W I D E R H A L L - Nr. 61
O S T E R N / A p r i l ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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1. Es bleibt ungemütlich - weltweit.
2. Angriff auf den Dollar.
- -China läutet des Ende des "Greenback" ein.
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Michael Nier

Es bleibt ungemütlich - weltweit.


Gerade jetzt erreicht uns der nächste Schub der internationalen Finanzkrise. Die monströsen
Verschuldungen von Staaten, Regionen und Kommunen werden reif. Schon werden neue Schulden zur
Zahlung der Zinsen für die alten Schulden aufgenommen. Irland und Portugal drucken Geld für ihre
Banken. Man nennt das vornehm "Emergency Liquidity Assistance" (ELA). Es handelt sich um
zeitweilige Geldschöpfungen im Krisenfall. Die Bundesbank hatte 2008 zur Rettung der Hypo Real
Estate 35 Mrd. Euro bereitgestellt, es also als erste getan. Axel Weber flüchtete nun aus dem Amt als
Präsident der Bundesbank, weil er die Rettung des Euro, d.h. der hochverschuldeten Banken, um den
Preis einer galoppierenden Inflation nicht akzeptieren wollte. Sehr vernünftig. Man spricht vom
"Weberaufstand". Bisher hat er aber alles mitgemacht. Das wird vergessen. So kann man später saubere
Hände vorweisen. Die Staatsverschuldung im Euro-Raum wird unermeßlich steigen und auch wir
werden für unsere Staatsanleihen vom AAA-Rating irgendwann herunterfallen. Dann werden Schulden
echt teuer. Wir können uns auf wachsende Inflation einstellen. Sie hat die Ladentheken schon erreicht.
Kaufte ich vor vier Jahren meinen Parmesankäse zum Preis von 12,99 Euro pro Kilo, so zahle ich
gegenwärtig beim Billiganbieter 17,99 Euro. Und so wird es weitergehen. Die Kombination von
Mißernten und Spekulation (plus E10-Benzin aus Getreide und Zuckerrüben - KHH.) mit
Nahrungsmitteln führt weltweit zu Preisschüben.

In Ländern, wo die Leute über 80 % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, führt eine
Inflation der Lebensmittelpreise zu Revolten und Revolutionen. Im Nahen Osten war das der Auslöser
für Demonstrationen gegen festgefügte Despotien, die im Interesse des Westens mit Überwachung,
Folter und Mord herrschten. Die USA versuchen ihre Positionen jetzt durch Militärdiktaturen mit
demokratischem Klimbim und geheimdienstlich gesteuerten Organisationen der "Zivilgesellschaft" zu
sichern. Sie können und wollen aber die ökonomischen Realitäten in den Ländern nicht verändern. Die
Reichen geben auch in diesen Ländern ungern was ab. Die wirtschaftliche Unterentwicklung bleibt. Die
Überbevölkerung mit jungen Gebildeten und Ungebildeten bleibt. Nach einer kurzen Phase der
demokratischen Illusion wird eine maßlose Enttäuschung ausbrechen. Ein Teil der Jugend des Maghreb
und der Levante wird versuchen nach Europa durchzubrechen. Die anderen werden Bürgerkriege
durchkämpfen müssen. Ein Blutbad droht.

Zbigniew Brzezinski hat Ende 2010 vor dem "Council on Foreign Relation" über ein weltweites
politisches Erwachen der Massen gesprochen und festgestellt, daß es früher leichter möglich war, eine
Million Menschen zu beherrschen, als eine Million zu töten. Heute wäre es leichter möglich, eine
Million Menschen zu töten, als eine Million zu beherrschen. Er sieht in den 80 bis 130 Millionen
Hochschulstudenten des arabischen Raums "auf der Lauer liegende Revolutionäre". Die ganzen
muslimischen Länder repräsentieren ein Potential von jungen Kriegern. Das Kriegeralter ist gemeinhin
zwischen 15 bis 25 Jahren.

Afghanistan und Pakistan mit 215 Millionen Einwohnern hatten 2010 42 Millionen Jungens unter 15
Jahren, davon 25 Millionen als zweite bis vierte Brüder ("Die Welt", 19.1.2011, S. 2). Die westlichen
Invasoren schicken in der Regel den einzigen Sohn in den Afghanistankrieg und in die anderen
Globalisierungskriege. Kämpfen die Moslems gegen den Westen, schicken sie also ihren männlichen
Bevölkerungsüberschuß. Der Westen hat keinen mehr. Auch Israel hat keinen Überschuß an Jugend
und die Ultraorthodoxen fassen keine Waffe an. Deshalb auch die Konstruktion von autonom
operierenden Kampfmaschinen, beispielsweise Kampfdrohnen. In Europa gibt es schon 50 Millionen
Muslime. Auch sie haben einen Überschuß an jungen Leuten, von denen viele in den Gesellschaften
des Westens chancenlos sind.

Die Ereignisse in Tunesien, Ägypten, Algerien, Jemen und anderswo im Nahen Osten sind nur Signale
aus tiefer liegenden weltgeschichtlichen Verschiebungen der Kräfte.

(Die Front der "Wutbürger" formiert sich - in Deutschland
erst langsam. Irgendwann werden die Bürger aber "nicht
mehr bereit sein, ihr Nationaleigentum abzugeben".)

Es gibt viele dramatische Zustände auf der Welt, die sich in der Entladungsphase befinden. Ich nenne
auswählend nur drei davon.

- Die USA und Großbritannien haben sich entindustrialisiert. Spötter sagen, Wal Mart und Wall Street
haben die USA zerstört. Der imperiale Anspruch der USA, dem sich GB anschmiegt, ist noch da. Die
Mittel sind die US-Militärmaschine, die Geheimdienste, die Hegemonie über die Massenkultur und die
Abhängigkeit der politischen Kasten der Länder des Westens und der arabischen Despotien. Doch
China und Indien, aber auch die Staaten Lateinamerikas streben auf und bieten Paroli. China stellt sich
dem Krieg aus dem Weltraum und dem Cyberwar, dem Krieg über die Computernetze. Die USA sind
die verzweifelnde "einzige Weltmacht". Sie wollen das Schwinden ihrer Hegemonie nicht wahrhaben
und kämpfen dagegen an.

- Der Kapitalismus ist in seiner finanzimperialistischen Phase. Nach alten Theorien dürfte dies die
letzte und höchste Phase sein. Danach kommt der wirtschaftliche Kollaps. Der kommt deshalb, weil
alle Volkswirtschaften von der Finanzbranche über verschiedene Verschuldungsstrategien ausgeräumt
werden und sich die Eigentumstitel in immer weniger Händen der Ultrareichen und ihrer Helfer in den
Investmentbanken konzentrieren. Irgendwann ist der Zustand erreicht, daß die Völker in aller Welt
nicht mehr bereit sind, ihr Nationaleigentum abzugeben und für Schuldzahlungen ein erbärmliches
Leben zu führen.

- Die Macht in den Ländern des Westens und der Länder, deren Regierungen von der Gunst des
Westens abhängig sind, liegt in den Händen der Finanzbranche. Es ist weltweit gelungen, Unternehmen
als hochverschuldete Gebilde zu strukturieren, die auf den leisesten Pfiff aus der Finanzbranche
reagieren müssen. Sie sind nicht mehr Teil der Volkswirtschaft, sondern der internationalen
Finanzwirtschaft. Auch in Deutschland. Manfred Gburek hat in der Online-Ausgabe der
Wirtschaftswoche in seiner Reihe "Geldgeklimper" am 3.2.2011 geschrieben: "Anleger sind gut
beraten, diese Überlegungen bereits während der aktuellen Aktieneuphorie in Betracht zu ziehen, zumal
gerade deutsche Unternehmen besonders hohe Fremdkapitalanteile aufweisen. So haben Auswertungen
durch die Osiris-Datenbank und die Unternehmensberatung McKinsey auf Basis der Daten aus dem
Jahr 2009 ergeben, daß das Fremdkapital in der deutschen Autoindustrie mit 83 Prozent vom
Gesamtkapital zu Buche schlägt, in der Energieversorgung mit 78 und im Handel mit 75 Prozent. In
der Telekommunikation mit 72 und im Maschinenbau mit 70 Prozent Fremdkapitalanteil sind deutsche
Unternehmen international gesehen sogar am höchsten verschuldet." 58 % der Aktien der DAX-
Unternehmen befinden sich übrigens in ausländischem Besitz! Bei solchen Eigentumsverhältnissen in
deutschen Schlüsselindustrien brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn unsere Nationalinteressen
keine Rolle mehr spielen.

Wenn CDU/CSU und FDP sich weigern, ein Lobbyisten-Register aufzustellen, bedeutet das, daß die
Steuerung der Regierung über die im ausländischen Eigentum befindlichen Konzerne ebenfalls nicht
aufgedeckt werden darf. Die Deutschen sind in vieler Hinsicht nicht mehr Herr im eigenen nationalen
Hause. Die Jugend in Deutschland erlebt das als Generation Praktikum oder Generation Chancenlos.
Da scheint es ein Glück für die Oberschichten, daß es auch eine Generation Doof geben soll.
Gefährlich wird es, wenn die Generation "Doof" zur Generation "Wütend" wird. In Ägypten ist das
ganz schnell passiert.

* * *

Quelle: Euro-Kurier, Tübingen: Grabert-Verlag, März 2011, S. 2 - 3

* * * * * *

Zum Thema "Lüge" hat die Zeitung "Handelsblatt" in ihrer
Ausgabe vom 12. Januar 2011 die Thesen, die Andreas Argens
in seinem neuen Buch "Lügen bis zum Untergang - Münchhausens
Finanzkartenhaus" aufgestellt hat, bestätigt: Das Münchhausen-
Prinzip existiert tatsächlich und hat möglicherweise sogar
"Zukunft" - jedenfalls verheerende Nebenwirkungen.

Andreas Argens
"Lügen bis zum Untergang"
368 S., Ln., Abb., 19.80 Euro
Beim Grabert-Verlag, Pf. 1629, D-72006 Tübingen: Best.-Nr. 200 222.

Ohne daß der Bürger es merken soll, hat die reale Wirtschaft immer weniger Einfluß auf die Bilanzen
der Banken, die Fitneß der Staaten und die Gesundheit unserer Währungen. Am Casino der
Finanzmärkte, wo die letzte Krise durch Gier und Betrug ausgelöst wurde, geht es, durch billiges
Papiergeld angetrieben, fast unkontrolliert in immer astronomischeren Summen um das Schicksal
ganzer Länder. Die Stunde der globalen Abrechnung rückt immer näher.

* * * * * *

Angriff auf den Dollar.
China läutet das Ende des "Greenback" ein.


Die größten Wahrheiten, wußte Nietzsche, kommen auf
Taubenfüßen daher. Es wundert deshalb auch nicht,
daß man über eine der wichtigsten Weichenstellungen
auf dem internationalen Finanzparkett zumindest den
hiesigen "Qualitätsmedien" nichts zu entnehmen war.

Die Rede ist von der Ankündigung der Pekinger Notenbank, der zufolge der gesamte chinesische
Außenhandel noch im laufenden Jahr in der eigenen Währung Yuan abgewickelt werden kann. Diese
Ankündigung ist nichts weniger als der lange erwartete Frontalangriff der Chinesen gegen die weltweite
Vormacht des Dollars.

Finanzexperten hatten die chinesische Maßnahme schon länger erwartet, doch nun brachte die Politik
der US-Notenbank FED, die weltweiten Finanzmärkte mit Milliarden frischer Dollars zu fluten, das
Faß zum Überlaufen. Für alle Länder, die den Dollar als Reservewährung nutzen, ist das Anwerfen der
amerikanischen Notenpresse die reine Katastrophe. Das Reich der Mitte zog jetzt die Notbremse und
schickt sich an, kurzerhand aus dem Dollar auszusteigen. Mehr noch: durch die Ankündigung der freien
Konvertierbarkeit des Yuan soll die chinesische Währung ihrerseits in die Rolle einer Welt-
Reservewährung versetzt werden - und dem Dollar ihren Rang streitig machen.

Die chinesische Zentralbank teilte Anfang März lapidar mit: "Die Marktnachfrage nach einer
grenzüberschreitenden Verwendung des Yuan steigt." Das ist freilich nur die halbe Wahrheit, denn die
Pekinger Regierung selbst hat diese Nachfrage kräftig angekurbelt: in 20 Provinzen wurde insgesamt
67.000 chinesischen Unternehmen schon im letzten Jahr erlaubt, ihre Auslandsgeschäfte testweise statt
in Dollar auch in Yuan abzuwickeln. Das Handeisvolumen dabei belief sich auf rund 56 Milliarden
Euro.

Es gibt aber noch weitere Vorteile - nicht nur für Peking: werden die steigenden Ölpreise auf den
internationalen Märkten nicht mehr in Dollar abgewickelt, würde die Preisexplosion weit weniger stark
auf die Verbraucher durchschlagen. Im übrigen sind in den letzten Monaten auch andere Länder dazu
übergegangen, sich von der Dollar-Abrechnung unabhängig zu machen. Indien und der Iran
beispielsweise begleichen ihre Ölrechnungen seit kurzem in Gold - auch das eine eindeutige
Fluchtbewegung aus dem strauchelnden US-Dollar.

Der Niedergang der US-Währung dürfte sich nun beschleunigen. Denn mit dem chinesischen Yuan
steht demnächst eine Welt-Reservewährung zur Verfügung, hinter der eine große und aufstrebende
Volkswirtschaft steht. Und ein Ende des chinesischen Booms ist nicht abzusehen - während die ersten
US-Bundesstaaten auf den Bankrott zustolpern.

Das wird spannend. Auch für uns Europäer. Es gibt keinen Grund, dem torkelnden US-Imperium auch
nur eine Träne nachzuweinen.

Anton Vergeiner

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Quelle: Deutsche Stimme, Postf. 100068, D-01571 Riesa
ePost: redaktion(A)ds-verlag.de
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Abgeschlossen am 6. April 2011.
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