W I D E R H A L L - Nr. 60
M ä r z ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
1. Deutschland und die Macht der Finanzbranche.
2. Zeichen auf Sturm - Konfrontation mit China.
3. "Lahme Ente" contra chinesischer Drache.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Michael Nier

Deutschland und die Macht der Finanzbranche.


Man wird die großen politischen Fragen nicht entschlüsseln, wenn man sie nicht auf ihren ökonomischen
Kern zurückführen kann. Große politische Interessen haben immer eine politökonomisch erklärbare
Grundlage. Der verzweifelte Versuch, den Euro zu erhalten und in Windeseile eine immer weiter
verschärfte EU-Diktatur der "Vereinigten Staaten von Europa" zu zimmern, hat ökonomische Ursachen.
Mit dem Euro ist für die Finanzbranche der USA, Großbritanniens und des EU-Raumes ein Raum
schrankenlosen Profitierens entstanden. Manche sprechen von den beiden häßlichen Geschwistern Dollar
und Euro. Der ganze Kontinent sollte verschuldet werden, um einen nicht abreißenden Strom von Geld aus
den Schuldzinsen zu produzieren. Da derzeit die Verschuldung der meisten EU-Länder (Staat, Banken,
Unternehmen und Bürger) von diesen nicht mehr getragen werden kann, sollen wenigstens die
Bankschulden gerettet werden. Bankschulden werden in Staatsschulden verwandelt, die ja letztlich immer
Bürgerschulden sind. Dafür versucht man jetzt sogar eine direkte Diktatur des Finanzkapitals einzurichten.
Im Interview der (Frankfurter Allgemeine Zeitung-Redakteure - KHH.) FAZ-Redakteure Dyrk Scherff und
Christian Siedenbiedel vom 26.12.2010 mit dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer läßt
dieser die Katze aus dem Sack.

Die FAZ fragte: "Es wird ja sogar wieder über einen europäischen Währungsfonds diskutiert." Darauf
antwortete Mayer: "Der Vorschlag ist vom Frühjahr. Es sollte jetzt nicht mehr debattiert, sondern
beschlossen werden. Im Januar nimmt der Druck der Märkte wieder zu, dann muß klar sein, wohin die
Reise geht." FAZ: "Wäre der Fonds eine gute Lösung?" Mayer: "Ja, dann würde der Fonds, besetzt mit
Finanzexperten, unabhängig von der Politik über die Rettung und die Umschuldung von Staaten
entscheiden. Die Politik war bisher mit den vielen praktischen Fragen überfordert."

Die dann "regierenden" Finanzexperten sollen aus der Welt der Investmentbanken und Versicherungen
kommen. Auch paar dienstwillige Politiker oder Ministerialbürokraten würden dieses Gremium garnieren.
Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen wird sicher dabei sein. Ihre demokratische Legitimation wird noch
geringer sein, als die der EU-Kommissare. Also gleich Null. Das spielt aber in der gegenwärtigen Phase
des Kapitalismus keine Rolle mehr. Wir sind historisch in einer nachdemokratischen Phase des
Kapitalismus und auch die industrielle Unternehmerschaft hat keine politische Macht mehr. Das
Finanzkapital ist beim Durchregieren durch die Gesellschaften. Die Legitimation dieser Gremien wird
einfach nicht thematisiert. Ja, oft kriegen die Bürger davon gar nichts mehr mit. Dafür sorgen die Medien.
Sieben Familienunternehmen repräsentieren in Deutschland die Pressefreiheit: Holtzbrinck-Gruppe, die
WAZ-Guppe, der Bauer-Verlag, der BURDA-Verlag, M. DuMont Schauberg, Springer und Bertelsmann.
Vergessen darf nicht die SPD-eigene DDVG (Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft) werden. In dem
riesigen Heuhaufen von Nebensächlichem und Desinformationen finden sich trotzdem viele kleine Nadeln
der Wahrheit. Denn wenn über ein Thema berichtet wird, müssen immer Elemente von Sachinformationen
dabei sein. Außerdem gibt es auch noch einige unabhängige Medien wie www.nachdenkseiten.de,
www.net-news-global.de, www.krisenfrei.de oder die Tageszeitung "Junge Welt" (*). Auch dem Thomas
Mayer von der Deutschen Bank ist wegen seiner Ehrlichkeit in der FAZ zu danken. Dank der Medien
werden die Schwellen jedoch immer höher, die ein politischer Skandal überwinden muss. Die sich immer
mehr intensivierende Herrschaft der Finanzwirtschaft über das Leben der Bürger ist ein Skandal. Die
Forderungen von Thomas Mayer waren zwar in der FAZ, fanden aber keinen Weg in die Öffentlichkeit.


DIE FINANZBRANCHE IST IM EIGENEN EXESS GEFANGEN.

Schon am 16. Februar 2003 gab es ein Geheimtreffen im Berliner Wirtschaftsministerium, wo sich acht
Spitzenmanager der Finanzwirtschaft und drei Spitzenpolitiker getroffen hatten. Es ging um die Rettung
der Banken vor faulen Krediten und die Einrichtung einer "Bad-Bank", wo man den Finanzmüll elegant
aus der Bilanz verbergen könnte. 50 bis 100 Mrd. Euro sollten bereitgestellt werden. Man wurde sich
jedoch nicht einig und trennte sich nur mit dem Ergebnis, den Finanzmüll doch in Zweckgesellschaften
("Conduits") auszulagern, die beispielsweise in der durch die EU gewollten Finanz- und Steueroase Irland
zu gründen wären. Der damals und noch heute führende Mann der Finanzbranchen war bei diesem Treffen
Josef Ackermann (*1). Ackermann ist nicht nur Chef der Deutschen Bank, sondern auch Chef des
"Institute for International Finance" (IIF, gegründet 1983, Sitz Washington D.C.), in dem sich 420 Banken,
Versicherungen und Finanzhäuser zu strategischen Abstimmungen und globalem Finanzlobbyismus
verbunden haben. Werner Rügemer hat am 15.12.2010 unter dem Titel "Dead end der EU" in der "Jungen
Welt" geschrieben: "Josef Ackermann ist Schweizer und Chef der Deutschen Bank. Die gehört
angelsächsischen Investoren und der United Bank of Switzerland (UBS) und macht ihre Hauptgeschäfte in
London, New York und auf den Cayman Islands. Ackermann spielt jetzt den glühenden Europäer. "Europa
muß als Einheit bewahrt werden und darf nicht kurzfristigen ökonomischen Erwägungen zum Opfer
fallen", ließ er verlauten, nachdem er Ende November durch Brüssel tourte und den EU-
Kommissionspräsidenten, den EU-Ratspräsidenten und den EU-Binnenmarktkommissar heimgesucht
hatte. Lutz Raettig, Aufsichtsratschef der deutschen Niederlassung der US-Investmentbank Morgan
Stanley, sagt es so: "Die Forderungen der deutschen Banken an Irland sind wichtig genug, um dem Land zu
helfen."

Irland retten - das hört sich für das Wählervolk besser an als "deutsche" (*2) Banken retten." Die Deutsche
Bank hat rund 1000 Tochtergesellschaften in aller Welt und beglückt uns auch hier nicht nur mit ihren
Filialen, sondern auch mit der Postbank, der Norisbank und mit Sal. Oppenheim, der früher in Köln, später
in der Finanzoase Luxemburg agierenden Bank für die Reichen. Die Deutsche Bank wird gegenwärtig als
wichtigste Bank der westlichen Welt und zugleich gefährlichste Bank bezeichnet. Wenn sie umkippt, dann
kippt das westliche Finanzsystem. Wie Thomas Mayer andeutete, ist Deutschland zu klein für die Rettung
der Deutschen Bank, es muss schon ganz Europa sein, das die Deutsche Bank zu retten hat. Josef
Ackermann, dem die Bundeskanzlerin im Bundeskanzleramt zu seinem 60. eine Geburtstagsparty auf
Bürgerkosten ausrichtete, ist wahrscheinlich der wichtigste Mann in der BRD. Rügemer schreibt unter dem
Titel "Subvention, Korruption, Marktzerstörung" auf der Internetseite Nachdenkseiten am 5.10.2010: "So
war es z.B. möglich, daß die deutsche Bundesregierung unter der CDU-Vorsitzenden die erste insolvente
Bank in Deutschland sofort rettete, nachdem der Chef der Deutschen Bank in seiner netten, in mehrfacher
Hinsicht gewinnenden Art in einem kurzen Telefonat darauf hinwies, daß die Industriekreditbank (IKB) in
Düsseldorf insolvent sei und umgehend doch bitte auf Staatskosten zu retten sei. Die deutsche Regierung
und ihre Finanzaufsicht verließen sich auf die Darstellung des Deutsche Bank-Chefs und retteten mit dann
insgesamt 10 Milliarden Euro die IKB - wohlgemerkt ohne eigene Prüfung der Lage dieser Bank und ohne
das gewählte Parlament mit dieser ungewöhnlich hohen Ausgabe von Steuergeldern zu befassen."

"...Ein ähnliches Procedere wiederholt sich seitdem etwa im Falle der insolventen Hypo Real Estate: Die
Deutsche Bank, selbst auch Gläubiger, nahm auch hier die Prüfung der Lage dieser Bank in die Hand und
zwang als Repräsentantin der übrigen Gläubiger die Bundesregierung zur staatlichen Rettung. Die deutsche
Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende bezeichnete dieses Vorgehen später selbst als Erpressung. Sie sah
sich gezwungen, öffentlich zu behaupten, dass sie eine solche niemals wieder erleben wolle. Sie fand
allerdings in der Folgezeit keine Möglichkeit, sich den Bedingungen zu entziehen, die zu Wiederholungen
führt. Die Finanzakteure können deshalb die nächste für sie so lukrative Krise in aller Ruhe vorbereiten.
Die Tätergemeinschaft erweist sich als offenbar unauflöslich."

2010 wurde durch die G7 ein "Finanzstabilitätsrat (FSB)" unter Leitung von Mario Draghi installiert, der
eine Liste global systemrelevanter Finanzinstitutionen erstellen soll. Ab 2012 oder eher, werden dann
Rettungsprozesse für diese quasi unsterblichen Finanzunternehmen in Gang gesetzt werden, wenn sie sich
nach Abschöpfung privater Provisionen, Boni und Gewinnen verzockt haben. Das Geld kommt von den
Staaten, die sich für die Banken bei den Banken verschulden dürfen. Mario Draghi war Investmentbanker
von Goldman Sachs in London und ist jetzt Chef der Italienischen Zentralbank. Thomas Mayers
Forderungen entsprechen dieser Weltstrategie der Top-Finanzinstitutionen. Thomas Mayer arbeitete früher
beim IWF, bei Salomon Brothers und - siehe da - auch bei Goldman Sachs. Die "Goldmänner" treffen wir
überall, wo es um unser Geld geht.

Ein Banker sagte mal spöttisch, "Uns ist das Geld anderer Leute ausgegangen". Also müssen die Banker es
sich auf anderen Wegen besorgen. Über die Extremverschuldung der Staaten, Gemeinden und Städte
versuchen die Banken an die Steuergelder und an das öffentliche Eigentum zu kommen. Daß diese so
verschuldet sind liegt daran, daß das gesamte Steuersystem die Finanzwirtschaft begünstigt bzw. daß die
Finanzbranche, die Konzerne und die Superreichen faktisch keine Steuern zahlen. Es handelt sich also um
eine zielgerichtete Verarmung der öffentlichen Hand oder zielgerichtete Verschuldung im Interesse der
Finanzbranche. Es gilt der Satz: "Ein armer Staat ist gut für die Reichen, ein reicher Staat ist gut für die
Armen". Man spricht heute sogar in Analogie zur Zeit vor 1929 von einem neuen Goldenen Zeitalter für
die Superreichen. Das Eigentum vieler Bürger und Unternehmen hat die Finanzbranche über deren
Schulden und Zinszahlungen bereits, aber auch über die sogenannten Geldanlagen. Viele Geldanlagen der
Bürger bluten durch Provisionen, Verwaltungsgebühren, Wertverluste der Anlageobjekte, vorenthaltene
Gewinne durch Emittenten und durch Inflation regelrecht aus. Aber man sollte auch wissen, daß zwei
Drittel der Deutschen kein oder nur ein geringes Vermögen haben. Ein Drittel hat nichts oder nur Schulden.
Generell wird bei der Beweihräucherung der sogenannten Mittelschichten nur das Einkommen genannt,
aber nicht die Schuldenverpflichtungen und Zahlungszwänge zur Aufrechterhaltung eines den Nachbarn
beeindruckenden Repräsentationskonsums.

Wirkliches und sicheres Vermögen sind recht selten. Die 91 Millionen Lebensversicherungen im Umfang
von 3,5 Billionen Euro sind zum großen Teil nur Scheinvermögen. Auch Immobilien, sei es als Fonds oder
im Eigenbesitz sind nur das wert, was jemand dafür zu zahlen bereit ist. Die oberen 10% der Bevölkerung
haben über 60% des Vermögen. Über das 1% der Bevölkerung, die superreichen Familien und die
Neureichen der Finanzbranche wird nicht gesprochen. Für die wird heute die Finanzpolitik gemacht. Ihnen
soll es gut gehen. Deshalb ist die Euro-Rettungspolitik eine Rettung der Banken vor Verlusten und ein
Schutz der Superreichen. Gegenwärtig wird festgestellt, daß in den USA und auch in Deutschland die
Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet und die Reichen aus der Krise noch reicher
heraus gekommen sind. Das wird nicht gut gehen, weil alle ökonomischen Extreme sich politisch zu
entladen pflegen.


AUSTERITÄT - EIN SCHÖNES WORT FÜR EINE FIESE SACHE.

Dieser Schutz des Euro über wachsende Staatsverschuldung wird von Maßnahmen in der Veränderung des
öffentlichen Eigentums und der Sozialpolitik begleitet. Es ist eine Fortsetzung der bekannten neoliberalen
Politik, aber nun noch radikaler. Für die Kürzung der Staatsausgaben, Lohnsenkungen und generell den
Abbau des Sozialstaates hat man den schönen Begriff "Austerität" gefunden. Bei Wikipedia finden wir:
"Austerität (engl. austerity, von lat. austeritas 'Enthaltsamkeit', 'strenge Einfachheit') ist ein Fremdwort für
'Strenge, Sparsamkeit', das heute vor allem in ökonomischen Zusammenhängen gebraucht wird und dann
eine staatliche Sparpolitik bezeichnet, die durch Drosselung laufender Ausgaben im öffentlichen und
privaten Bereich, sprich durch strenge Führung des öffentlichen Haushaltes bei gleichzeitiger Politik der
Einschränkung des Massenkonsums, in Zeiten ökonomischer Krisen eine Verbesserung der
wirtschaftlichen Situation herbeiführen soll."

Mit solchen Begriffen kommt fast ein väterlicher Ton in die Politik. Ein Witz wäre es, Schäuble oder
Brüderle als treusorgende Hausväter bildlich darzustellen. Mütterlich meinte Angela Merkel häufig. "Wir
haben über unsere Verhältnisse gelebt." Ich glaube nicht, daß wir Bürger generell über unsere Verhältnisse
gelebt haben und wenn, dann ist das "über die Verhältnisse leben" systemnotwendig. Wir leben in einer
Zivilisationsstufe, die sich durch grenzenlosen Wohlstand als Sehnsuchtsziel, Konsum als Lebensinhalt und
Gedankenlosigkeit bezüglich der Folgen des heutigen Lebensstils auszeichnet. Dem bietet die
Finanzwirtschaft durch geldschöpfende Kreditvergabe die Verschuldungschance. Wir werden im
Kapitalismus gezwungen, über unsere Verhältnisse zu leben, also auch auf Pump zu konsumieren. Und zu
diesem äußerlichen Leben werden wir durch die Finanzwirtschaft, die Konsumkonzerne und die
Medienwirtschaft mit vielfältigen Mitteln genötigt. Sie normieren unser Leben. Wir reagieren nur auf ihre
Nötigungen. Nur die starken Exemplare unserer Gattung entziehen sich dem bzw. auch die, die durch die
Umstände zu einer bescheidenen Lebensführung gezwungen werden. Gerade letztere sind gezwungen,
beim Discounter denaturierte Lebensmittel zu erstehen: Tütensuppen, Fertigpizzen, Joghurt mit
Fruchtzubereitung, Dioxin-Eier und mariniertes Gammelfleisch.

Eigentlich könnte sich Angela Merkel positive Unsterblichkeit verleihen, wenn sie den Banken sagen
würde, dass alle Zinszahlungen für die ausgereichten Kredite zugleich staatlicherseits als Tilgungen
gewertet würden. Schon würden wir nicht mehr über unsere Verhältnisse leben und die Banken auch nicht.
Aber leider erleben wir jetzt im Rahmen der sogenannten Schuldenkrise der Staaten Europas ein
Zurückfahren aller staatlichen Leistungen, den letzten Verkauf des öffentlichen Eigentums und eine
Erhöhung der Steuern für alle unter der Schicht der Superreichen und der Finanzbranche. "Austerität" ist
angesagt. Dies wird aber die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht beenden, sondern verschärfen. Auch mit
der Verelendung der Völker gibt es keine Bewältigung der Krise. Die heutige Krise ist wahrscheinlich im
Rahmen des derzeitigen Geldsystems überhaupt nicht lösbar. Es könnte sich um die finale Krise eines
Geldsystems handeln.

Es ist schon vor über 100 Jahren erkannt worden, daß der Kapitalismus in die Herrschaft des
Finanzkapitals übergegangen ist. Das Finanzkapital bestimmt in dieser Entwicklung über die
Realwirtschaft und auch über die Gestalt des Geldsystems. Das heutige Geldsystem ist dem spekulativen
Geist des Finanzkapitals auf den Leib geschneidert. Kredit und Spekulation werden zentral. Alle Bremsen
für Spekulation wurden zur Seite geschoben. Die Lösung der Währungen von den Edelmetallen und die
"Deregulierung der Finanzmärkte" (*3) waren entscheidend. Das fiktive Kapital ist in eine Ebene der
absoluten Souveränität des Umgangs mit sich selbst gehoben worden. In diesem System sind die Akteure
der Finanzwirtschaft Treibende und Getriebene zugleich. Sie sind zu diesem System verurteilt. Sie können
nicht aussteigen.


ZUM WESEN DER GEGENWÄRTIGEN KRISE.

Die gegenwärtige Krise ist keine der üblichen periodischen Überproduktionskrisen des Kapitalismus,
sondern es könnte sich um die finale Krise unseres Geldsystems handeln. Unser gegenwärtiges Geld ist ein
Geld des Vertrauens in seine Funktion als Zahlungsmittel. Ist das Vertrauen weg, ist das Geld weg. Eine
Bindung an die Geldware Gold ist nicht mehr vorhanden. Damit ist Geld auch kein
Wertaufbewahrungsmittel mehr, wie einst Gold- oder Silbermünzen. Den 187 Mitgliedstaaten des IWF ist
eine Goldbindung ihrer Währungen untersagt. Die Schweiz hat die historische Bindung des Schweizer
Franken an Gold 1992 aufgelöst. (Ferdinand Lips: Die Goldverschwörung. Kopp-Verlag: Rottenburg
2003, S. 237 ff.) Erst heute, mit der Weltfinanzkrise, erscheint Gold wieder als das, was es Tausende von
Jahren war, als "das Geld". Interessant ist, dass China als größter Goldförderer der Welt, auf den
Weltmärkten zusätzlich Gold als Währungsreserve aufkauft und seine Bevölkerung zum Kauf von Gold
und Silber auffordert. Bei fallenden Immobilienpreisen und Aktienwerten gibt ein kleiner Gold- und
Silberschatz die Gewißheit, nicht ganz arm werden zu können! Auch in Deutschland sind Gold und Silber
in den Blick der nach Vermögenssicherung suchenden Bürger gerückt. Bisher haben aber erst 2 % der
deutschen Bürger Gold als Vermögensklasse für sich entdeckt. Oft sind die Anleger so manipuliert und
unwissend, daß sie nur entsprechende Zertifikate oder Fonds kaufen.

Heute entsteht unser Geld durch Geldschöpfung der Zentralbanken, durch geldschöpfende Kreditvergabe
im Finanzsystem nach durch die Hochfinanz vereinbarten Regeln und durch den Zinseszinseffekt. Geld
gehört heute nicht mehr zu den durch ebenfalls durch Arbeit erzeugten Gütern, wie einst Gold und Silber.
Geld entsteht durch Kredit. Mit der Unterschrift unter einen Kreditvertrag, entstehen mit dem Kredit
zugleich Schulden. Die sind mit Zinsen zurückzuzahlen. Eine Bank kann entsprechend der durch die
Finanzwirtschaft vereinbarten Regeln, aus Einlagen rund das zehnfache an Kreditgeld neu schöpfen. Es
bedarf nur immer jemanden, der Kredit nachfragt: Häuslebauer, Autokäufer, Stadt, Gemeinde, Staat oder
Banken selber. Durch die Kreditzinsvereinbarung entsteht der Zinseszinseffekt. Damit das so geschöpfte
Geld einen Wert in der Realwelt hat, werden einerseits die Realwerte verpfändet und es müssen immer
mehr Realwerte geschaffen werden, um der tendenziell exponentiell wachsenden Geldmenge eine
Entsprechung zu bieten. Deswegen brauchen wir dauerhaftes Wirtschaftswachstum, Belegung immer
weiterer Objekte der Natur mit einem Wert (CO2, Patente auf Naturprodukte), Senkung aller "sozialen
Kosten" und permanente Übergabe der gesellschaftlichen Realwerte an die Finanzbranche bzw. an die
Oberstschicht, die Superreichen. Superreich ist man ab 500 Millionen frei verfügbarem Vermögen, ohne
Villen und Yachten.

Das heißt zugleich, neoliberale Politik wird überall als systemnotwendig durchgesetzt. Neoliberalismus
gehört zum gegenwärtigen Zustand unseres Geldsystems. Er ist der Geist der Zeit. Dazu gehört auch, die
Völker gegen eine solche Politik wehrlos zu machen: Umschichtung der Bevölkerungen durch
Völkerwanderungen; Politiker-, Wissenschaftler- und Gewerkschafterkauf; Diffamierung des Patriotismus;
Weltbilddeformation durch falsche Geschichtsdarstellungen der Völker; Panikerzeugung zur
Gefügigmachung der Bevölkerungen (CO 2-Klimaschwindel, Weltseuchenwarnungen) und
Feindbildproduktionen (bombenlegende Islamisten, unnütze Rentner, parasitäre Arbeitslose, betrügerische
Ärzte). So kann man die wesentlichen Prozesse verdecken.

Die Kreditvergabe aus dem Nichts nach Regeln der Finanzbranche ist die Existenzneurose des heutigen
Finanzimperialismus. Neurotisches Verhalten kann sich in psychotische Zustände auswachsen, wenn zwar
die Geldschöpfung weitergeht, die Realwelt mit der Werteproduktion, dem Bewahren der geschaffenen
Werte und dem Schuldendienst nicht mehr Schritt halten kann. Das ist in jeder Wirtschaftskrise der Fall.
Heute haben wir aber eine ausgeuferte Verschuldung bei den Banken in allen Ländern,
Wirtschaftsbereichen und bei der Masse der Bürger. In einer Orgie der Kreditgeldschöpfung sind die
Staaten und Bevölkerungen Europas verschuldet worden. Die Euro-Länder sind mit 7 Billionen Euro
verschuldet. Geldhäuser und Anleger aus Deutschland haben allein Griechenland, Irland, Portugal und
Spanien eine halbe Billion Euro geliehen. 1,5 Billionen Euro haben allein deutsche Banken in der EU
verliehen: 405 Mrd. an andere Finanzinstitute, 457 Milliarden Euro an Unternehmen, 131 Milliarden in
öffentliche Haushalte. Ausleihungen der deutschen Banken an den Nicht-Euro-Staat Großbritannien haben
die Höhe 379 Mrd. Euro. Das ist der Stand von Mitte 2010. Spekulationsschulden des Derivatenmarktes
sind nicht mit genannt. Sie sind schwer zu beziffern. Es sollen weltweit 500 bis 1000 Billionen $ sein.
Keiner weiß es genau.

Aber die Banken wollen auf das ihnen scheinbar zustehende Geld nicht verzichten und ihr Spiel
weitertreiben. In den USA hat die Finanzbranche rund 3,3 Billionen Dollar zur Bewältigung der selbst
erzeugten Krise von staatlicher Seite bekommen. Gegenwärtig laufen in den USA, Großbritannien und der
EU die Gelddruckmaschinen. "Quantitative Lockerung" nennt man das Spiel. Für 1% oder weniger Zinsen
können sich die Banken Geld leihen. Unverkäufliche Anleihen werden von den Banken der Zentralbank
übergeben und sie kriegen frisches Geld dafür. Auch die EZB kauft Staatsanleihen der Euro-Länder. Sie
musste schon ihre Bilanzen aufstocken. Und nun sollen die noch scheinbar solventen Staaten, wie vor
allem Deutschland, für die ganzen Schulden in der EU haften. Für die Banken soll Deutschland sich
weitere finanzielle Verpflichtungen aufbürden. Das wird auch über Euro-Anleihen und einen
"Europäischen Währungsfonds" probiert werden. Dieser "Europäische Währungsfonds" soll genau so wie
der "Internationale Währungsfonds" in die EU-Staaten hineinregieren. Zur Bewältigung der Schuldenkrise
in der EU wären 3 Billionen Euro nötig. Man wird versuchen, das Geld irgendwie aufzutreiben. Zwei
Folgen sind zu erwarten. Entweder gehen wir in eine Hyperinflation oder der Schuldendienst wird massiv
eingestellt. Wenn die ersten großen Staaten wie die USA, Großbritannien oder Italien ihre Zinsen nicht
mehr zahlen können, dann bricht das aktuelle Geldsystem zusammen. Entweder geht man dann zu einem
neuen Geld des Westens über oder die Staaten kommen über Notgeld wieder zu einer eigenen Währung.
Letzteres wird schon kalkuliert. Über eine neue DM wird schon gemunkelt.

Natürlich wäre erst mal mit der westlichen Globalisierung Schluss. Wir hätten dann auch in Deutschland
viel zu tun, unsere Volkswirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. In vielen Teilstaaten der EU wäre der
Teufel los. Die kommen aus eigener Kraft nicht wieder aus ihrer Globalisierungsfalle, weil ihre
Volkswirtschaften nicht mehr eigenständig lebensfähig sind.


DIE NÄCHSTEN SCHRITTE DER GESCHICHTE.

Die Europaidee, wie wir sie heute in der Verwirklichung haben, ist nichts anderes als kapitalistischer
Liberalismus. Ungebremster Liberalismus ist kapitalistischer Exzeß. Die Freiheit in diesem Europa
reduziert sich auf Geld. Geld regiert die Welt und Geld regiert Europa. "Bankreich" könnte man dieses
Gebilde EU nennen. Die Schöpfer der EU wollten diesen Raum fürs finanzwirtschaftliche Operieren haben
und es sollten keine bösen nationalen Interessen organisatorische Kraft gewinnen. Ganz besonders galt es
Deutschland elegant zu fesseln, so dass es noch arbeiten, zahlen, aber keineswegs aufmucken könnte.
Wichtig ist auch, daß die Bürger keine Kraft gewinnen, sich der Entnationalisierung, Entdemokratisierung,
Umverteilung des erarbeiteten Eigentums zu den internationalen Oberstschichten, der die nationale
Solidarität zerstörenden Masseneinwanderung Fremder und des kulturellen Abstiegs auf US-Niveau
entgegenzustellen. Die aus den USA bei uns hineingezwungene Multikultiidee, die wir in jedem
Modekatalog leibhaftig finden, und die ebenfalls aus den USA stammende "Politische Korrektheit" sind
permanente Mittel des Versuchs der Niederhaltung, nicht nur in Deutschland.

Doch die Entdeckung einer neuen demokratischen Spezies, des "Wutbürgers", scheint dem
entgegenzulaufen. Der "Wutbürger" ist einer, der nicht mehr nur verhalten schimpft, sondern einer, der sich
aufmacht gegen die freche und schamlose Obrigkeit. Der "Wutbürger" sucht gegenwärtig noch seine
politische Form. Er schiebt das Gerede der Obrigkeit schon beiseite. Natürlich läßt er sich auch noch
veralbern, indem man ihn mit einem pfiffigen Schlichter verhöhnt und hinhält. Auch versucht man ihn
derzeit mit den "Bündnisgrünen" wieder einzufangen. Diese sind eine spätbürgerliche Systempartei im
ökologischen Tarnanzug.

Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise und dem exzessiven Einsatz des neoliberalen Instrumentariums
gegen die Lebensqualität der Bürger in allen Staaten der EU und Großbritanniens, werden wir den
"Wutbürger" als gesamteuropäisches Phänomen erleben. Der europäische "Wutbürger" ist aber noch
vergleichsweise nett. Der "US-Wutbürger" kommt mit Waffen und genügend Munition. Und alle haben
Grund genug, wütend zu sei, denn der Schuldendienst für die Banken zerstört jegliche Lebensqualität in
der westlichen Welt.

Derzeit müssen die Deutschen aus ihrer traditionellen Lethargie und heute völlig unbegründeten Hoffnung
gegenüber der Obrigkeit erwachen. Übellaunig und verständnislos pflegt heute der mündige Bürger die
Politik zu beschauen. Die politische und insbesondere wirtschaftspolitische Ignoranz ist ein
Massenphänomen. Es ist eine Abstumpfung aus guten Zeiten. Alles war geregelt. Keinem ging es wirklich
schlecht. Für Extras bekam man ja Kredit: Hauskredit, Autokredit, Urlaubskredit und Überziehungskredit.
So, wie ein Wildtier im Zoo oder im Zirkus seine Jagderfahrungen und Feindbilder verliert, so verliert auch
der staatlich gehaltene Bürger bei gutem Futter und politischem Streicheln sein politischen und
politökonomischen Erfahrungen. Er verliert auch seine politischen Bindungen im Gemeinwesen. Er
distanziert sich von seinesgleichen. Er braucht die anderen zur Durchsetzung seiner Interessen anscheinend
nicht mehr. Die Parteien und Gewerkschaften verlieren ihre Mitglieder. Man geht nicht mehr zur Wahl. Die
BILD-Zeitung wird zum Leib- und Magenblatt.

Bei der Wahl 2009 hat man als gläubiger Mittelschichtler (Einkünfte ab 800 Euro netto bis ca. 2600 Euro
netto!) die von "Freiheit" dröhnende FDP gewählt. 2011 wählt der davon enttäuschte Mittelschichtler die
Grünen, die ihm so unverbraucht und aktiv erscheinen. Daß die Grünen für Hartz IV, "Privatisierung" der
Rente, Unternehmenssteuersenkungen, die Deregulierung der Finanzmärkte, die "Schuldenbremse", die
Rente erst mit 67 und für den Angriffskrieg 1999 gegen Serbien stehen, ist vergessen. In sogenannten
Protestwahlen reagiert sich der Wahlbürger nur unwissend ab. Wir werden das auch fürderhin erleben.
Dabei wäre es doch recht einfach, die Strukturen der Macht und der Einflüsse zu entdecken. Es wäre auch
leicht voraussehbar, welche politischen Maßnahmen einander folgen müssen, so lange die bisherige Macht
an der Macht ist. An den "Rettungspaketen" für EU-Staaten und an der Politik der FED (private
Zentralbank der USA, im Besitz jüdischer Finanzoligarchen - KHH.) ist alles ablesbar. Wir sind in der
historischen Epoche des Machtabsolutismus des Finanzkapitals und personalisiert, der Herrschaft der
Finanzoligarchie. Auch in Deutschland.

Auch für Deutschland gilt, die Banken werden im weiteren Verlauf noch viele Kredite fällig stellen und
selbst die Hand aufhalten, Hilfe vom Staat zu bekommen. Unternehmen werden über die Klinge springen
und so manches Häuschen wird zwangsversteigert. 2010 waren es 53.000 Zwangsversteigerungen von
Wohneigentum. Alles Verliehene wird wieder eingesammelt und die Zinsen dazu. Die Schulden des
Staates, der Kommunen und anderer Einrichtungen der öffentlichen Hand muss der Bürger mit höheren
Steuern und Abgaben oder auch mit der fiesen Enteignungsstrategie Inflation abtragen. Die Finanzbranche
will auch weiter profitieren. Sie ist immer noch im Zustand der Unantastbarkeit und verteidigt diese frech.
Die nächsten Jahre werden vom Antagonismus zwischen Finanzbranche und Gesellschaft gezeichnet sein.
Den politischen Kampf führt die Finanzbranche mit Hilfe des Staates, der eigentlich ihr Staat ist. Da wird
es sich für die Bürger als notwendig erweisen, gegen den Staat aufzustehen. Anders können Grundfragen ja
nicht gelöst werden.

Doch der Lernprozeß bis dahin wird mühsam sein. Eventuell wird er auch gestoppt, denn die
Oberstschichten, die ja über eine fast absolute Medienmacht, verfügen, können auch politische
Bewegungen mit Scheinradikalität entstehen lassen oder aufkeimende Bewegungen elegant steuern. Wir
sehen das trefflich an den Bündnisgrünen, die fast den Charakter einer Geheimwaffe angenommen haben.
Wer ein Gefühl für diese Partei bekommen möchte, lese den Artikel aus der FAZ über den studierten
Sozialpädagogen Cem Özdemir vom 14./ 15. März 2009, Seite C 3, von Melanie Amann: "Zurück im
grünen Bereich". Die Neu-Karriere dieses Mannes nach seinen Verfehlungen in Deutschland und seinem
Stipendium in den USA hat ein arges Geschmäckle. Auch Attac ist machtpolitisch interessant. Da ist viel
Theaterdonner bei der Kritik an den "entfesselten Finanzmärkten". Die Linkspartei ist vom gleichen
Kaliber. Es ist eine linksliberal bürgerliche Partei, die hechelnd der Spur der Grünen folgt. Außer einigen
Splittergruppen paßt sie schon an die SPD.

Ich meine, in Deutschland ist gegenwärtig keine konstruktive politische Bewegung von Masseneinfluß
unterwegs. Doch kann solch eine Bewegung rasch entstehen, wenn sich die Weltfinanzkrise weiter
verschärfen wird. Durch den Sozialabbau und die radikale Senkung des Lebensstandards der Mittel- und
Unterschichten entsteht das Potential nicht nur für den Wutbürger, sondern für nationalrevolutionäre
Bewegungen. Diese nationalrevolutionäre Bewegungen haben derzeit auch Vorbilder in Südamerika, im
nahen Osten und auch in China. Die Volksrepublik China ist ein patriotisch gesinnter Nationalstaat mit
erneuten weltgeschichtlichen Ambitionen gegen den Westen! Der Nationalismus - möge man ihn gut oder
schlecht finden - wird die nächsten Jahre auch in Deutschland stärker. Man lese nur die Wirtschaftswoche.

In der "Wirtschaftswoche", Heft 49, vom 6.12.2010, S.100, wird der Brite Neil Dwane, Europa-
Investment-Chef von Allianz Global Investors zitiert: "Europa ist ein einfaches Spiel: 27 Nationen sind
dabei, am Ende zahlen immer die Deutschen." Als 10-jährige deutsche Bundesanleihen bei einer Auktion
Anfang Dezember keine Nachfrage mehr fanden, machte eine Mail die Runde. "Ich erzähle das nicht, um
irgend jemandem vor Thangsgiving die Stimmung zu vermiesen, sondern weil Deutschland der
Rettungsschwimmer für eine absaufende Versammlung europäischer Staaten ist, inklusive Spanien."
(Ebenda S. 98) Mit dieser Funktion als Rettungsschwimmer würden wir selbst absaufen. Deshalb ist eine
andere Politik nötig und mit politischem Kraftaufwand möglich. Wir sollten China aufmerksam betrachten
und nicht in das absurde und perfide Menschenrechtsgedöns der USA einstimmen.


CHINA WIRD DAS KÜNFTIGE ZENTRUM DER WELT,
UND MIT GESCHICK KÖNNEN WIR DAVON PROVITIEREN.

Denn

- China hat in einer "ursprüngliche Akkumulation des Kapitals" einen großen Sprung in der Industrialisierung
gemacht und der Westen hat durch Industrieverlagerung kurzsichtig dabei geholfen.

- Durch die über Exportüberschüsse angehäuften Devisenreserven konnte auf den durch Freihandelsideologie
ungeschützten Märkten Rohstoffvorkommen, Industriebeteiligungen und auch Schulden von EU-Staaten
eingekauft werden. Damit wurde China zu einer Weltfinanzmacht.

- China wird seine Währung schrittweise zu einer Weltreservewährung neuen Typs machen, in welcher zumindest
eine teilweise Edelmetallbindung hergestellt werden wird. Das Fiat-Währungssystem wird damit überwunden oder
zumindest infrage gesellt.

- China wird im Verbund mit der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit zu einer militärischen Großmacht
und die USA zurückdrängen.

- China wird die Demütigungen und Verbrechen Japans und der USA aus dem II. Weltkrieg und dem Kalten
Krieg nicht vergessen.

- Die besten Freunde Chinas sind traditionell nicht die in seiner unmittelbaren territorialen Nähe. Das könnte sehr
interessant für ein von den USA befreites Europa und vor allem Deutschland sein.

Christian Geinitz schätzt in der FAZ vom 31.8.2010, S. 9, China als einen zweifelhaften Retter des Westens ein.
"China hat dem globalen Schock gut widerstanden. Die Rückständigkeit der Banken entpuppt sich als Vorteil. Die
Geldhäuser gehören dem Staat und halten nur wenige komplizierte Verbriefungsprodukte. Kapitaltransfers
unterliegen strikter Beobachtung, die Währung ist nicht konvertibel und wurde 2008 an den Dollar gebunden. Für
die Realwirtschaft hat Peking das größte Konjunkturprogramm der Welt aufgelegt und Rekordkredite
bereitgestellt. Als Folge verblieb die Wirtschaftsleistung auf dem hohen Durchschnittswert der vergangenen 15
Jahre. Im Gegensatz zum Westen kann sich China die Staatshilfen leisten. Es verfügt über riesige Devisenreserven
und könnte die Schulden- und Defizitkriterien des Euro-Raumes leicht einhalten."

Und noch etwas könnte für uns Deutsche sehr interessant sein. China wird ein neues nationales Sozialismusmodell
entwickeln. Das die KP Chinas dieses Ziel anstrebt, erkennt man an dem Vorhaben, die Werke von Karl Marx und
Friedrich Engels neu zu übersetzen. Die chinesische Ausgabe der Werke beruht bisher auf der russischen Ausgabe.
Nunmehr will man aus dem Deutschen und dem Englischen eine neue chinesische Übersetzung anfertigen. Das ist
ein historisches Signal. Das Hauptwerk von Marx "Das Kapital" ist derzeit wieder ein Weltbestseller. Die
Deutschen könnten den Chinesen helfen, das "Kapital" schöpferisch zu verstehe. Klaus Gysi, der Vater von
Gregor Gysi, erzählte auf einer Veranstaltung vor uns Studenten in den 60er Jahren wie er im Paris der 30er Jahre
Chinesen in Marxismus unterrichtete. Nachdem er den Chinesen einiges über die Marxsche Lehre erzählt hatte,
forderte er sie zur Diskussion auf. Eine Diskussion lehnten sie ab, weil sie nicht bereit waren, Marx in Frage zu
stellen. Nun, wir Deutschen könnten ihnen helfen, Marx wenigstens ein bißchen in Frage zu stellen.

Wir als Deutsche müssen nun überlegen, wie wir es verhindern können, in den Sog des Abstiegs des Westens zu
geraten. Wir sind eigentlich schon dabei, aber es gibt eine gute Chance, sich aus dem Abstieg auszuklinken und
ein eigenes Spiel zu machen. Vor allem müssen wir erkennen, welche Fehlsteuerung aus der Finanzbranche und
der von der Finanzbranche völlig abhängigen Konzernwirtschaft, einschließlich der Medienwirtschaft, unser Leben
bestimmt. Politisch innovativ denken bedeutet, gegen die Macht der Finanzbranche zu denken. Die Finanzbranche
in China scheint mir von der regierenden KP als nützliches Mittel gegen den Westen und für die industrielle
Modernisierung eingesetzt zu werden. Ziel ist ein industriell, kulturell, sozial und militärisch starkes China. Auch
im Ausland wird all das eingekauft, von dem China Werthaltigkeit und politischen Einfluß erwartet. China
vollzieht eine eigenständige und gegen den Westen gerichtete Außenwirtschaftspolitik in der dritten Welt. Auch
bei uns muß die Finanzbranche ihre Funktion verändern und Dienstleister für nationale Zwecke werden. Dafür
wäre die Macht der Finanzbranche über uns Deutsche zu brechen. Die historische Aufgabe steht.
*
Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Grabert-Verlag Tübingen, 59. Jahrgang, Heft 1/2011, S. 2 - 9.

* * *

Anmerkungen Seitenbetreiber:

(*) = "Junge Welt" ist eine ehemalige DDR-Zeitung, damals die Zeitung der Freien Deutschen Jugend. Praktisch
wurde die politische Linie beibehalten: Scharfe Kritik des Kapitalismus, Vertretung der linken Internationale,
Ablehnung alles Nationalen und Völkischen. Arbeitet nicht im Sinne eines deutschen Volkserhaltes. Taugt aber als
Informationsquelle - ähnlich wie der Spiegel - z. B. über die weltweiten kapitalistischen Strippenzieher.

(*1) = Josef Meinrad Ackermann "...einer der herausragensten Juden auf dem deutschen Finanzsektor..." =
Quelle: "Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv" vom 28.Okt.2008,zitiert nach HAARetz (The Marker
S.8,Ora Coren) http://www.tel-aviv.diplo.de/Vertretung/telaviv/de/Medienspiegel
Siehe auch den Artikel gleichen Titels in WIDERHALL 59. Direktlink unten in der Linkliste.

(*2) = "Deutsche" Banken gibt es in der Regel wohl nicht mehr. Sie sind im Besitz von Ausländern, wie oben
angeführt die Deutsche Bank angelsäsischen und schweizer Investoren gehört. Dasselbe gilt für die weiter unten
erwähnte Hypo Real Estate, in der jüdische Finanzhaie das Sagen haben. Sie entsprechende Veröffentlichung im
WIDERHALL, Direktlink unten in der Liste. - Sparkassen mögen noch eine löbliche Ausnahme spielen.

(*3) = Die Deregulierung der Finanzmärkte wurde in Deutschland durch die Schröder/Fischer-Regierung unter
dem Finanzminister Eichel (SPD) vorgenommen. Dieses rotgrüne Pack hat alle Schranken für die global
operierenden Finanzoligarchen niedergerissen und gleichzeitig den Abbau des Sozialstaates betrieben, sowie eine
äußerst fabrikanten- und konzern-freundliche Wirtschaftspolitik betrieben: Ein-Euro-Job, Leiharbeit, 400-Euro-
Jobs, Ich-Selbstständige, damit die Bosse reguläre Arbeitsverhältnisse auf Teufel komm raus reduzieren konnte
und können, um die gleichen Leute als billigere Leiharbeiter wieder einzustellen. Mit all dem hat sich Schröder als
Totengräber der SPD manifestiert. Von dieser arbeiterfeindlichen Politik wird sich die SPD wohl nie mehr so
richtig erholen, zumal sie zur Bildung der bundesweiten Linkspartei geführt hat, auch wenn sie jetzt nach
Erhöhung der HarzIV-Sätze schreit und den Mindestlohn propagiert. Die entsprechenden Artikel im älteren
WIDERHALL. Direktlink unten.

||===============================================================
|| " D A I M L E R - C H E F S ~ V E R D O P P E L N ~ I H R E ~
|| G E H Ä L T E R : Stuttgart. Der Gewinnsprung beim Autobauer Daim-
|| ler hat sich für den Vorstand ausgezahlt. Für das überrachend gut
|| verlaufenene Geschäftsjahr 2010 mit einem Betriebsgewinn von 7,3
|| Milliarden Euro kassierte das sechsköpfige Führungsgremium 25,8
|| Millionen Euro, wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht
|| hervorgeht. Auf Daimler-Chef Dieter Zetsche entfielen 8,7 Millionen
|| Euro nach 4,2 Millionen Euro ein Jahr zuvor." Aus "Neue Osnabrük-
|| ker Zeitung" vom 3. März 2011. - Annm.: Während dieser Tage VW an
|| seine Mitarbeiter 4000 Euro und Audi sogar 6000 Euro Gewinnbeteili-
|| gung auszahlte ist über eine derartige Zusatzzahlung an Daimler-
|| Arbeiter nichts bekannt geworden. KHH.
||===============================================================
|| "S P A N I E N S ~ K R E D I T W Ü R D I G K E I T ~ G E S E N K T .
|| Madrid. Die US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von
|| Spanien um eine Note gesenkt. Die Bonität wurde von 'Aa1' auf
|| 'Aa2' reduziert, so Moody's. Der Ausblick bleibe negativ. Es droht
|| also eine weitere Herabstufung. Schon der jetzige Schritt wird die
|| Finanzierung Spaniens über Staatsanleihen verteuern, da die Risi-
|| koaufschläge zulegten. Jüngst hatte Moody's die Kreditwürdigkeit
|| Griechenlands um drei Noten herabgestuft." Meller Kreisblatt vom
|| 11. März 2011. - Die Leserschaft mag zum Teil denken, daß Michael
|| Nier in seinen Beiträgen im WIDERHALL zu schwarz malt. Wie obige
|| Meldung beweist, kann gar nicht schwarz genug gemalt werden. Die
|| Euro-Krise ist voll gegenwärtig und wird nur dadurch kaschiert,
|| daß unter aktiver Beteiligung Merkels auf diversen EU-Gipfeln der
|| Euro-Rettungsschirm noch und noch erweitert wird, an dem die BRD
|| laut FAZ inzwischen mit 200 Milliarden Euro Garantie-Zusicherungen
|| beteiligt ist, eine Last die auf unsere Enkel und Urenkel abgewälzt
|| wird. Die Merkel wirft mit den Milliarden nur so um sich, zu Las-
|| ten des deutschen Staates und seiner Menschen (Merkel). - KHH.
||===============================================================


Dr. Kersten Radzimanowski
(Letzter geschäftsführender Außenminister der DDR.)

Zeichen auf Sturm - Konfrontation mit China.


Für das "Südchinesische Meer" sind politische Unwetterwarnungen zutreffender als jeder Wetterbericht. Die
Zeichen stehen auf Sturm. Die USA gehen daran, mit ihren Verbündeten im pazifischen Raum - vor allem mit
Südkorea, Taiwan, Japan und Australien - dem chinesischen Drachen seine Grenzen aufzuzeigen und den größten
politischen wie wirtschaftlichen Widersacher möglichst zu besiegen.

Schlag auf Schlag werden vor der chinesischen Haustür und in der 200-Meilen-Wirtschaftszone der Volksrepublik
Seemanöver abgehalten, die die Spannungen in der Region anheizen und jederzeit in einen heißen Krieg übergehen
können. Offiziell als Warnung an Nordkorea getarnt, welches sich in seiner verzweifelten Lage bei jeder neuen
militärischen Provokation zu unberechenbaren Reaktionen hinreißen läßt, soll in Wirklichkeit eine starke
militärische Front gegen China zusammengeschweißt werden.

So kam es Ende November 2010 auch zu einem der schwersten Zwischenfälle seit dem Ende des Koreakrieges
vor mehr als fünf Jahrzehnten, bei dem mehrere Menschen auf der Insel Yonpyong durch nordkoreanischen
Granatenbeschuß getötet wurden. Nordkorea begründete sein Handeln mit dem zuvor erfolgten Artilleriebeschuß
seines Hoheitsgebietes an der umstrittenen, von den USA einseitig festgelegten Seegrenze.

Während Obama seine Militärs die nordkoreanische Familiendynastie wie beim Stierkampf mit dem roten Tuch in
Gestalt seiner Kriegsschiffe reizen läßt, um der Weltöffentlichkeit einen Grund für den militärischen
Vernichtungsschlag präsentieren zu können, appelliert die chinesische Seite an Washington, sich um eine friedliche
Lösung im Rahmen der sechsseitigen Verhandlungen (Rußland, China, die USA, Japan, Süd- und Nordkorea) zu
bemühen.


"BALD EIN GRÖßERER KONFLIKT".

China schlug eine Dringlichkeitssitzung der Delegationsleiter zum frühestmöglichen Zeitpunkt vor. Zugleich rief
Chinas Außenminister Yang Jiechi alle interessierten Seiten auf der Koreanischen Halbinsel zur Zurückhaltung
und Aufnahme eines Dialogs auf. "Alle interessierten Seiten müssen ruhig Blut bewahren und sich darum
bemühen, auf den Weg des Verhandlungsprozesses zurückzukommen", erklärte Minister Yang Anfang Dezember
und kann dabei ganz auf die Unterstützung Rußlands zählen. Die Außenamtschefs beider Länder machten
deutlich, daß eine Zuspitzung des Konfliktes nicht zugelassen werden dürfe.

Doch genau das scheint die Absicht der Obama-Regierung zu sein. So sieht denn auch die chinesischsprachige
Ausgabe der Global Times, der außenpolitischen Zeitung des Kommunistischen Jugendverbands, deutliche
Anzeichen dafür, "daß bald ein größerer Konflikt ausbrechen könnte". Die Zeitung warnt davor, in alter Kalten-
Kriegs-Mentalität die Unsicherheitsgefühle Nordkoreas weiter zu schüren.

Es gibt im Chinesischen ein Sprichwort, das beschreibt, wie auch böse Taten eine lange Zeit der Vorbereitung
benötigen: Eis von drei Zoll ist nicht das Ergebnis eines kalten Tages. Im amerikanisch-chinesischen Verhältnis
haben bereits seit geraumer Zeit und verstärkt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA die kalten Tage
zugenommen und trotz aller Bemühungen Pekings, werden die Beziehungen immer kälter.


ANTICHINESISCHE PHALANX.

Die USA sind ebenso unfähig wie unwillig, die berechtigten Interessen anderer Völker und Staaten anzuerkennen.
Es geht ihnen nur um ihren Vorteil, ihre Vorherrschaft. (Wie schon immer seit über 100 Jahren. - KHH.) Dieses
"selbstzentrierte" Denken der bankrotten Supermacht USA wurde auch auf dem ASEAN-Sicherheitsforum im Juli
2010 deutlich, als US-Außenministerin Clinton zum Ausdruck brachte, daß sich die USA wieder stärker in dieser
Region einzumischen gedenken und all jenen Staaten die Unterstützung zusagte, die sich mit China über den
Besitz einiger Inseln im südchinesischen Meer streiten.

Mehr noch, die USA sind sogar bereit, dem einstigen Kriegsgegner Vietnam bei der Nutzung der Atomkraft
Nuklearmaterial zu liefern, um somit einen weiteren Verbündeten für die antichinesische Phalanx zu gewinnen.
Bereits 2006 anerkannte die Bush-Administration Indien als Atommacht und unterzeichnete 2008 sogar mit Neu-
Delhi einen Atomvertrag, der nach dreißgjährigem Embargo amerikanischen Firmen wieder den Verkauf von
ziviler Nukleartechnologie und -material an das südasiatische Land erlaubt.

Mit all diesen Tricks und Manövern hofft Washington seine verlorengegangene Weltherrschaft wiederherzustellen.
Aber ein anderes Sprichwort besagt, selbst wenn du die Kraft hast, einen Berg zu versetzen, so brauchst du auch
einen Verstand, der so groß und so ruhig ist wie ein Ozean. Von diesem Verstand jedenfalls sind die
Weltmachtführer so weit entfernt wie die EKD in Deutschland von Martin Luther.
K. Radzimanowski
*
Quelle: Deutsche Stimme, Nr. 1/2011, Postfach 10 00 68, D-01571 Riesa, redaktion(A)ds-verlag.de

* * * * * *

Es folgt ein zweiter Artikel des Autors Dr. Kersten Radzimanowski zum Komplex China - USA aus der Nr.
2/2011 der "Deutschen Stimme" als wichtige und aufschlußreiche Ergänzung obiger Abhandlungen:

*

Dr. Kersten Radzimanowski

"Lahme Ente" contra chinesischer Drache.


Der neue START-Vertrag symbolisiert ein verändertes
Kräfteverhältnis in der Welt.


US-Präsident Obama durfte seinen letzten Auftritt als "starker" US-Präsident absolvieren, bevor mit
Jahreswechsel Senat und Repräsentantenhaus in neuer Zusammensetzung zusammentreten, die ihn vollends zur
lahmen Ente degradiert.

Wie im griechischen Drama wurde zunächst die Spannung hinsichtlich des Abstimmungsergebnisses angeheizt,
damit der mit dem Friedensnobelpreis ausstaffierte Präsident 43 A die politische Bühne nutzen konnte, um die
heimische wie internationale Öffentlichkeit zu täuschen: Obama als Architekt atomarer Abrüstung und Retter der
Welt!


DOCH WAS STECKT DAHINTER?

Was sieht der nun von den USA ratifizierte neue SART-Vertrag tatsächlich vor? Ist er wirklich ein Meilenstein
auf dem Weg zur atomaren Abrüstung der Kernwaffenstaaten? Oder soll er ein Alibi gegenüber den atomaren
Habenichtsen darstellen, die immer stärker auf eigene Verfügungsgewalt über Atomwaffen drängen, um sich der
politisch-militärischen Erpressung von Staaten wie den USA und Israel zu erwehren?

In den nächsten Jahren werden es an die 40 Länder sein, die über eigene Atomwaffen verfügen, und der Kreis
derer, die mit dieser militärischen "Lebensversicherung" liebäugeln, wird immer größer. Da bedarf es der
Augenwischerei, Taschenspielertricks a la Obama, um zumindest den Eindruck zu erwecken, auch die atomaren
Schwergewichte USA und Rußland würden sich in Richtung Reduzierung ihrer Atomwaffenpotentiale bewegen,
um ihre Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag zu erfüllen. Obamas Zauberstab für die Vorführung
hieß START. Start steht für "Strategie Arms Reduction Treaty", zu Deutsch: "Vertrag zur Verringerung der
strategischen Waffen".


WASHINGTON RINGT UM DIE HEGEMONIE.

Der neue Start-Vertrag sieht eine Reduzierung der Zahl der nuklearen Sprengköpfe innerhalb der nächsten sieben
Jahre auf 1550 und der Zahl der Trägersysteme auf jeweils 800 vor. Damit braucht Washington seine aktiven
strategischen Trägersysteme nur um wenige Dutzend zu reduzieren, um die neue Höchstgrenze von 800 Trägern
zu erreichen, Moskau gar keine. Es hat nur noch 556 Träger.

Ähnlich das Bild bei den Sprengköpfen: Da nur aktiv stationierte Sprengköpfe zählen, hat Hans Kristensen von
der Federation of American Scieritists berechnet, muß Washington die Zahl seiner aktiven Sprengköpfe
rechnerisch nur um 100, Moskau um 190 reduzieren. Hinzu kommt, daß das Pentagon seine alten Pläne zur
Modernisierung der nuklearen Trägersysteme umsetzen darf. Eine neue nuklearfähige Jagdbomberversion, der
Joint Strike Fighter, wird weiter entwickelt. Die Arbeit an einer neuen Generation strategischer Raketen-U-Boote
geht ebenfalls weiter. Auch die Entwicklung eines neuen luftgestützten Langstreckenmarschflugkörpers wird
ebenso in Angriff genommen wie die Planungen für einen neuen strategischen Bomber. Selbst die
Voruntersuchungen für eine neue Generation von Interkontinentalraketen sollen anlaufen.

Zusätzlich haben die Republikaner sich ihre Zustimmung zum neuen Start-Vertrag damit "versüßen" lassen, daß in
einem Zusatz zum Vertrag von den USA einseitig festgelegt wurde, daß dadurch der Aufbau der US-
Raketenabwehr und die Einführung von Langstreckenraketen mit ~ konventionellen Sprengköpfen nicht berührt
werden. Gerade die Pläne zur Raketenabwehr ließen das russische Parlament nicht wie vorgesehen noch zum
Jahreswechsel den Start-Vertrag ratifizieren. Es sucht vielmehr nach diplomatischen Formeln, um eben diese
Zusätze wieder aufzuheben. Nach Ansicht des Verfassers waren auch die angenommen Zusätze nur Tricksereien.
Denn den herrschenden Kreisen in den USA ist sehr daran gelegen, Moskau auf ihre Seite zu ziehen. Zumindest
aber zu neutralisieren, wenn es zur (militärischen) Konfrontation mit China kommen sollte.


GLANZLEISTUNG DER CHINESISCHEN DIPLOMATIE.

Die Eindämmung und das "roll back" des weltpolitischen Einflusses Chinas hat für die USA höchste Priorität.
Davon zeugt nicht nur die Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und im Gelben Meer,
sondern auch die massive Formierung eines antichinesischen militärischen Blockes mit Japan, Korea, Australien
und weiteren Staaten. Der Start-Vertrag offenbart aber die Erkenntnis der Plutokraten, daß die USA allein nicht
mehr in der Lage sind, die weltweite Herrschaft des Geldadels durchzusetzen. Deshalb die Kurskorrektur der
USA, um den einstigen Hauptfeind an das eigene Lager zu binden. Doch dieses Ansinnen ist nicht sehr
aussichtsreich. Weiß Rußland doch zu gut, daß der mächtige Nachbar im Osten kraftvoll, dynamisch und zudem
ver1äßlich ist, während die USA ihren Zenit längst überschritten haben und zudem nur auf ihren eigenen Vorteil
bedacht sind.

China hingegen betreibt seit längerem eine kluge und weitsichtige Außenpolitik, die sich nicht der andernorts
üblichen Großmachtallüren bedient, sondern auf Interessenausgleich und beiderseitigen Nutzen abzielt. Das
"Reich der Mitte" hat das diplomatische Meisterstück vollbracht, auch sein Verhältnis zum wichtigsten
Konkurrenten Indien konstruktiv zu gestalten, ohne seine engen Beziehungen zu Pakistan zu beschädigen. China
und Indien stellen heute zusammen mehr als ein Drittel der knapp sieben Milliarden Erdbewohner. Ein auch für die
hochgerüstete USA uneinnehmbares Bollwerk, das zudem die "gekaufte Demokratie" des Westens entschieden
ablehnt. Beide Länder gehen sehr verschiedene politische wie wirtschaftliche Entwicklungswege, aber sie sind
keine Kopie des von ihnen verachteten westlichen Herrschaftsmodells, das das Volk in Geiselhaft der mächtigen
Interessengruppen genommen hat, wie etwa bei der "Bankenrettung" oder dem sogenannten Euro-
Rettungsschirm. Asien geht seinen eigenen Weg.


DAS AMERIKANISCHE ZEITALTER ENDET.

Auch im Handel sind die USA längst als Weltmacht abgeschrieben. Der innerasiatische Warenaustausch wächst
kräftig. Indiens wichtigster Handelspartner ist heute China und das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern
betrug im Jahre 2010 etwa 60 Milliarden Dollar. Es dürfte sich laut Schätzungen bis 2015 mehr als verdreifachen.

Doch während Merkel und die bundesdeutschen Medien gegen China wegen der Verletzung von
Menschenrechten wettern und dabei selbst im Glashaus sitzen, tränenreich und pflichtschuldig die Verurteilung
des jüdischen Millionenbetrügers, Geldwäschers und Ex-Oligarchen Michail Chodorkowski in Rußland beklagen,
haben deutsche Unternehmer schon längst die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten eng mit russischen und
chinesischen Partnern zusammen. Dabei besinnen sie sich sogar ihrer alten deutschen Werte und produzieren
kundengerecht, so etwa Daimler, der in Indien eine komplette Modellreihe einfacher Lastwagen entwickelt, die so
billig sein sollen, daß sie im Preiswettbewerb mit dem indischen Marktführer Tata Motors mithalten können.

In China und Indien gibt es zusammen etwa eine Milliarde Menschen, die man zur dortigen Mittelschicht zählen
kann und die technisch solide Produkte zu günstigen Preisen benötigen. Qualitätsarbeit aus Deutschland, damit
können wir in China, Rußland und Indien punkten und getrost Uncle Sam jenseits des Atlantik vergessen, der wie
so viele Fremde in Deutschland und der EU zwar nicht gewillt ist, selbst etwas Konstruktives zu schaffen, aber
von unserer Hände Arbeit ein gutes Leben führen will.

* * *

Der Autor Dr. Kersten Radzimanowski war letzter geschäftsführender Außenminister der DDR.
Quelle: Deutsche Stimme, Nr. 2/Februar 2011, Adresse wie oben.

==================================================
Abgeschlossen am 12. März 2011.
==================================================

Links/Verweise zum Seitenanfang, zu themen-relevanten Seiten usw.

===================================================================
Vielen Dank für den Besuch der Homepage. Bitte weiterempfehlen und wieder
reinschauen. In unregelmäßigen Abständen kommen neue Beiträge hinzu. Anregungen,
Kritik und Beiträge sind willkommen. Bei Leser-Briefen setze ich die Erlaubnis
zur Veröffentlichung voraus, wenn nichts anderes angegeben wird.
A C H T U N G ! A C H T U N G ! A C H T U N G ! ! Um den Suchrobotern im Netz
das Auffinden von ePost-Adressen möglichst zu erschweren, verwende ich in
allen eBrief-Anschriften anstelle des @ die Zeichenfolge (A)
Ich verweise ausdrücklich auf den Haftungsausschluss und die Bekanntmachungen
gleich am Anfang meiner Hauptseite hin, gültig für alle von mir veröffentlichten
Weltnetz-Seiten. Viele Grüße von Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de