W I D E R H A L L - Nr. 61
O S T E R N / A p r i l ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Mubarak von der CIA gestürzt,
weil er sich amerikanischen Plänen für
einen Krieg gegen den Iran widersetzte???


Die USA erwägen die Beschlagnahme des Suezkanals... Wurde Mubarak mit dieser Drohung zum Rücktritt
gezwungen? Eine ägyptische Revolution hat es nie gegeben; was wir erlebt haben, war vielmehr der verdeckte
Putsch einer Junta von CIA-Marionetten-Generalen, die offenkundig nur mit der Hilfe eines massiven Ultimatums
aus Washington ihr Ziel erreichten, Hosni Mubarak in der Nacht vom 10. zum 11. Februar 2011 aus dem Amt zu
jagen. Es mehren sich die Anzeichen dafür, daß diese Drohung die Beschlagnahme oder Blockade des Suezkanals
beinhaltete, der ägyptischen Wasserstraße, über die acht Prozent des gesamten weltweiten Seehandels verlaufen.

Schon einmal, 1956, haben die Imperialisten versucht, den Kanal an sich zu reißen; heute wollen sie China, den
Iran und Rußland von der Nutzung abschneiden. Es gibt deutliche Hinweise darauf, daß Mubarak von
Washington und London gestürzt wurde, weil er sich den Plänen Großbritanniens und der USA widersetzte, einen
Block sunnitisch geprägter Staaten wie Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien und die Golfstaaten zu bilden, der -
unter einem US-Nuklearschirm und Schulter an Schulter mit Israel - Konfrontation und Krieg mit dem Iran,
Syrien, der Hisbollah sowie deren schiitische und radikale Verbündete zum Zweck hat.

Das bedeutet, daß der Nahe Osten mit dem Sturz Mubaraks einem allgemeinen Krieg einen großen Schritt näher
gekommen ist. Die Junta hat inzwischen das Parlament aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt und für die
nächsten sechs Monate den Ausnahmezustand verhängt. In den Tagen nach Mubaraks Sturz wiederholten die von
den Anglo-Amerikanern kontrollierten Medien geradezu besessen die Litanei, hier handele es sich um einen
Regimewechsel in der arabischen Welt, den das ägyptische Volk allein bewirkt habe. In Wirklichkeit jedoch war
die relativ begrenzte öffentliche Agitation der am wenigsten wichtige Faktor beim Sturz des ägyptischen Rais. Da
es weder eine wirkliche Massenorganisation gab, die in der Lage gewesen wäre, die Macht zu übernehmen, noch
ein Programm für wirtschaftlichen Wiederaufbau, Entwicklung und Reform, auf welches sich das Bestreben eines
großen Teils der ägyptischen Bevölkerung hatte vereinen können, war Ägypten einer mittlerweile
standardmäßigen Farbenrevolution, einem People-Power- oder postmodernen Coup der CIA und National
Endowment for Democracy ausgeliefert. Nach diesem Rezept begann die Destabilisierung mit einer Versammlung
der privilegierten Jugend aus der gehobenen Mittelschicht - die Zugang zu Internet, Google, Facebook und
Twitter hat - auf dem Tahrir-Platz, wo sie trotz ihrer für eine Riesenstadt wie Kairo relativ geringen Anzahl dem
Fernsehsender Al Jazeera die Gelegenheit zu Aufnahmen gab. Der Sender machte sich schamlos zum
demagogischen Sprachrohr des britischen Geheimdiensts, der ehemaligen Kolonialmacht in Ägypten.

Die Rolle des Aufwieglers, die Al Jazeera spielte, ist auch bezeichnend für das merkwürdige Spiel mit dem Feuer,
das derzeit in Dohar, Qatar, wo der Sender seinen Sitz hat, betrieben wird. Laut einem von WikiLeaks
entwendeten Bericht des State Department soll Gamal Mubarak im Februar 2009 gegenuber US-Senator Joseph
Lieberman erklärt haben: Bedauerlicherweise mimt Qatar den "Spielverderber", um einen "Platz am Tisch" zu
erhalten.

Es gebe, wie Gamal sagte, eine enge Absprache mit Syrien und dem Iran bei einer inszenierten Attacke auf
Ägypten und andere gemäßigte arabische Länder (1). Scheich Hamad Bin Khalifa Al Thani und die anderen
Mitglieder der Al-Thani-Familie in Qatar könnten sich schon bald in der eigenen Schlinge der regionalen
Destabilisierung verfangen.

Es war also die "Goldene Jugend Kairos", die vor den Fernsehkameras eine gewisse Präsenz bewahrte, so daß die
Agitatoren und Provokateure von Al Jazeera behaupten konnten, diese jungen Verführten, Anarchisten und
Nihilisten seien die Inkarnation von Jean-Jacques Rousseaus Bürgerwillen, und deswegen die höchste Instanz für
sämtliche politischen Entscheidungen in Bezug auf die Zukunft Ägyptens. Zeitweilig waren nur ein paar hundert
jugendliche Enthusiasten auf dem Platz, doch für Al Jazeera waren sie das oberste Orakel für die Forderungen des
ägyptischen Volkes. Ägypten hat mehr als 80 Millionen Einwohner, allein im Großraum Kairo leben fast 20
Millionen, doch die Anti-Mubarak-Kräfte konnten nur mit Schwierigkeiten jemals mehr als 50.000 Leute
zusammenbringen - selbst an den Tagen, an denen sie bombastisch einen Millionen- oder gar Zweimillionen-
Marsch ankündigten. Im Vergleich zu Kiew, einer viel kleineren Stadt, im November 2009 war Kairo nur ein
schwacher Versuch.

Das Treiben auf dem Platz war nur für das Fernsehen gemacht, die Teilnehmer - was immer ihre subjektiven
Beweggründe gewesen sein mögen - dienten als Kulisse für einzelne Szenen und kurze Einlagen, sie spielten
allenfalls Statistenrollen. Sie haßten Mubarak. Sie wollten das gesamte Regime zum Teufel jagen. Eine Hierarchie
lehnten sie ab. Sie wollten Transparenz. Bei einem solch armseligen und primitiven Niveau politischen
Bewußtseins konnte die Menge auf dem Platz nie darauf hoffen, den Lauf der Dinge bestimmen zu können, sie
war vielmehr dazu verdammt, zum Instrument einer Kraft - der CIA - zu werden, die genau wußte, was sie
wollte.

Die Menge war nicht organisiert, doch es gab Organisationen in der Menge. Eine davon war die Bewegung "6.
April", die sich als Klon oder billige Kopie des ursprünglichen Instruments der Farbenrevolution entpuppte, der
serbischen Otpor von 1999 bis 2000, die damals von der National Endowment for Democracy zum Sturz
Milosevics eingesetzt worden war. Anscheinend machen sich auch bei der CIA Sparmaßnahmen bemerkbar, denn
das erste Logo der serbischen Gruppe wurde in Ägypten im Recyclingverfahren direkt übernommen. Auch andere
Merkmale der Menge erwiesen sich als recycelte Überreste früherer versuchter Farbenrevolution - der
vielgepriesene Slogan "Game Over" war tatsachlich das Relikt einer versuchten Destabilisierung Tibets im Dienste
des Dalai Lama.

Vor rund 150 Jahren schrieb ein gewisser britischer Agent über den von London unterstützten Putsch Napoleons
III. in Frankreich, die Tradition vergangener Generationen laste wie ein Albtraum auf dem Denken der Lebenden.
Heute würden wir sagen, der gesammelte Müll früherer Farben-Putsche, der heute aus Ersparnisgründen von der
CIA recycelt wird, entlarvt ihre diskreditierte Destabilisierungstechnik. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie
intelligente, aber anfällige Erwachsene der Schwärmerei der Revolution so stark anheimfallen, daß sie einen
Assange für Lord Byron oder den Subversionsagenten Ghonim von Google für Robespierre halten - und nicht für
Figuren, die dem Film Revenge of the Nerds [deutscher Titel: Die Rache der Eierköpfe] entsprungen sein
konnten.

Als die "goldene Jugend" zahlenmäßige Verstärkung brauchte, rief sie nach der britischen Freimaurerei, bekannt
als Muslimbruderschaft. Die Ikhwan stellte die großen Bataillone, brachte jedoch auch Probleme für die
Öffentlichkeitsarbeit mit sich. Um diese zu neutralisieren, lancierten einige Ehemalige der CIA, unter ihnen Bruce
Riedel, eine Propagandakampagne, um der Öffentlichkeit in den USA zu versichern, es gebe keinen Grund zur
Besorgnis.

Es sei betont, daß die Destabilisierung in Ägypten von Anfang an ziemlich gewalttätig war. Am Freitag, dem 28.
Januar, begingen Demonstranten Brandstiftung, sie zündeten ein großes Bürogebäude im Zentrum Kairos an, in
dem sich das Hauptquartier von Mubaraks politischer Partei befand. Ob dabei Opfer zu beklagen waren, ist nicht
bekannt. Andere Demonstranten setzten systematisch Polizeiwachen in Brand. Berichten zufolge wurden mehrere
Polizisten von der Menge gelyncht. Weiterhin gab es einen bewaffneten Angriff auf das Gebäude des
Innenministeriums, der nach einem Feuergefecht mit der Polizei zurückgeschlagen wurde. Diese Gewalt auf Seiten
der leuchtenden Helden der Demokratie wurde weder von Ban-Ki Moon noch von der Europäischen Union und
anderen Wächtern der Weltmoral beachtet, geschweige denn verurteilt.

Offenbar glauben die Angloamerikaner, die gegenwärtige Kombination einer Zusammenbruchskrise der
Weltwirtschaft oder Depression (einschließlich steigender Preise für Lebensmittel und Benzin sowie hoher
Arbeitslosigkeit und zunehmender Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage) und des hohen Anteils junger
Menschen in der arabischen Welt böte die Gelegenheit, Regierungen wie Kegelfiguren zu stürzen - in gewisser
Weise nach dem Modell des britischen Vorgehens von 1848 gegen das Metternich-System oder die Heilige
Allianz in Europa und der anglo-amerikanischen Kampagne von 1989 gegen die Sowjets in Osteuropa. Dieses
Mal besteht das Ziel darin, die etablierten autoritären Herrscher der arabischen Welt zu stürzen, unter ihnen Ben
Ali in Tunesien, der seit rund 23 Jahren im Amt gewesen war, Mubarak in Ägypten (31 Jahre), gefolgt von
Gaddafi in Libyen (41 Jahre), Bouteflika in Algerien (zwölf Jahre), der Assad-Dynastie in Syrien (rund 40 Jahre),
Saleh im Jemen (21 Jahre). Dazu kommen Jordanien, Saudi-Arabien, Marokko und andere Länder. Einige der
mehr manischen Alteingesessenen von Foggy Bottom (State Department) und Langley (CIA) sind ernsthaft
überzeugt, sie könnten auf der derzeitigen Welle von Destabilisierungen bis nach Teheran, Peking und Moskau
reiten.


Nicht abhängig genug:
WARUM DIE CIA DIE ETABLIERTEN ARABISCHEN HERRSCHER STÜRZEN WILL.

Das Ziel dieser Operationen besteht darin, etablierte abhängige Herrscher aus dem Amt zu jagen, die schon so
lange an der Macht sind, daß sie gegenüber dem imperialen Diktat aus Washington und London eine gewisse
Autonomie gewonnen haben und nun nicht mehr die reinen Marionetten sind, nach denen CIA und State
Department ständig suchen. In Washington ist man sich deshalb einig darüber, daß diese seit Jahrzehnten
Herrschenden nicht genügend abhängig von NATO, Internationalen Wahrungsfonds etc. sind. Washington und
London brauchen ausgesprochene Kamikaze-Marionetten, die bereit sind, kommenden Konfrontationen mit dem
Iran, China und Rußland nicht im Wege zu stehen.

Eine Möglichkeit der USA für die Zukunft Ägyptens ist einfach die Fortsetzung des bestehenden Regimes, das
sich weitgehend auf die Armee, die staatliche Bürokratie und die Sicherheitskräfte stützt und von Militärs in
Zivilkleidung geführt wird. Doch dann waren die Herrscher die Suleimans, Tantawis oder Annans, vielleicht auch
die Baradeis oder Moussas - allesamt weit schwächere Persönlichkeiten als Mubarak. Denkbar ist auch eine
Periode von Chaos - wie wir sie derzeit in Tunesien erleben -, gefolgt von der Machtübernahme der
Muslimbruderschaft, was zu einem de facto sunnitischen Kalifats Kairo führen würde, das die USA nutzen könnte,
um das de facto schiitische Kalifat in Teheran herauszufordern. Beide Alternativen ließen sich zur Stützung der
grundlegenden britisch-amerikanischen Strategie für den Nahen Osten nutzen, die darin besteht, einen Block
arabischer und sunnitischer Kräfte - hier insbesondere mit Ägypten, Saudi-Arabien, die Golfstaaten und Jordanien
zu formen - der dann als gemeinsame Front, unter Beteiligung Israels, der iranischen schiitischen Front
gegenüberstünde, zu der Syrien, die Hisbollah, die Hamas und verschiedene radikale Kräfte zählen. Eine weitere
Möglichkeit wäre, daß Ägypten und viele andere Länder einfach im Chaos versinken, was es den Imperialisten
erlaubt, einzugreifen und staatlichen Besitz zu beschlagnahmen, beispielsweise die Ölfelder in Algerien und Libyen
oder den Suezkanal in Ägypten.

Als künstlich inszenierte Farbenrevolution wies der Aufstand in Ägypten einige deutliche technische Schwächen
auf, was Markenzeichen und Marketing betrifft, die für eine solche Operation entscheidend wichtig sind. Es gab
keine charakteristische Farbe, kein einprägsames Symbol, wie das Orange in der Ukraine, die Rosen in Georgien
oder die Zedern im Libanon. Es gab auch keinen markanten Slogan wie das georgische "Es reicht!", das serbische
"Er ist erledigt", das "Yes we can!" der Obama-Anhänger, oder das ukrainische "Es ist Zeit!". Außerdem fehlte
ein charismatischer telegener Demagoge wie der Georgier Sakaschwili. Das Mubarak-Regime sperrte den
Demonstranten am 27. Januar den Zugang zu Facebook und Twitter; dadurch wurde Al Jazeera zu ihrem
wichtigsten elektronischen Medium, bis auch dieser Kanal geschlossen wurde.

Ferner hatte Mubarak Stärken und Schwächen. Seinem Regime war offensichtlich bewußt, daß eine
Destabilisierung bevorstand, man hatte einerseits die wichtigsten Vorkehrungen getroffen, um das Internet fast
vollständig sperren zu können. Andererseits erwies sich das Regime als unfähig, ausländische
Fernsehkorrespondenten, die kaum mehr als Agitatoren für die Destabilisierung waren, vom Geschehen
fernzuhalten. Als großer Getreideimporteur der Welt - der größte Teil kommt direkt aus den Vereinigten Staaten
oder wird gemäß dem Camp-David-Abkommen mit Mitteln der US-Nahrungsmittelhilfe finanziert - ist Ägypten
höchst anfällig für den Einsatz der Nahrungsmittelwaffe durch Washington.

Mubaraks zwei hervorstechende Schwächen werden offenbar, wenn man seine Reaktion auf die Unruhen mit dem
erfolgreichen Widerstand Ahmadinejads gegen die Twitter-Revolution der CIA vom Juni 2009 im Iran vergleicht.
Als die NED die Proteste in Gang setzte, mobilisierte Ahmedinejad umgehend die Basis - die sich überwiegend
aus den unterprivilegierten Schichten rekrutierte - gegen die goldene Jugend der CIA und die "Desperate
Housewives" aus den nördlichen Stadtvierteln Teherans. Mubarak hatte seine eigenen Basis in Gestalt der
sogenannten Baltagies, doch sie kamen erst eine Woche nach Beginn der Destabilisierung zum Einsatz und
suchten sehr schnell das Weite, als sie von Armeepanzern beschossen wurden. Darüber hinaus fehlte es Mubarak
an internationaler Unterstützung. Als die Angloamerikaner gegen Ahmedinejad zu Felde zogen, konnte er zum
Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organization reisen, wo er mit Putin und anderen zusammentraf, was für
jeden sichtbar die angloamerikanische Propaganda widerlegte, er sei völlig isoliert. Mubarak standen solche
Optionen trotz gewisser Unterstutzung durch Rußland, Berlusconi und die PLO nicht offen.

Natürlich hatten die Demonstranten in Ägypten berechtigten Grund zur Beschwerde - andernfalls kann eine
Destabilisierung nicht funktionieren. Die Preise für Nahrungsmittel und Benzin sind rapide gestiegen und die
Subventionen für Lebensmittel, von denen vor allem die Armen abhängig waren und sind, wurden in den
vergangenen Jahren unter dem Druck des IWF (Internationaler Währungsfond - KHH.) massiv gekürzt. Die
Löhne in Ägypten waren viel zu niedrig. Die Arbeitslosigkeit war sehr hoch, besonders unter jungen
Hochschulabsolventen. Wobei viele dieser Probleme natürlich auf das Konto der Zombie-Banker und
Hedgefonds-Hyänen an der Wall Street und in London gehen und vom Mubarak-Regime kaum beeinflußt werden
konnten.

Schließlich gab es autoritäre Repression unter der Notstandsgesetzgebung, die Mubarak 1981 eingeführt hatte,
nach dem Mord an seinem Amtsvorgänger Anwar Sadat durch die USA und England - mit der Hilfe von
Netzwerken innerhalb der Muslimbruderschaft, darunter eines unter der Führung von Zawahiri, der später zu
Osama bin Ladens legendärer rechten Hand avancierte.


10. Februar: MUBARAK WIDERSETZT SICH DEM CIA-PUTSCH.

Tagelang hatte die Obama-Regierung alle zur Verfügung stehenden Kanale genutzt, einschließlich persönlicher
Beziehungen zu ägyptischen Offizieren, die in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden waren, um Mubarak
abzusetzen und einen Regimewechsel zu vollziehen. Am Morgen des 10. Februar besuchte ein hochrangiger
Armeeoffizier die Menge auf dem Tahrir-Platz und versprach, noch vor Anbruch der Nacht würden alle ihre
Forderungen erfüllt. Ein großes Vorhaben, hätte General de Gaulle vermutlich dazu gesagt. Gleichzeitig wurde
bekannt, der Oberste Militärrat, der nur höchst selten zusammentritt, habe sich in Abwesenheit Mubaraks
versammelt und beschlossen, es sei Zeit für ihn zu gehen.

Die entsprechende Meldung von Associated Press, die in der Nachrichtensendung von CBS Radio ausführlich
zitiert wurde, bezeichnete die Ereignisse als "sanften Putsch". Ein jovialer CNN-Kommentator meinte: "Es ist ein
Putsch!" In einem Akt unvorstellbarer Dummheit erklärte CIA-Direktor Leon Panetta vor den Mitgliedern des
Nachrichtenausschusses des US-Repräsentantenhauses, mit "hoher Wahrscheinlichkeit" werde Mubarak noch im
Laufe des Tages zurücktreten. Damit offenbarte Panetta der Welt, daß die wirklichen Urheber des drohenden
Putsches nicht das ägyptische Volk, sondern vielmehr die Kameraden von Langley (USA) waren. Äußerst töricht
und wenig kompetent schlug auch Obama, erpicht auf das Wohlwollen der Linksliberalen, die er für seine nächste
Runde von Haushaltskurzungen als Schutzschild gegen die amerikanische Bevölkerung einsetzen möchte, in
dieselbe Kerbe wie der CIA-Chef: "Wir erleben, wie Geschichte gemacht wird", stammelte der angeschlagene
Neger-Messias. Am Donnerstagnachmittag ging man in Washington davon aus, daß Mubarak innerhalb der
nächsten ein, zwei Stunden im Fernsehen erklären wurde, er gebe nach und werde abtreten.


DER GEGENPUTSCH VOM 11. FEBRUAR.

Diese Entwicklungen habe ich in Echtzeit in einem Radiointerview in der Alex-Jones-Sendung kurz nach 14 Uhr
Washingtoner Zeit kommentiert. Beiläufig erwähnte ich dabei, es sei keinesfalls sicher, daß Mubarak tatsachlich
zurücktreten werde. Kurz nach 15 Uhr habe ich, wiederum auf Einladung von Alex Jones, zunächst gesagt, nun
mehrten sich die Anzeichen für einen Gegenputsch gegen die amerikanischen Putschpläne.

Über eine Stunde nach der Ausstrahlung dieses Programms sendete das ägyptische Fernsehen eine aufgezeichnete
Erklärung Mubaraks. Wahrend dieser Übertragung zerschlugen sich die manischen Hoffnungen beim State
Department, CIA und im Old Executive Office Building neben dem Weisen Haus (wo Samantha Power, die
Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats, angeblich eine Schlüsselrolle spielte), als aus Mubaraks Tonfall und
seinen Aussagen deutlich wurde, daß er entschlossen war, im Amt zu bleiben, bis sein Nachfolger Ende September
oder im Oktober ordnungsgemäß gewählt werde und sein Amt angetreten habe.


OBAMA SCHÄUMT VOR WUT.

Am späten Nachmittag und Abend dieses Donnerstags kam keine Freude auf. Washington hatte allen Grund,
einen teilweisen Zusammenbruch des US-Imperialismus zu fürchten, zu dem es unweigerlich gekommen wäre,
wenn sich das Modell der Farbenrevolution aufgrund zunehmender Schwache der USA als undurchführbar
erwiesen hätte. Schon die Rosenrevolution in Georgien hatte bedenklich an Glanz eingebüßt, als ihr Führungsheld
Saakaschwili sich als Kriegstreiber, Unterdrücker und faschistischer Wirrkopf erwiesen hatte. Die Orangene
Revolution von 2004 in der Ukraine war mit dem Rauswurf der beiden Kleptokraten Timoschenko und
Juschtschenko niedergeschlagen und umgekehrt worden, was unter anderem zur Folge gehabt hatte, daß es den
USA nicht gelungen war, im Winter 2010/2011 in Osteuropa eine Gaskrise zu inszenieren.

Mit der Zedernrevolution (im Libanon - KHH.) von 2005 im Libanon war es zwar gelungen, die syrischen
Truppen aus dem Land zu treiben, den organisierten Masseneinfluß der Hisbollah hatte sie jedoch nicht brechen
können. Die neue Regierung im Libanon war starker von der Hisbollah beeinflußt als alle anderen vor ihr. Der
Twitter-Putsch vom Juni 2009 im Iran war im Sande verlaufen. Der Einsatz von sanfter Gewalt, Unterwanderung
und Destabilisierung in der Tradition von Carter (ehemaliger US-Präsident) und Brzezinski (Kriegstreiber
zugunsten Israels), die stets die tragende Säule von Obamas Außenpolitik gewesen war, im Gegensatz zu der
Betonung auf direktem militärischen Eingreifen in der Ära Bush/Cheney, hatte sich als unwirksam erwiesen.
Angesichts der wachsenden konventionellen Militärmacht des Iran und der Hisbollah, die bereits im Sommer 2006
bei der israelischen Niederlage im Libanon offenkundig geworden war, lief der anglo-amerikanische Imperialismus
Gefahr, mitten in einer Depression weder über die militärische Option noch über die Option zur Unterwanderung
zu verfügen. Wenn es dazu käme, was bliebe dann noch? Für uns gab es den Hoffnungsschimmer: dann wäre der
Nahe Osten womöglich nicht mehr die unipolare Spielwiese der Angloamerikaner und Israelis und konnte zum
früheren Status einer normalen multipolaren Region zurückkehren, in der Rußland, China, die Türkei und
vielleicht sogar Europa über Einfluß verfügten - was die Länder in der Region in die Lage versetzen würde, ihr
Recht auf nationale Unabhängigkeit und umfassende moderne wirtschaftliche Entwicklung geltend zu machen.


DER CIA-PUTSCH IN ÄGYPTEN STAND AM DONNERSTAGABEND VOR DEM ENDE.

Fareed Zakaria jammerte am Donnerstagabend auf CNN, die ägyptische Armee habe sich nun definitiv auf die
Seite Mubaraks geschlagen, zumindest insoweit, als sie ihm die gewünschte lange Übergangsfrist gewährte. David
Gergen zeigte sich kämpferischer, er polterte los, Mubaraks Widerstand werde "nicht hingenommen". Am meisten
außer sich war Obama selbst. Laut New York Times war Obama-Bimbo wütend, er schäumte vor Wut über
die Berichterstattung, die es so aussehen lies, als schütze seine Regierung einen Diktator und ignoriere die
Forderungen der Jugend von Kairo ". Vom US-Standpunkt aus stand der lange vorbereitete Putsch in Ägypten
am Donnerstagabend vor dem Ende.


GAMAL MUBARAK UND DER GEGENPUTSCH.

Was war geschehen? Veröffentlichten Berichten zufolge hatte Mubarak tatsächlich eine Fernsehbotschaft
aufgezeichnet, in der er seinen Rücktritt angeboten hatte. Das war das Band, das die Angloamerikaner zu Gesicht
bekommen hatten oder über das sie informiert worden waren und das die Grundlage für ihre Jubelstimmung war.
Doch nachdem dieses Band aufgezeichnet war, hatte Mubaraks älterer Sohn seinen Vater zur Rede gestellt und
ihm den Rücktritt erfolgreich ausgeredet.

Es folgt ein Bericht aus Ägypten darüber, was genau geschah: Zwischen Alaa und Gamal Mubarak, den beiden
Söhnen des früheren ägyptischen Präsidenten, kam es am vergangenen Donnerstag wahrend der Aufzeichnung der
letzten Rede ihres Vaters an die Nation zu einem erhitzten Wortgefecht, so berichtete die staatliche ägyptische
Zeitung al-Akhbar am Sonntag. Dem Vernehmen nach sollte Hosni Mubarak in einer Rede, die ihm das Militär am
Donnerstag übermittelt hatte, seinen Rücktritt erklären, doch sein Sohn Gamal und hohe Beamte seiner engeren
Umgebung setzten ihn unter Druck, den Text der Rede zu ändern und darauf zu bestehen, bis September im Amt
zu bleiben. Wie die Zeitung berichtete, verlor Gamal die Beherrschung, als er bei der Aufzeichnung der Rede
seines Vaters zuhörte, die später am Abend gesendet werden sollte, und in der er seinen Rücktritt erklärte.

Diesem Bericht zufolge war amerikanischen Vertretern die Aufzeichnung bekannt, sie wußten jedoch nicht, daß
Gamal seinen Vater veranlaßt hatte, diese zu verwerfen und eine andere Rede aufzuzeichnen, die später am Abend
gesendet wurde. Am selben Tag hatte US-Präsident Barack Obama zuvor bei einer Versammlung in Michigan
erklärt: "Wir erleben gerade, wie Geschichte gemacht wird" - ein Anzeichen dafür, daß Mubarak zurücktreten
werde. Stunden später hörte Obama schier Verwirrendes: Mubarak gab nicht auf. Offenbar war Obama nicht
darüber informiert, daß Mubaraks Rücktrittsrede von dessen Sohn in letzter Minute verworfen worden war.

Doch dann, am Freitag, wendete sich die Lage abrupt. Berichten zufolge verlies Mubarak Kairo mit einem
Hubschrauber in Richtung des Urlaubsorts Sharm-el-Sheikh am südlichen Ende der Sinai-Halbinsel. Schon bald
kündigte das staatliche ägyptische Fernsehen eine wichtige Ankündigung über die Präsidentschaft an. Dann
erschien Vizepräsident Suleiman auf dem Bildschirm mit der Erklärung, Mubarak sei zurückgetreten und habe die
Macht an den Obersten Militärrat übergeben - wozu er nach der ägyptischen Verfassung gar nicht berechtigt war.
Was war geschehen?


DAS US-MÄRCHEN ÜBER MUBARAKS RÜCKTRITT.

Die Gründe für Mubaraks plötzliche Abreise sind zur Zeit ein heißes politisches Thema an sich. Der US-
Geheimdienst gab umgehend einen Bericht ab, in dem der Sturz Mubaraks als Putsch inländischer Kräfte, das
Werk ägyptischer Offiziere, dargestellt wurde. Diese Darstellungsweise ist nötig, um die imperialistische Natur
des Putsches zu verschleiern und die Illusion aufrecht zu erhalten, die Ägypter hatten ihn "allein" vollbracht. Eine
detaillierte Zusammenfassung dieser Märchen erschien am 12. Februar in Form eines Artikels von Joby Warrick in
der Washington Post. Darin wiederholt der Autor mindestens zwei Mal, die Entscheidungsträger in Washington
seien in die Ereignisse in Kairo nicht eingeweiht gewesen und hätten nur die vollendeten Tatsachen "zur Kenntnis
nehmen" können, die die ägyptischen Offiziere vor Ort geschaffen hätten.

Wir lesen: "Am Mittwochabend erfuhren Beamte von CIA und Pentagon von den Plänen der ägyptischen Militärs,
Mubarak umgehend zu stürzen und die Unruhen zu beenden, die das Land seit über zwei Wochen erschüttert
hatten... Die Kommunikation zwischen führenden US-amerikanischen und ägyptischen Vertretern war zu
Wochenanfang immer sporadischer geworden, während sich Mubarak-Vertreter öffentlich über die Einmischung
der USA in die Angelegenheiten Kairos beschwerten. Doch dann erfuhren US-Geheimdienst- und Militärvertreter
Einzelheiten des Plans der militärischen Führung in Ägypten - ein Mittelding zwischen einem ausgehandelten
Rucktritt und einem sanften Staatsstreich -, um Mubarak die meisten, wenn nicht alle seiner Vollmachten zu
entziehen.

Hier klingt es, als habe Mubarak seine Unterstützer vor allem durch den Tonfall seiner Bemerkungen enttäuscht,
der sie zu der Schlußfolgerung veranlaßt habe, er sei unverbesserlich und müsse gehen: Am Ende beschleunigten
Mubaraks Bemühungen nur seinen überstürzten und unrühmlichen Abgang, so die Beamten. Innerhalb von
Stunden nach der Rede stellten die ägyptischen Armeeoffiziere dem in Mißkredit geratenen Präsidenten ein
Ultimatum: "Entweder freiwilliger oder erzwungener Rücktritt". Doch diese Darstellung ist frei erfunden, denn
der gesamten Welt war bewußt, daß das offizielle Washington, angefangen mit CIA-Chef Panetta, die treibende
Kraft hinter dem Putsch in Ägypten war

Das Problem bestand darin, daß die Offiziere als Marionetten der USA nicht einmal dann über die politische Kraft
verfügten, Mubarak abzusetzen, als sie hinter der Fassade der "goldenen Jugend" auf dem Platz operieren
konnten. Der italienische Nahost-Experte Franco Macchi wies am Morgen des 13. Februar darauf hin: "Ich glaube
nicht, daß General Mohammed Hussein Tantawi und sein Oberster Rat in der Lage gewesen waren, Mubarak aus
dem Amt zu drängen. Sie haben es versucht, wie von Washington erwartet wurde, und haben es lange Zeit nicht
geschafft. Selbst im letzten Moment stand für Mubarak fest: Ist mir egal, ich bleibe. Dies hatte (oder hat bereits)
zu einer Spaltung in der Armee geführt, bei der die CIA-Marionetten Isolation und Feindseligkeiten von den
Rängen der Armee riskiert hatten. Ich wüßte nicht einmal zu sagen, inwieweit Tantawi an die amerikanische Seite
gekettet ist (und man sich dort auf ihn verlassen konnte) und inwieweit er versucht, einen Kompromiß zu
vermitteln. Die Schlüsselfrage bleibt jedoch, welche Art Entscheidungen und Begeisterung sich in der Armee
selbst zeigen werden. Diese konnten nicht gradlinig verlaufen. ..." Mit anderen Worten: Neue nationalistische
Obristen in der Nasser-Tradition konnten schon bald von diskreditierten US-Marionetten wie Tantawi die Nase
voll haben und sie zum Teufel jagen, mit unabsehbaren Folgen für die USA


DIE ACHILLESFERSE DER US-LEGENDE: KOMMUNIQUÉ NR. 2 DES OBERSTEN MILITÄRRATES.

Das wirklich unüberwindliche Hindernis für Joby Warricks These eines bodenständigen Putsches der Marke
"Made in Egypt" ist die von Warrick nirgends erwähnte Tatsache, daß am Freitagmorgen eine Sitzung des
Obersten Militärrats stattfand, bei dem beschlossen wurde, Mubaraks Plan einer schrittweisen Machtübergabe bis
September oder Oktober unter der Aufsicht des amtierenden Präsidenten zu unterstützen - so hieß es in ihrem
Kommunique Nr. 2. Die wichtigsten Fakten wurden in einer Meldung der Nachrichtenagentur Press Trust of India
berichtet, in der es heißt: "Das ägyptische Militär erklärte heute seine Unterstützung für den bedrängten
Präsidenten und rief die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen. Ihnen wurden freie und faire Wahlen im
September und die Aufhebung des verhaßten Ausnahmezustands zugesichert. Die Erklärung rief bei den
Menschen Enttäuschung hervor, sie gelobten, ihre Kampagne 'bis zum Ende' fortzuführen. Da sich das Militär
unerwartet hinter Mubarak stellte, gingen Zehntausende Menschen wieder auf die Straße, entschlossen, den
Protest 'bis vor die Türschwelle der politischen Institutionen' zu tragen." Weiter heißt es in der Pressemeldung:
"Als Mubarak mit seiner Weigerung zurückzutreten die Hoffnungen von Millionen seiner Landsleute und die
weltweite Erwartung enttäuschte, traf der Oberste Militärrat in nicht einmal 24 Stunden zwei Mal zusammen,
bevor er seine Unterstützung für Mubaraks Schritt erklärte, einen Teil seiner Amtsvollmachten auf Vizepräsident
Omar Suleiman zu übertragen. Das ägyptische Staatsfernsehen unterbrach das Programm, um das "Kommunique
Nr. 2" des Rats zu verlesen, in dem dieser zusicherte, den viel kritisierten Ausnahmezustand im Land aufzuheben,
ohne jedoch einen Termin dafür zu benennen, und "freie und faire Wahlen" im September zu garantieren, wie
Mubarak dargelegt hatte.

Doch, als eine Art Warnung an die Demonstranten, die seit 18 Tagen Mubaraks Rücktritt nach 30 Jahren an der
Macht forderten, forderte das Militär, sie sollten nach Hause gehen und zur Arbeit zurückkehren. Diese
Entscheidungen des Obersten Militärrats wurden im Fernsehen bekannt gegeben, gut eine Stunde vor den ersten
Hinweisen, daß Mubarak eine wichtige Erklärung abgeben wurde. Die US-Theorie eines bodenständigen Putsches
mußte demnach erklären, warum die ägyptischen Generale, wenn sie sich in der Nacht vom Donnerstag auf
Freitag gegen Mubarak entschieden hatten, am Freitagmorgen zusammenkamen, um ihre weitere Unterstützung
für den amtierenden Präsidenten öffentlich zu verkünden.

Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die ägyptischen Generale, einschließlich der CIA-Marionetten, genauso
überrascht waren wie die übrige Welt, als Mubarak seinen Rücktritt bekanntgab. Das Militär hatte sich als nicht in
der Lage erwiesen, diese Entscheidung zu erzwingen. Also muß es eine Kraft von außen gegeben haben, die
unmittelbar auf Mubarak einwirkte und ihn dazu brachte, von sich aus seinen Rücktritt anzubieten. Angesichts der
gegenwärtigen Weltlage kann diese Kraft nur Amerika gewesen sein, allenfalls mit ein wenig britischer Hilfe ...

DIE WIRKLICHKEIT: US-DROHUNGEN GEGEN MUBARAK...

Die Frage "Wie konnte das Obama-Regime Mubarak unter Druck gesetzt haben?" beinhaltet bereits die Antwort.
Angesichts von Obamas wütender Reaktion ist vorstellbar, daß die gesamte Palette von CIA und anderen
Ressourcen gegen den ägyptischen Präsidenten und seine Familie, einschließlich seiner Frau Suzanne, seiner
Söhne Gamal und Alaa, seiner Enkelin und anderer Verwandter im In- und Ausland in Gang gesetzt wurde. Man
braucht nur an die endlosen Möglichkeiten von Mord, Folter, Entführung, Auslieferung, Strafverfolgung,
Beschlagnahme von Vermögen und so weiter zu denken. "Al Qaida" konnte einen Kontrakt auf die Mubaraks
abgeschlossen haben usw. usf. Tatsachlich kann man mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen, daß einige
oder gar alle dieser Drohungen ausgesprochen oder angedeutet wurden. Es könnte jedoch auch andere
Drohungen gegeben haben, die mit größerer Eloquenz vorgetragen wurden, um solch einen stolzen, alten,
nationalistischen Autokraten und Patriarchen wie Mubarak zu überzeugen. Die offensichtlichste Drohung, auf die
einiges hindeutet, wäre ein amerikanisches Vorgehen gegen den Suezkanal, einen der größten Reichtümer
Ägyptens.


HINWEISE AUF US-DROHUNG GEGEN DEN SUEZKANAL.

An der imperialistischen Mentalität hat sich seit 1956, als der britische Premierminister Anthony Eden schon beim
bloßen Anblick von Oberst Amal ad-el Nasser rasend wurde, nicht viel geändert. Nasser, der unerschrockene
Führer Ägyptens, hatte England und Frankreich zum Trotz den Suezkanal verstaatlicht. Aus imperialistischer
Sicht bietet Nordafrika zwei wichtige Reichtümer: das Öl in Algerien und Libyen und vor allem den Suezkanal,
einen der klassischen Marine-Engpässe der Welt, durch den heute über acht Prozent des gesamten Seehandels der
Welt laufen. Die Angloamerikaner wissen genau, welche ungeheuren Probleme es Ländern wie Iran, China oder
Rußland bereiten wurde, wenn die alte imperialistische Aufsicht über Suez wiederhergestellt wird. Ließe sich ein
Vorwand dafür finden, chinesischen Schiffen die Durchfahrt durch den Suezkanal zu verweigern, so wäre der
gesamte chinesische Europahandel schwer beeinträchtigt. Um jedoch den Zugriff auf Suez politisch zu
ermöglichen, müßte Ägypten ins Chaos gestürzt werden. Dies konnte tatsächlich einer der Beweggründe für den
derzeitigen Vorgang sein. Wenn Nationalstaaten zusammenbrechen, hat das Empire freie Bahn, einzuschreiten
und sich zu bedienen

Auf jeden Fall ist die Destabilisierung Ägyptens von Anfang 2011 schon jetzt von Drohgebärden gegen den
Suezkanal begleitet. Mubarak war kaum aus dem Amt, da wetterte Israels Außenminister Avigdor Lieberman
bereits über die nicht hinnehmbare Gefahr für sein Land wegen der angeblich unmittelbar bevorstehenden
Durchfahrt von zwei iranischen Kriegsschiffen durch den Suezkanal; es schien fast so, als drohe er wegen dieses
Vorfalls mit Krieg. In einem Bericht heißt es: "Israels Außenminister behauptete am Mittwoch, zum ersten Mal
seit Jahren wolle der Iran zwei Kriegsschiffe durch den Suezkanal schicken, er bezeichnete dies als 'Provokation',
lieferte jedoch keine Beweise. Die ägyptische Kanalverwaltung bestritt diese Meldung. Nach Aussage von Israels
Außenminister Avigdor Lieberman wurden die Schiffe am Donnerstag auf dem Weg nach Syrien den Kanal
passieren. Er lieferte keinen Beweis und nannte seine Quellen nicht. 'Dies ist eine Provokation, die beweist, daß
die anmaßende Überheblichkeit des Iran zunimmt', lies er in einer Erklärung verlauten. Die ägyptische
Kanalverwaltung bestritt den Vorwurf."

Liebermans Wortschwall kannte keine Grenzen: "Dies geschieht nach dem Besuch des iranischen Präsidenten im
Südlibanon und den aggressiven Erklärungen, die er dort gegenüber Israel abgegeben hat." In Washington war
man nur allzu bereit, diese Angelegenheit sehr ernst zu nehmen: Der Sprecher des US-Außenministeriums, P. J.
Crowley, erklärte: "Wir werden beobachten, was sie [die angeblichen iranischen Kriegsschiffe] tun." Crowley
bestätigte, daß er über dieselben Schiffe spreche, die den israelischen Außenminister so in Rage gebracht hatten.


5. FEBRUAR: BOMBENANSCHLAG GEGEN ÄGYPTISCH-ISRAELISCH-JORDANISCHE
ERDGAS-PIPELINE; AL QAIDA BESCHULDIGT.

Die Frage des Suezkanals und seiner Sicherheit war in den vergangenen Wochen, wahrend der Krise in Ägypten,
wiederholt aufgeworfen worden. Erstmals kam das Problem in der ersten Februarwoche auf, als ein
Bombenanschlag auf die Erdgaspipeline auf der Sinai-Halbinsel verübt wurde, über die Erdgas von Ägypten nach
Israel und Jordanien transportiert wird. Schon sehr bald wurden angebliche Terroristen für den Anschlag
verantwortlich gemacht, namentlich die Hamas und ein Zweig von al Qaida. Die Website Debkafile, die in dem
Ruf steht, die Sicht der israelischen Geheimdienst-Community wiederzugeben, hatte Folgendes zu sagen:
"Geheimdienstliche Erkenntnisse, die Israel erreicht haben, besagen, daß Hamas plant, auf den Anschlag gegen die
ägyptisch-israelisch-jordanische Pipeline vom Samstag, den 5. Februar, weitere umfangreichere Operationen
gegen Israel folgen zu lassen, wobei der ägyptische Sinai als Ausgangpunkt dienen soll. Seit Beginn der Unruhen
in Ägypten vor zwei Wochen sind über 1.000 bewaffnete Hamas-Kämpfer aus dem Gazastreifen in den Nord-
Sinai eingesickert und haben die Kontrolle über das Gebiet an sich gerissen.

Hamas hat im Nord-Sinai ein Kommandozentrum eingerichtet, über welches ihre Operationen mit der
Muslimbruderschaft in Kairo koordiniert werden soll. Wie Debkafiles militärische Quellen berichten, haben Hamas
und Mumtaz Durmush, der Chef von Jaish al-Islam (Die Armee des Islam), die mit al Qaida in Verbindung steht,
sich darauf geeinigt, daß die Hamas die Islamisten auf den Sinai verlegt und sie mit Waffen und Sprengstoff für
Angriffe auf israelische Patrouillen entlang der Grenze zu Ägypten und dort eingesetzte ägyptische
Sicherheitskräfte versorgt. Eine weitere Website kommentierte die strategische Bedeutung dieser Gaspipeline:

"Am 5. Februar unterbrach eine Explosion die Lieferung über eine Gaspipeline in der Sinai-Region. Über die
Pipeline wird Erdgas nach Israel und Jordanien transportiert. Ursprünglich bezeichneten staatliche Vertreter die
Explosion als Unfall; neue Erkenntnisse deuten jedoch auf einen geplanten Terroranschlag hin. Die
diensthabenden Wachen, die die Pipeline schützen, behaupten jetzt, sie seien von vier maskierten Bewaffneten
bedroht worden, die Sprengstoff per Fernsteuerung zur Explosion gebracht und dadurch absichtlich die
Gaslieferungen an die Nachbarländer Ägyptens unterbrochen hatten. Die Stromversorgung in Israel ist zu über 50
Prozent abhängig von Erdgas aus Ägypten, Jordanien hat als Reaktion auf den Ausfall einstweilen die Kraftwerke
auf den Betrieb mit Diesel und Ölreserven umgestellt. Wie ägyptische Stellen versichern, wird die Gaspipeline
umgehend instand gesetzt und innerhalb einer Woche wieder in Betrieb genommen. Die Auswirkungen der
Unruhen in Ägypten auf die Sicherheit sind schwerwiegend, insbesondere im Lichte dieses Terroranschlags."

Wir können uns bereits die Schlagzeilen vorstellen: "Obama befiehlt Marines die Beschlagnahme des Suezkanals,
verhindert Übernahme der wichtigsten Wasserstraße der Welt durch al Qaida". Eine großartige Strategie für die
nächsten Vorwahlen, denkt Obama vielleicht


KEARSARGE-EINSATZKOMMANDO IM SUEZKANAL BEIM GROSSEN BITTERSEE.

Konkret zeigte sich, daß die USA tatsächlich in der Lage waren, gegen den Suezkanal vorzugehen, am Einsatz
einer Eingreiftruppe um die USS-Kearsarge, die offiziell so dargestellt wurde, als diene sie der möglichen
Evakuierung amerikanischer Staatsbürger, sollte sich die politische Lage in Ägypten weiter verschlechtern. In
einem Bericht heißt es: "Die Marine Expeditionary Strike Group der USS-Kearsarge hat die Fahrt in den
Suezkanal beschleunigt, sie liegt jetzt im Großen Bittersee im Suezkanal nahe Ismailia in Ägypten. Dies deutet
darauf hin, daß ihre Aufgabe darin besteht, Marines und Ausrüstung für eine Landung und den Einsatz an Land zu
transportieren. Die wichtigsten Aufgaben der USS-Kearsarge sind Einsatz, Landung und Unterstutzung von
Marine-Eingreiftruppen an jedem Ort der Welt. Zur Ausrüstung der USS-Kearsarge gehört das schiffgestützte
NATO-Raketenabwehrsytem Sea Sparrow, das Nahbereichsverteidigungssystem Rolling Airframe Missle (RAM)
sowie Abwehrsysteme gegen Marschflugkörper, Flugzeuge und Schiffe. An Bord der USS-Kersarge befinden sich
Panzer, Lastwagen, Artillerie und der gesamte logistische Unterstützungsapparat für einen Angriff. Es fragt sich,
welche Intention US-Regierung und -Militär verfolgen, wenn nun Tausende Marines vor der Küste stationiert sind
und jeden Moment eine Landungsoperation durchführen könnten... Handelt es sich um einen Kampfeinsatz? Oder
ist es ein ziviler Einsatz, um im Notfall bestimmte Leute herauszuholen und zu evakuieren?" Mindestens ein
Flugzeugträger, die USS-Enterprise, war während der gesamten Krise in der Nähe stationiert.

Am 11. Februar legten andere Berichte die Vermutung nahe, daß israelische Kräfte gleichzeitig mit dem
amerikanischen Vorgehen planten, die Belagerungsposten im sogenannten Philadelphia-Korridor auf dem Sinai,
zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten, wieder einzurichten: "Ägyptische Medienquellen bestätigen Berichte
israelischer Geheimdienststellen, wonach die USA einen Teil der Marineeinheiten der Fünften Flotte näher an den
Suezkanal verlegt haben. Man befürchte, daß die Lage in Ägypten außer Kontrolle geraten und die Schiffahrt auf
dem Kanal bedrohen könnte. Wie die ägyptische Zeitung Al Masri Al Yawm berichtet, gehören zu den
Marineeinheiten auch 850 US-Marines. Sie haben in der Nahe von Ismailia Position bezogen, was ihnen leichten
Zugang zum ägyptischen Festland und zur Sinai-Halbinsel gewährt. Die Zeitung zitierte israelische Quellen
bezüglich dieses Einsatzes, der nach der Erklärung von Vizepräsident Omer Suleiman, Ägypten habe die Wahl
zwischen Putsch und Dialog, erfolgt ist.

Al Masri Al Yawm bezog sich auch auf einen jüngst in der israelischen Zeitung Yedioth Ahronoth veröffentlichten
Bericht, in welchem Offiziere der "Israel Defence Forces" im Falle des völligen Zusammenbruchs des Mubarak-
Regimes für die Wiederbesetzung des Philadelphia-Korridors zwischen Ägypten und dem Gazastreifen plädieren.
Für den italienischen Kommentator Bernardino Ferroro war die Schlußfolgerung klar: "Mubarak wird gehen,
doch die USA bleiben in Suez."


SZENARIO VON CHAOS UND KONFUSION WIE 1956.

Als die Engländer und Franzosen 1956 den Suezkanal von Nasser wieder übernommen hatten, begründeten sie
dies vornehmlich mit dem Propaganda-Argument, die rückständigen Ägypter seien nicht in der Lage, ein so
kompliziertes Unternehmen wie die "Suez Canal Authority" (Suezkanalbehörde) zu handhaben(!). Deshalb hatten
die europäischen Kolonialherren im Interesse der Welt die Kontrolle wieder übernehmen müssen. Das war
natürlich blanker Unsinn, doch es ist gut möglich, daß wir solche "Argumente" schon bald wieder zu hören
bekommen...

Ein Vorwand, den die Neoimperialisten ins Feld führen könnten, war ein Sitzstreik der Beschäftigten am
Suezkanal selbst, den Bloomberg News am 8. Februar meldete. Die Kanalgebühren wurden nicht kassiert, und die
übliche Wartung, die zum Erhalt des Kanals erforderlich ist, unterblieb. Bloomberg berichtete: "Die Schiffahrt auf
dem Suezkanal, über den rund acht Prozent des Weltseehandels laufen, verläuft seit Beginn des Streiks der
Arbeiter am Kanal planmäßig, berichtet die Suezkanalbehörde. Die Beschäftigten der Suez Canal Co. begannen
heute mit einem Sitzstreik, wie Al Ahram in der heutigen Online-Ausgabe berichtete, ohne die Quelle für diese
Information zu benennen. Die 6.000 Arbeiter stammen aus Suez, Port Said und Ismailia, so Al Ahram... Der
Kanal hat eine Kapazität von 2,2 Millionen Barrel Öl pro Tag, die der benachbarten Suez-Mittelmeer-Pipeline
beträgt laut 'Goldman Sachs Group Inc.' 2,3 Millionen."

Wenige Tage später kam es bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei am Kanal zu einer
Schießerei: "Ismailia, Ägypten: Ägyptische Demonstranten in der Stadt El-Arish auf dem Nord-Sinai lieferten sich
nach Augenzeugenberichten im Rahmen der landesweiten Proteste am Freitag einen Schußwechsel mit der Polizei,
sie schleuderten Molotowcocktails gegen eine Polizeiwache. Ungefahr 1.000 Demonstranten lösten sich aus einer
größeren Gruppe, rannten in Richtung Polizeiwache, warfen Brandsätze und setzten Polizeifahrzeuge in Brand,
berichteten Zeugen." Wir sollten auch nicht vergessen, daß das Jahr 2011 in Ägypten mit einem blutigen Anschlag
auf eine koptische Kirche begonnen hat


ISRAEL BEHAUPTET: SINAI-FRONT GESCHWÄCHT.

Inmitten dieser Ereignisse faßte "Debkafile" israelische Presseberichte zusammen, denen zufolge sich die
militärische Führung in Israel nach 30 Jahren Frieden auf der Sinai-Halbinsel unter dem Camp-David-Abkommen
im trügerischen Gefühl der Sicherheit gewogen und die Sinai-Front, so die Wortwahl von "Debka", vernachlässigt
habe:

"32 Jahre Frieden mit Ägypten haben dazu geführt, daß Israel an der 270 Kilometer langen Südgrenze nicht auf
das Unbekannte und Unerwartete vorbereitet ist: Die heutige Generation israelischer Soldaten und Kommandeure
hat keine Erfahrung im Wüstenkampf, ihre Bewaffnung ist auf den Einsatz an der gefährlichsten Front - Iran, die
libanesische Hisbollah und Syrien - ausgerichtet; sie verfügt kaum über geheimdienstliche Erkenntnisse über die
ägyptische Armee und deren Kommandeure und vor allem über die Absichten der neuen Herrscher bezüglich der
künftigen Beziehungen Kairos zu Israel und die Sicherheit der Grenze auf dem Sinai. - Die israelischen
Streitkräfte werden für den Kampf gegen den Iran und in den Bergregionen im Libanon und in Syrien ausgebildet
und ausgerüstet. Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit Ägypten im Jahr 1979 hat Israel die für
den Wüstenkampf ausgebildeten Kampfeinheiten aufgelöst, die zum letzten Mal im Krieg von 1973 zum Einsatz
kamen; die ägyptischen Streitkräfte waren kein Gegenstand militärgeheimdienstlicher Beobachtung mehr. Das
israelische Oberkommando weiß dementsprechend wenig oder nichts über Feldkommandeure, die Einheiten
führen könnten, wenn sie auf dem Sinai eingesetzt wurden." Manches ist hier überzeichnet, doch die Absicht des
Artikels wird deutlich erkennbar.

Franco Macchi faßte diese Teile wie folgt zusammen: "Erstens die Sabotage der Pipeline (ganz im Anfang der
'Revolution' auf dem Tahrir-Platz), zweitens die übertriebene Darstellung auf israelischer Seite, eine
lebenswichtige Energieversorgung sei unterbrochen worden, was zu einem Problem der nationalen Sicherheit
geführt habe; drittens die quasi-militärischen Angriffe auf ägyptische Kasernen und Soldaten auf dem Sinai;
viertens die Gerüchte über eine Revolte der 'unkontrollierbaren' Beduinenstämme auf dem Sinai und fünftens der
Streit der Arbeiter am Suezkanal." Macchis Schlußfolgerung: "Die Gefahr des Szenarios 'Chaos und
Kontrollverlust der ägyptischen Regierung' als glaubwürdiger Vorwand für ein militärisches Eingreifen hängt seit
Beginn der Krise wie ein Damoklesschwert über Ägypten."

Aufgrund der Indizien stellen wir die freche Hypothese auf: Eines der Elemente, die Mubarak zum Rücktritt
bewogen haben, konnte die Drohung der USA (und NATO?) gewesen sein, den Suezkanal ganz oder teilweise zu
beschlagnahmen

Quelle:
Webster G. Torpley und andere böse Buben...

* * * * * *

Anglo-arabische Zusammenarbeit.


Von Beatrix Ullrich

Immer wenn es etwas Spannendes aus den arabischen Ländern zu berichten gibt, taucht ein Name garantiert auf:
Al Jazeera, auch EI Dschasira geschrieben, der Fernsehsender des Emirs von Katar. Am 1. November 1996 nahm
der Sender des kleinen Emirats am Golf unter Mithilfe von 17 früheren BBC-Mitarbeitern seinen Betrieb auf.
Mittlerweile sendet er aus 65 Ländern, wobei sein englischsprachiger Sender angeblich 190 Millionen Menschen
erreicht. Der Besitzer dieses kleinen Informationsimperiums, Scheich "Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah
bin Jassim bin Muhammed Al Thani" (ja, nicht nur Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz
Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg braucht viel Platz im Paß) machte 1971 den Abschluß an der
"Royal Military Academy Sandhurst" im "Vereinigten Königreich", wo übrigens auch Muammar al-Gaddafi
ausgebildet wurde. 1995 setzte er seinen Vater als Emir ab und begann, das Land an die "westliche Lebensweise"
heranzuführen.

Laut WIKIPEDlA ist der Emir "einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Golftegion: Gemeinsam mit
seiner Erstftau (er hat insgesamt 3) Sheikha Mozah bint Nasser al Missned, Soziologin und amtierende
Erziehungsministerin von Katar, gründete er in Doha sechs amerikanische Universitäten mit live übertragenen
Vorlesungen aus den USA."

Der Körner Stadt-Anzeiger schrieb dem Sender "EI Dschasira" am 17. Februar 2011 eine "wichtige Rolle beim
Umsturz in Ägypten" zu.

"Für Ägypten, genauso wie zuvor in Tunesien oder jetzt in Bahrain, Jemen, Kuwait und Jordanien ist der in Katar
ansässige Sender die wichtigste Informationsquelle der Bevölkerung über die dramatischen Ereignisse im eigenen
Land."

Genau - wer will schon wissen, was die eigene Regierung an Propaganda verbreitet. Deren Klarstellungsversuche
gehen im allgemeinen Geschrei und medialem Getöse unter. Jemens Präsident bat den Emir zwar, beim Sender zu
intervenieren, "um die Lage zu beruhigen und um dessen Provokationen, Verdrehung der Fakten und
Übertreibungen" zu unterbinden - jedoch ohne Erfolg.

Der Generaldirektor des Senders, Wadah Khanfar, sprach gar von einem "neuen Ökosystem, das zwischen
herkömmlichen und neuen Medien entstanden sei." Er meinte damit die Anreicherung des Fernsehprogramms mit
privaten Videoaufnahmen aus den Computernetzwerken Youtube und Facebook, die quasi eine Rund-um-die-
Uhr-Berichterstattung trotz Zensurmaßnahmen ermöglichte.

Revolutionen Live sozusagen.

*

Quelle: Der freie Mensch, 3-4/2011, ePost: info(A)wk-institut.de
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Abgeschlossen am 19. April 2011.
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