mehren sich.


Die USA sind nicht nur durch Übernahme der Bankschulden auf den Staatshaushalt, sondern auch
wegen ihrer ohnehin drastisch gestiegenen Staatsschulden - sie brauchen eine Milliarde Dollar pro Tag
Kredite aus dem Ausland - in der größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Kommen die
ausländischen Finanzzuflüsse nicht mehr oder würden sie sich zur Flucht aus dem Dollar umkehren,
stehen die USA vor einem Staatsbankrott.

Dennoch machen die USA keine ausreichenden Versuche, ihre ansteigenden Staatsschulden durch
Sparmaßnahmen zu reduzieren. Weder erhöhen sie die Steuern, um mehr Einnahmen zu erzielen, noch
machen sie ernsthafte Sparanstrengungen in den öffentlichen Haushalten, vor allem nicht bei dem am
stärksten gewachsenen Militärhaushalt. - Immerhin haben die USA überall in der Welt 200.000
Soldaten im Kampfeinsatz. Keiner hat deshalb verstanden, daß der größte Kriegsherr der Welt trotz
Erhöhung der Truppenstärken einen Friedensnobelpreis bekam. Mögliche Erklärung dafür: Er bekam
den Preis vorsorglich, weil es vor allem von ihm abhängt, ob der Krieg in Iran beginnt oder nicht.

Häufig in der Geschichte haben Politiker, wenn sie wirtschaftlich am Ende waren, den Krieg als letzten
Ausweg zum Machterhalt gewählt. Dies gilt um so mehr, wenn ein Land in Krisen steckt und einen
Krieg als letzten Ausweg aus der Wirtschaftskrise sieht. So haben die USA ihre größte Wirtschaftskrise
des zwanzigsten Jahrhunderts durch Eintritt in den Ersten Weltkrieg überwunden, die
Weltwirtschaftskrise durch Eintritt in den Zweiten Weltkrieg und könnten jetzt versucht sein, ihre dritte
Wirtschaftskrise in gleicherweise zu lösen. - Immerhin haben die USA durch die beiden Weltkriege
nicht nur ihre beiden größten Staatsverschuldungen überwinden können, sondern sich auch zur
führenden Wirtschaftsmacht der Welt entwickelt. Da ist die Versuchung groß, diesen gleichen Weg
auch zum dritten Mal zu gehen.

Vor diesem Hintergrund sind eine Reihe von Kriegsvorbereitungen alarmierend:

1.
Der rechtsradikale Ministerpräsident Israels ist kriegslüstern und unberechenbar. Er behauptet ständig
wechselnde Bedrohungen aus Iran, von denen bisher nicht eine einzige stichhaltig erwiesen ist. Sein
Ton wird aber immer schärfer, und er ist in den letzten Monaten in allen wichtigen Hauptstädten der
Welt herumgereist, um Unterstützung zu erreichen. Frau Merkel soll ihm sogar Nibelungentreue
versprochen haben, wie vor den früheren Weltkriegen Wilhelm II. den Österreichern oder Engländer
und Franzosen den Polen.

2.
Israel hat auch die von Deutschland gelieferten Atom-U-Boote bereits mit Atomraketen vor Iran in
Stellung gebracht und in Georgien die vor anderthalb Jahren von den Russen zerstörte
Atomraketenstellung nicht nur wieder aufgebaut und gegen Iran ausgerichtet, sondern auch mit 90 US-
Raketenspezialisten verstärkt.

3.
Die von Israel beeinflusste Presse der Welt verschärft von Woche zu Woche den Ton gegen Iran mit
wechselnden Begründungen - der gleiche Propagandafeldzug, welcher auch vor dem Irak-Krieg mit
falschen Behauptungen die Welt kriegsbereit und sogar hilfsbereit gemacht hat.

4.
Auch die militärischen Vorbereitungen sind weit gediehen. Dem US-Militär ist es zwar noch nicht
gelungen, die beiden Nachbarstaaten Irak und Afghanistan zu "befrieden". Sie haben dort jedoch die
größte Militärkonzentration der Welt im Kriegseinsatz geübt. Zusätzlich haben die USA vor Iran die
größte Flottenkonzentration zusammengezogen, die sie je vorbereitet haben. Das
Friedensnobelpreiskomitee hat in dieser Situation richtig kalkuliert, daß ein Krieg gegen Iran nicht ohne
Zustimmung des US-Präsidenten stattfinden kann, am wenigsten von einem Friedensnobelpreisträger.
Dennoch könnte der Druck der Banken, der Ölmultis, der Rüstungslobby, des Militärs und der Israel-
Lobby einen Kriegseintritt der USA erzwingen, wenn Israel einen Erstschlag gegen Iran führt und die
vorgenannten Mächte ihre Interessen sichern wollen.

Immerhin sind die USA nicht nur das am meisten verschuldete Land der Erde, sondern mit ihrer
Währung verfällt auch ihr Weltreich. Die angeblich "einzige Weltmacht der Erde" implodiert zurzeit
genauso wie vor 20 Jahren die russische. Die Chinesen haben dem US-Präsidenten bereits durch
Fußtritte zu verstehen gegeben, dass sie dessen Herrschaft nicht mehr anerkennen. Der US-Präsident
steht also, wenn Israel losschlägt, vor der verzweifelten Frage, ob er weiter in den Sumpf der Finanz-,
Wirtschafts- und Sozialkrise versinken oder die Lösung in einem Weltkrieg suchen soll, wie dies schon
zweimal die USA zum Gewinner werden ließ.

Die Gefahr eines neuen Weltkrieges war seit dem Zweiten noch nie so groß wie jetzt. Mit Recht haben
deshalb seit einem Jahr auch die Warnungen an die USA vor allem aus europäischen intellektuellen
Gruppen zugenommen. Hindern können wir es aber nicht. - Ein Krieg in Iran bliebe nicht mehr ein
lokales Ereignis, selbst wenn er anfangs nur mit Raketen geführt wird.

Auf Seiten Irans werden die Chinesen direkt oder indirekt und möglicherweise die Russen eingreifen,
um nicht das amerikanische Militär an ihre Grenzen rücken und die USA nicht übermächtig werden zu
lassen. Auf Seiten Israels und der USA werden die Nato-Staaten wie beim Irak zur Hilfe verpflichtet
werden, vor allem wenn sie ebenfalls vorher Nibelungenschwüre abgegeben haben. Wir müssen uns
also deshalb auch in Europa auf Kriegsbeteiligung einstellen.


Welche Auswirkungen könnte ein
dritter Weltkrieg in Iran für uns haben?


1.
Jeder Krieg mit Iran würde sofort die Straße von Hormuz unpassierbar machen und den Ölpreis um so
dramatischer ansteigen lassen, je länger der Krieg die Region gefährdet. Ölpreissteigerung ist aber
immer Kostensteigerung für Wirtschaft und Verbraucher. Wir müssen also mit Verknappungen, mit
Einschränkungen und mit Preissteigerungen in der Güterversorgung rechnen.

2.
Jeder Krieg steigert die Nachfrage nach Rüstungsgütern. Die Rüstungsindustrie in der Welt - vor allem
in den USA wird also jubeln, wird wieder ausgelastet, kann wachsen. Das wirkt sich auch auf eine
wachsende Produktion in Nebenbereichen aus, wie zum Beispiel der Automobilindustrie, der
Textilindustrie, der Werften- und Luftfahrtindustrie und anderen. Die Produktion steigt, wenn auch zu
deutlich steigenden Preisen.

3.
Gewinner jedes Krieges sind die Banken. Man wird nicht mehr über Giftmüllprodukte und Bankster
sprechen, sondern die Zentralbanken müssen den Krieg mit frischem Geld fluten. Die Banken können
wieder neue Kredite geben. Eine wachsende Inflation wird den Dollar vorerst bis Kriegsende halten.
Erst nach Kriegsende folgen üblicherweise die Generalbereinigungen der Sünden der
Kriegsfinanzierung.

Dass die USA ihren steigenden Finanzbedarf auch bei ihren Vasallen abkassieren, war schon bisher im
Irak-Krieg und im Afghanistan-Krieg üblich. Der Krieg wird also nicht nur die USA und Israel,
sondern uns alle ärmer machen. Da das Geld für einen Krieg nicht vorhanden ist, wird die Finanzierung
über Inflation wie in den beiden früheren Weltkriegen geschehen, müssen wir uns also auf eine
dramatische Inflation einstellen. Für einen Krieg in Iran würden die USA auch die Nato mobilisieren
("Bündnisfall"). Dann würde die Regierung unseren Soldaten erklären müssen, weshalb sie nicht nur in
Afghanistan, sondern auch in Iran Söldnerdienste zu leisten hätten, und sie müsste im Bundestag eine
Mehrheit für die Kriegskosten bekommen.

Schon einmal haben SPD (Schröder/Scharping) und Grüne (Fischer) mit der Lüge eines
"Friedenseinsatzes" tatsächlichen Kriegseinsatz beschließen können. Für einen neuen dritten Weltkrieg
wird eine Mehrheit aber trotz allem Druck der USA schwieriger werden. In der Bevölkerung dürfte
inzwischen die Ablehnung überwältigend sein und möglicherweise dann zur Ablösung der
dienstwilligen Regierung führen.

Vielleicht sieht aber auch die Regierung Merkel in einem Krieg einen politischen Ausweg aus ihrer
verfahrenen Situation nach der Bankenhilfe, der öffentlichen Überschuldung, dem drohenden
Finanzkollaps der Sozialsysteme und den aus wirklichen Korrekturen drohenden gesellschaftlichen
Unruhen. Die Kriegsgefahr steht vor uns. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob wir in
einen dritten Weltkrieg gezogen werden oder dieser Gefahr noch entgehen können.

______________________________________________________________
Prof. Dr. jur. Eberhard Hamer: Nach seinen Studien der Volkswirtschaft, Theologie und
Rechtswissenschaften arbeitete Hamer als Rechtsanwalt und war dann bis zu seiner Emeritierung im
Jahre 1994 Professor für Wirtschafts- und Finanzpolitik an der Bielefelder Fachhochschule der
Wirtschaft. In den 1970er Jahren gründete er das privat geführte Mittelstandsinstitut Niedersachsen in
Hannover. Prof. Hamer war persönlicher Berater von Bundeskanzler Gerhard Schröder und anderen
Bundeskanzlern. Für die Entwicklung einer neuen Mittelstandsökonomie wurde Hamer das
Bundesverdienstkreuz verliehen. Er ist Autor mehrerer Bücher.

* * *

Quelle: "Soldat im Volk" (Juli/August 2010), S. 223. Rheinallee 55, D-53173 Bonn.

* * * * * *

Seitenbetreiber: Ein weiterer Text von Prof. Dr. Hamer ist in WIDERHALL Nr. 30 vom Februar 2006
zu finden. Direktlink unten.
=================================================
Abgeschlossen am 24. August 2010.
=================================================

Verweise zum Seitenanfang, zur 2. Hamer-Seite und zur Hauptseite:

Hier die Schreibmaske für den Sofortbrief an den WIDERHALL:

===================================================================
Vielen Dank für den Besuch der Homepage. Bitte weiterempfehlen und wieder
reinschauen. In unregelmäßigen Abständen kommen neue Beiträge hinzu. Anregungen,
Kritik und Beiträge sind willkommen. Bei Leser-Briefen setze ich die Erlaubnis
zur Veröffentlichung voraus, wenn nichts anderes angegeben wird.
A C H T U N G ! A C H T U N G ! A C H T U N G ! ! Um den Suchrobotern im Netz
das Auffinden von ePost-Adressen möglichst zu erschweren, verwende ich in
allen eBrief-Anschriften anstelle des @ die Zeichenfolge (A)
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
D I S T A N Z I E R U N G . Aufgrund bundesdeutscher Justizpraxis können auch
Zitate, sogar welche aus wissenschaftlichen Werken und historischen Dokumenten,
zu einer Strafverfolgung führen, wenn man sich nicht glaubhaft vom Inhalt
distanziert und die Veröffentlichung geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu
stören. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von solchen Zitaten und
Aussagen, sollten sie in meinen Veröffentlichungen erscheinen. Das gilt für
alle Ausgaben des WIDERHALL. Übertragen gilt dies auch für Links/Verweise auf
andere Internetseiten. Deren Veröffentlichung habe ich rechtlich grundsätzlich
nicht zu vertreten, da ohne Einfluß meinerseits. Ich verweise ausdrücklich
auf den Haftungsausschluss und die Bekanntmachungen gleich anfangs auf meiner
Hauptseite hin, gültig für alle von mir veröffentlichten Weltnetz-Seiten.
Viele Grüße von Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de