W I D E R H A L L - Nr. 60
M ä r z ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Die Welt jubelt während
die CIA Libyen ins Chaos stürzt.

David Rothscum


Wie ging es Libyen unter Gaddafi? Wie schlecht stand es um die Menschen? Wurden sie unterdrückt,
wie wir das gemeinhin annehmen? Werfen wir einmal einen Blick auf die Fakten.

Bevor das Chaos ausbrach, hatte Libyen eine geringere Häftlingsrate als die tschechische Republik. Sie
lag an 61. Stelle. Libyen hatte die geringste Kindersterblichkeitsrate in Afrika. Weniger als 5% der
Menschen hungerten. Angesichts der steigenden Lebensmittelpreise in aller Welt schaffte die libysche
Regierung alle Steuern auf Lebensmittel ab. Die Leute in Libyen waren reich. Libyen hatte das größte
Pro-Kopf-Einkommen in Afrika. Die Regierung sorgte dafür, dass alle am Wohlstand teilhaben
konnten. Der Wohlstand war gerecht verteilt. In Libyen lebten weniger Menschen unter der
Armutsgrenze als in den Niederlanden.

Wie wurde Libyen so reich? Das Land verfügt über Öl und erlaubte es nicht, dass ausländische Firmen
die Ressourcen stahlen, wie das in Nigeria der Fall ist, einem Staat, der im Wesentlichen von Shell
gesteuert wird.

Wie jedes Land leidet Libyen unter einer Regierung korrupter Bürokraten, die versuchen, sich ein
größeres Stück vom Kuchen abzuschneiden. Als Antwort darauf verfügte Gaddafi, dass die
Öleinkünfte direkt an die Bewohner des Landes zu verteilen seien, eben weil er der Meinung war, dass
die Regierung den Menschen nicht gerecht würde. Dennoch ist es nicht so, dass Gaddafi eine offizielle
Position in der Regierung innehat. Er ist nicht der Präsident von Libyen, wie uns die Zeitungen
weismachen wollen. Seine Position gleicht eher der eines der Gründerväter (der USA, Anm. d.
Übersetzers) und er hat eher zeremonielle Funktion.

Der richtige Staatschef in Libyen ist der gegenwärtige Premierminister Baghdadi Mahmudi. Wenn man
Gaddafi als den Führer Libyens bezeichnet, ist das so, als wenn man den japanischen Kaiser als Führer
Japans bezeichnen würde. Im Gegensatz zu den Bildern, die von Libyen gezeigt werden, gibt es
verschiedene Meinungen. Einige Leute sind Anhänger Gaddafis und wollen den Premierminister
loswerden. Andere wollen beide loswerden. Wieder andere wollen nur ihre Ruhe. Aber es gibt
Bestrebungen, das Bild einer populären Revolte gegen den angeblichen Führer Gaddafi zu zeichnen,
obwohl er im Endeffekt nur der Architekt des jetzigen libyschen politischen Systems ist, einer
Mischung aus Panarabismus, Sozialismus und islamischen Momenten.

Videos von Pro-Gaddafi-Protesten verschwinden sofort aus dem Internet. "Pro Gaddafi Anti Baghdadi
Mahmudi demonstrations in" auf youtube.com/watch?v=Ce5fLGNg0sk ist weg... "Pro Gaddafi
protests in front of Libyan embassy London" auf youtube.com/watch?v=pRwv0Ac8qbc ist weg...

Sind die Demonstranten in Libyen vergleichbar mit denen in Ägypten oder Tunesien? Überhaupt nicht.
Die Reaktion der Regierung ist gewaltsamer und offensichtlich wird exzessive Gewalt ausgeübt. Aber
betrachten wir kurz die Aktionen der Demonstranten. Der Volkskongress wurde von wütenden
Demonstranten in Flammen gesetzt. Das ist so, als würden Amerikaner das Capitol in Brand setzten.
Glauben Sie wirklich, dass dies die US-Regierung zuließe?

Die Unruhen brachen nicht wegen sekulärer Jugendlicher aus, die Veränderungen wollten, wie wir das
in Ägypten oder Tunesien beobachten konnten. Vielmehr hat eine Gruppe mit dem Namen
"Islamisches Emirat von Barka" (der Name der früheren nordwestlichen Region von Libyen) mehrere
Geiseln genommen und zwei Polizisten erschossen. Diese Entwicklung zeichnet sich nicht erst seit
kurzem ab. Am 18. Februar stahl die Gruppe 70 Militärfahrzeuge, nachdem sie den Hafen angegriffen
und vier Soldaten erschossen hatte. Der Aufstand begann in der östlich gelegenen Stadt Benghazi
(Bengasi). Der italienische Außenminister äußerste seine Besorgnis über ein "Islamisches Emirat von
Benghazi", welches sich als unabhängig erklären könnte.

Also woher kommt das plötzliche Aufbegehren? Die Antwort liegt in der Tatsache, dass dieselben
Gruppen, welche von den USA seit Jahrzehnten finanziert werden, nun die Chance ergreifen, die
Kontrolle in ganz Libyen an sich zu reißen. Eine kürzlich verhaftete Gruppe bestand aus Dutzenden
Leuten ausländischer Nationalität, welche sich an Plünderungen und Sabotagen beteiligt hatten. Die
libysche Regierung konnte Verbindungen zu Israel nicht ausschließen.

Großbritannien finanzierte eine Al-Kaida-Zelle in Libyen; diese sollte Gaddafi ermorden. Die größte
Oppositionsgruppe ist derzeit die "Nationale Heilsfront Libyens", welche von Saudi-Arabien, der CIA
und dem französischen Geheimdienst finanziert wird und welche mit anderen Oppositionsgruppen
zusammenging und nun die "Nationale Konferenz der libyschen Opposition" bildet. Diese rief den
"Tag der Wut" aus, der Libyen ins Chaos des 17. Februars stürzte. Sie starteten damit in Benghazi,
einer konservativen Stadt, die schon immer gegen Gaddafi eingestellt war. Es ist auffällig, dass die
"Nationale Heilsfront Libyens" gut bewaffnet ist. Schon vorher, im Jahre 1996 versuchten sie, im
östlichen Libyen eine Revolution anzuzetteln.

Warum stehen die USA in solch starker Opposition zu Gaddafi? Er ist die Hauptbedrohung für die US-
Hegemonie in Afrika, weil er versucht, den Kontinent zu vereinen und gegen die USA in Stellung zu
bringen.

In der Tat hat Gaddafi eine Menge Ideen, die dem Interessen der USA entgegenstehen.

Der Mann beschuldigt die USA, den HIV-Virus kreiert zu haben. Er sagt, dass Israel hinter den
Ermordungen von Martin Luther King und John F. Kennedy stand. Er sagt, dass die 9/11-
Flugzeugentführer in den USA ausgebildet wurden. Er hat auch die Libyer aufgerufen, Blut für die
9/11-Opfer zu spenden. Gaddafi ist auch der letzte Führer einer Generation von moderat-sozialistischen
panarabischen Revolutionären, der noch an der Macht ist, nachdem Nasser und Hussein eliminiert
wurden und Syrien sich an die Seite des Iran stellte.

Die USA und Israel haben kein Interesse an einer starken arabischen Welt. Vielmehr hat es den
Anschein, dass ein elementares Interesse in ihrem Plan darin besteht, Libyen durch Anarchie und Chaos
in die Knie zu zwingen.

Ende 2010 rüstete Großbritannien Libyen noch mit lukrativen Waffenverkäufen auf. Ein blutiger
Bürgerkrieg ist die beste Garantie für die Zerstörung Libyens. Die Stammesstruktur in der libyschen
Gesellschaft ist immer noch sehr stark und nützlich für das Unterfangen, einen solchen Krieg zu
entfachen und auszunutzen, denn historisch ist Libyen in verschieden ethnische Gruppen geteilt.

Politische Gliederung Libyens - Bildquelle - Ausriß: http://www.de-touristik.de/

Dies ist auch der Grund dafür, dass die libysche Regierung mit dem Import ausländischer Söldner
antwortet. Stammesallianzen sind wichtiger als Allianzen mit der Regierung, vor allem in Benghazi und
deswegen hat die Zentralregierung keine Kontrolle mehr über den östlichen Teil Libyens. Die
Alternative zu Söldnern wäre ein Konflikt zwischen den Stämmen. Gaddafi hat 41 Jahre lang versucht,
einen homogenen Staat aufzubauen, aber die Oppositionsgruppen - vom Ausland finanziert - werden
wohl nur wenige Tage brauchen, um das Land in den Zustand des 19. Jahrhunderts zurück zu
versetzen, bevor die Region von den Europäern besetzt und vereint wurde...

Gaddafi übernahm vor 41 Jahren die Macht in einem unblutigen Staatsstreich von einem kranken
Monarchen.

Seine Ideologie beruhte auf der friedlichen Vereinigung seines Landes mit Ägypten und Syrien. Es
müßte schon ein Wunder geschehen, wenn die derzeitigen Gewaltexzesse zu einer stabilen Demokratie
in Libyen führen sollten, welche in der Lage wäre, das ganze Land zu kontrollieren. Das Land ist
zweimal so groß wie Pakistan und hat 6 Millionen Einwohner. Endlose Wüsten liegen zwischen vielen
Städten der Nation.

Die Frage bleibt, wie viele Nationen noch unter dem Beifall der Welt in Stücke zerrissen werden.

* * *

Quelle:
http://www.politaia.org/politik/die-welt-jubelt-wahrend-die-cia-libyen-ins-chaos-sturzt-david-rothscum/
http://davidrothscum.blogspot.com/2011/02/world-cheers-as-cia-plunges-libya-into.html

Seitenbetreiber: Ähnlich sieht Dr. Gundolf Fuchs die Lage in Nordafrika. Direktlink unten.

||======================================================
|| " T O T E ~ I N ~ K A I R O .
|| Kairo. Bei Ausschreitungen zwischen Muslimen und Chris-
|| ten in Ägypten sind in der Nacht zum Mittwoch in der
|| Kairoer Vorstadt Mokattam elf Menschen getötet worden.
|| Sechs Tote waren koptische Christen, die anderen fünf
|| Muslime, so die Generalstaatsanwaltschaft." Aus "Meller
|| Kreisblatt" vom 10. März 2011. Von wegen friedlich ver-
|| eint gegen Diktatur und für Demokratie, wie uns die
|| Systemmedien weismachen wollten. Karl-Heinz Heubaum
||======================================================

==========================================
Abgeschlossen 15. März 2011.
==========================================

Links/Verweise zum Seitenanfang, zu nächsten libyen-Text & zur Hauptseite

===================================================================
Vielen Dank für den Besuch der Homepage. Bitte weiterempfehlen und wieder
reinschauen. In unregelmäßigen Abständen kommen neue Beiträge hinzu. Anregungen,
Kritik und Beiträge sind willkommen. Bei Leser-Briefen setze ich die Erlaubnis
zur Veröffentlichung voraus, wenn nichts anderes angegeben wird.
A C H T U N G ! A C H T U N G ! A C H T U N G ! ! Um den Suchrobotern im Netz
das Auffinden von ePost-Adressen möglichst zu erschweren, verwende ich in
allen eBrief-Anschriften anstelle des @ die Zeichenfolge (A)
Ich verweise ausdrücklich auf den Haftungsausschluss und die Bekanntmachungen
gleich am Anfang meiner Hauptseite hin, gültig für alle von mir veröffentlichten
Weltnetz-Seiten. Viele Grüße von Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de