W I D E R H A L L - Nr. 59
J a n u a r / F e b r u a r ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz

Zur Herausgabe einer Helmut Kohl-Briefmarke im Jahr 2011.


Eine Helmut Kohl-Briefmarke ist definitiv nicht alternativlos, vielmehr geschmacklos, da prizipien- bzw.
gar ruchlos. Wolfgang Schäuble, der die Marke herausgibt, und Helmut Kohl bezichtigten sich einst
gegenseitig "kriminellen Verhaltens"!

Kohl versuchte sodann, dies kriminelle Verhalten hinter einer Nebelwand aus mißbrauchten Ehrbegriffen
zu vertuschen. Er sprach von einem "Ehrenwort". Dazu gehört jedoch - und das geradezu zwangsläufig -
auch ein "Ehrenmann". Doch über welchen Typ von Ehrenmann reden wir im Falle Kohls?

Einen Ehrenmann im Sinne des deutschen Wortes "ehrbar" oder im augenzwinkernd-italienisch-mafiösen
von "ehrenwert"? Ehrenmann also, oder Mafiosi? Waren Kohls Spender Ehrenmänner? Handelte es sich
bei den Spenden um sauberes Geld?

Ehrenmänner hätten ihren Kollegen Kohl umgehend aus der für ihn so mißlichen Lage befreit. Das von
Kohl angenommene Geld ist mithin ebensowenig sauber, wie die Geldgeber ehrbar sind. Und zwar weder
im deutschen, geschweige denn im strengen preußischen Sinn des Wortes, wie ich schon am 23. Oktober
2003 in meinem Kommentar "Mafia in Germania" schrieb.

In einem funktionierenden Rechtsstaat hätte man Kohl so lange in Beugehaft genommen, bis er die Namen
seiner Schwarzgeld-Spender genannt hätte.

Zu einer Helmut Kohl-Briefmarke im Jahr 2011 fällt mir daher eigentlich nur noch mein Kohl-Kommentar
aus dem Jahr 2004 ein:

"Wie blöd war Helmut Kohl?"

Hans-Joachim Selenz
25. Jan 2011 16:20
H.J.Selenz(A)gmx.de

* * *

Seitenbetreiber: Der hier erwähnte Selenz-Kommentar "Wie blöd war Helmut Kohl?" ist in WIDERHALL
Nr. 54 veröffentlicht. Der Direkt-Verweise/Link dorthin unten in der Linkliste! Es folgt nun die
Dokumentation des Selenz-Kommentars vom 23. Dezember 2010, den ich nicht mehr im Weihnachts-
WIDERHALL bringen konnte. Zwar hat sich die FDP bei der Hamburg-Wahl am 20. Februar wieder
berappelt, doch ich halte nach wie vor die Gedankengänge des Prof. Selenz für veröffentlichungswert:


Säuft das FDP-Schiff ab?

"...Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter."


Das FDP-Schiff befindet sich in schwerem Wetter. Seit dem grandiosen Erfolg bei der letzten
Bundestagswahl läuft es volle Kraft zurück. Permanent und in allen Bereichen. Guido Westerwelle
verbreitet als FDP-Kapitän derweil maritime Durchhalteparolen. Das tat er schon, als Parteifreund
Möllemann noch die "Strategie 18" postulierte: "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen,
der die Dinge regelt - und das bin ich". Die 18 hatte sich Westerwelle im gelben Guido-Mobil sogar in die
Schuhsohlen ritzen lassen. Das Ziel schien erreichbar. Die FDP sah sich im Herbst 2009 angesichts
dramatischer Stimmenzuwächse bereits als Volkspartei. Das war indes eine Fehleinschätzung. Die 14,9
Prozent waren das Ergebnis mannigfaltiger Einflüsse. Die wenigsten kamen aus der FDP selbst. Viele
bürgerlich liberale Wähler sahen einfach keine andere, wählbare Alternative. Andere machten ein gelbes
Kreuz, um eine schwarz-gelbe Koalition abzusichern. Es war zudem viel Hoffnung im Spiel. Doch bis auf
die Hotelbesitzer sind inzwischen alle enttäuscht.

Die Bankenkrise machte fast alle vollmundigen FDP-Wahlversprechen zu Steuersenkungen zu Makulatur.
Doch auch da, wo die FDP freie Bahn hat, versagt sie kläglich. Guido Westerwelle spielt zwar den
Außenminister, doch keiner nimmt ihm die Rolle ab. Seine Unsicherheit schimmert durch. Der Mann
beeindruckt vor allem sich selbst. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hatte noch unmittelbar vor
der Wahl mangelhafte Besoldungsstrukturen in der Justiz ebenso angeprangert wie die politische
Weisungsgebundenheit deutscher Staatsanwälte. Vor dem Ausschuß für Recht und Menschenrechte des
Europarates forderte sie "eine angemessene Bezahlung als Schutz vor unzulässigen äußeren Einflüssen i. E.
der Gefahr der Korruption." Zudem unterstütze sie "uneingeschränkt den Vorschlag, die Unabhängigkeit
der Staatsanwaltschaft zu stärken, damit diese ihre Aufgaben ohne Einmischung aus dem Bereich der
Politik erfüllen könne. Wenn die Staatsanwaltschaft nämlich 'politischen' Weisungen zu folgen hat, kann
das gesamte Verfahren leicht zu einer Farce werden." Die Möglichkeit, Staatsanwälten politische
Einzelanweisungen zu erteilen, sei daher abzuschaffen. Nachdem sie Justizministerin geworden war,
landeten ihre Forderungen in der politischen Mülltonne. Die Krebsgeschwüre der deutschen Justiz bleiben
bis dato unangetastet!

Wen wundert es da, daß sich die Wähler in Scharen abwenden? Das treibt die Leichtmatrosen an Deck. Sie
fürchten den Untergang. Wolfgang Kubicki - Lautsprecher der FDP - brachte die Ängste der Funktionäre
auf den Punkt. Er verglich die FDP und ihre Führungs-Crew mit der DDR in deren Spätphase: "Die ist
irgendwann implodiert. Auf einmal war sie nicht mehr da." Der ZEIT gab er ein bemerkenswertes
Interview unter der Überschrift "Hauen bis die Schwarte kracht". Es gibt den Blick frei auf das politische
Leben in Berlin, wie es sich der Bürger schon immer vorgestellt hat... .

Auf die Frage, ob er sich auch eine andere Position im aktuellen Machtgefüge vorstellen könne, gab
Kubicki folgende Antwort: "Nein, es ist Teil meiner Überlebensstrategie. Ich würde in Berlin zum Trinker
werden, vielleicht auch zum Hurenbock. Ich bin inzwischen zum dritten Mal verheiratet, und ich will auf
keinen Fall diese Ehe ruinieren. Dass politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den ganzen Tag
unter Druck, abends wartet ihr Apartment auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuß,
denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf schätzungsweise 60 Prozent Frauen.
Ich weiß doch, wie es läuft: Da sind dann diese Abende, an denen Sie nur abschalten wollen, Streßabbau.
Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte
irgendwann im Bett weiter. Dazu der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen
Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf Termine. Und abends geht es
richtig los. Sie betreten bestimmte Restaurants und sehen schon die glasigen Augen in den
Rotweingesichtern Ihrer Kollegen. 'Kubicki', rufen die beseelt, während Sie noch in der Tür stehen,
'Kubicki, setz dich zu uns.' Aber wissen Sie, auch mein Leben ist endlich. Ich bin jetzt 58, da will ich
meine politische Karriere überleben."

Doch überlebt die Republik Kubickis rotweingesichtige Kollegen? Kapitän Westerwelle arbeitet derweil
unbeirrt daran, "daß wir wieder auf Erfolgskurs kommen. Ich werde das Deck nicht verlassen, bloß weil es
stürmt." Da könnte Kapitän Westerwelle aber verdammt naß werden.

Derzeit sehen Meinungsumfragen die FDP bei 3 Prozent. Das FDP-Schiff droht, ihm abzusaufen.

Peine, den 23. Dezember 2010 gez.: Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz

www.hans-joachim-selenz.de

* * *

Seitenbetreiber: Zwar ist die FDP letzten Sonntag mit einem blauen Auge davon gekommen und konnte
mit 6,6 Prozent die 5-Prozent-Hürde in Hamburg meistern, aber ob das ihr Verdienst ist, kann man
bezweifeln. Dieses Ergebnis ist wohl speziell in der Hansestadt dem grandiosen Niedergang der
Hamburger CDU anzulasten. Da werden sich etliche CDU-Wähler gesagt haben, die Niederlage der CDU
ist sicher, da wollen wir wenigstens helfen die FDP in den Senat zu hieven. Für uns inländische Deutsche
ist das jedoch alles piepegal, denn von der national-liberalen FDP eines Erich Mende ist nichts mehr übrig
geblieben. Ich verweise auf den Artikel von Karin Zimmermann in dieser WIDERHALL-Ausgabe
"Wählen - aber wen?", Direktlink unten in der Linkliste.
Karl-Heinz Heubaum
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Abgeschlossen am 23. Februar 2011.
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Verweise/Links

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