W I D E R H A L L - Nr. 62
P F I N G S T E N ~ M a i / J u n i ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
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»Unser Mann in Tripolis«:
Von den USA und der NATO unterstützte islamische Terroristen
schließen sich der libyschen "Demokratiebewegung" an.


Von Prof. Michel Chossudovsky

Begriffe und Konzepte werden auf den Kopf gestellt: Die Militärallianz aus USA und NATO
unterstützt eine Rebellion, an der auch islamische Terroristen beteiligt sind, und das im Namen des
»Kriegs gegen den Terrorismus«.

Die libysche Opposition besteht aus sehr heterogenen Gruppierungen: Royalisten, Abtrünnige des
Gaddafi-Regimes - darunter der frühere Justizminister und erst kürzlich Außenminister Mussa Kussa,
Angehörige der libyschen Streitkräfte, der Nationalen Front für die Rettung Libyens (NFSL) und der
Nationalen Konferenz für die libysche Opposition (NCLO), die als eine Art Dachorganisation agiert.

Kaum von westlichen Medien wahrgenommen wird, dass auch die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-
Muqatilah bi-Libya (Libysche Islamische Kampfgruppe, LIFG) integraler Bestandteil der libyschen
Opposition ist.

Der Libysche Übergangsrat stellt kein klar definiertes Gebilde dar. Er setzt sich aus Repräsentanten der
neu geschaffenen Ortsräte zusammen, die eingerichtet wurden, um das "alltägliche Leben in den
befreiten Städten und Dörfern zu organisieren". (Der Libysche Übergangsrat im Internet unter: The
Council’s statement)

Die Kampfgruppen der Opposition bestehen zum größten Teil aus nichtausgebildeten zivilen Milizen,
ehemaligen Angehörigen der libyschen Streitkräften und der gut ausgebildeten Libyschen Islamischen
Kampfgruppe (LIFG). Die LIFG ist mit Al-Kaida verbündet und steht im bewaffneten Aufstand an
vorderster Front.

*

Das Al-Kaida-Netzwerk als Werkzeug der Intervention durch USA und NATO.

Sowohl die LIFG als ganze, sowie auch ihre einzelnen Mitglieder werden vom UN-Sicherheitsrat als
Terroristen eingestuft. Aus dem amerikanischen Finanzministerium heißt es: "Die Libysche Islamische
Kampfgruppe bedroht durch ihren Einsatz von Gewalt und ihr ideologisches Bündnis mit Al-Kaida
und anderen brutalen Terrororganisationen die weltweite Sicherheit und Stabilität." (Treasury
Designates UK-Based Individuals, Entities Financing Al Qaida -Affiliated Libyan Islamic Fighting
Group - US Fed News Service, 8. Februar 2006)

Begriffe und Konzepte werden auf den Kopf gestellt. Sowohl Washington als auch die NATO, die
behaupten, einen »Krieg gegen den Terrorismus« zu führen, unterstützen eine Demokratiebewegung,
der auch Mitglieder einer Terrororganisation angehören. Es ist schon eine bittere Ironie, Washington
und die Atlantische Allianz verstoßen gegen ihre eigenen Antiterrorgesetze und -Bestimmungen.

Darüber hinaus erfolgt die Unterstützung der Oppositionskräfte, zu der auch Terroristen gehören, im
Rahmen der Doktrin "Schutzverpflichtung" (R2P, "Responsibility to Protect") im Rahmen der
Umsetzung der Resolution des UN-Sicherheitsrats 1973, was wiederum eine krasse Verletzung der
UN-Sicherheitsrats-Resolution 1267 darstellt, in der die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-Muqatilah bi-
Libya (LIFG) als Terror-Organisation eingestuft wird. Der UN-Sicherheitsrat verstößt damit nicht nur
gegen die UN-Charta, sondern auch gegen seine eigenen Resolutionen (The Al-Qaida and Taliban
Sanctions Committee - 1267).

Es ist ausreichend dokumentiert, dass der "Islamische Dschihad" seit Beginn des sowjetisch-
afghanischen Krieges verdeckt von der CIA unterstützt wurde (siehe dazu: Michel Chossudovsky,
America's »War on Terrorism«, Global Research, Montreal, 2005). Der amerikanische Geheimdienst
Central Intelligence Agency (CIA) benutzte dazu den pakistanischen Militärgeheimdienst Inter -
Service Intelligence (ISI), der eine Schlüsselrolle bei der militärischen Ausbildung der Mudschaheddin
spielte. Im Gegenzug wurde in die von der CIA unterstützten Guerilla-Ausbildung auch die Lehren des
Islam eingebunden:

"Im März 1985 unterzeichnete Präsident Reagan die National Security Decision Directive 166, [in
der] verstärkte militärische Unterstützung für die Mudschaheddin genehmigt wurde. Darüber hinaus
wurde deutlich gemacht, dass der geheime afghanische Krieg ein neues Ziel verfolgte: Die
sowjetischen Truppen in Afghanistan sollten mit Hilfe verdeckter Operationen besiegt und zum Abzug
gedrängt werden. Die neue verdeckte amerikanische Hilfe begann mit einem dramatischen Anstieg der
Waffenlieferungen - bis zum Jahre 1987 stiegen die Lieferungen auf schließlich 65.000 Tonnen
jährlich an, sowie einen 'unaufhörlichen Strom' von Spezialisten der CIA und des Pentagons, die
über die Hauptstraße in der Nähe der pakistanischen Stadt Rawalpindi in das geheime Hauptquartier
des pakistanischen ISI unterwegs waren... Dort trafen die CIA-Spezialisten mit pakistanischen
Geheimdienstoffizieren zusammen, um mit ihnen gemeinsam Operationen für die afghanischen
Rebellen zu planen." (Steve Coll, in: Washington Post, 19. Juli 1992)

*

Die historischen Wurzeln der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG).

Die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG), die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-Muqatilah bi-Libya,
wurde von libyschen Mudschaheddin-Veteranen des Krieges gegen die Sowjets in Afghanistan
gegründet. Von Anfang an bis zu den frühen und mittleren 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde
die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) von der CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6
verdeckt geführt und benutzt. Seit 1995 war die LIFG aktiv an einem "Islamischen Dschihad" gegen
das säkulare libysche Regime beteiligt, was auch einen Mordanschlag auf Muammar al-Gaddafi 1969
einschloss.

"Der frühere MI-5-Mitarbeiter David Shayler enthüllte, während seiner Arbeit in der Libyen-Abteilung
Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hätten Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes mit der
Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG), die in Verbindung mit einem der engsten Stellvertreter
Osama bin Ladens steht, zusammengearbeitet. Die LIFG wird in England heute als Terrorgruppe
eingestuft." (Gerald A. Perreira, British Intelligence Worked with Al Qaeda to Kill Qaddafi, in: Global
Research, 25. März 2011.)

Auf die Sicherheitskräfte der libyschen Regierung, die Polizei und Militärangehörige wurden
regelmäßig guerillaartige Terrorangriffe durchgeführt:

"Im September 1995 flammten in Bengasi heftige Auseinandersetzungen zwischen Gaddafis
Sicherheitskräften und islamistischen Guerillas auf, wobei beide Seiten Dutzende Tote zu beklagen
hatten. Nach wochenlangen intensiven Kämpfen trat die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) mit
einem Kommuniqué erstmals an die Öffentlichkeit und bezeichnete die Regierung Gaddafi als 'ein
abtrünniges Regime, das gegen den Glauben an den allmächtigen Gott' gefrevelt habe. Auf seinen Sturz
hinzuwirken, sei die 'oberste Pflicht nach dem Gottesvertrauen selbst'. Dieses und weitere
Kommuniqués wurden von libyschen Afghanen herausgegeben, die in England politisches Asyl
erhalten hatten... Die Beteiligung der britischen Regierung an der LIFG-Kampagne gegen Gaddafi
wurde sehr kontrovers diskutiert. Von der nächsten großen Aktion der LIFG, einem gescheiterten
Mordanschlag auf Gaddafi im Februar 1996, bei dem verschiedene seiner Leibwächter getötet worden
waren, wurde später behauptet, sie sei vom britischen Geheimdienst mit 160.000 £ finanziert worden,
berichtete der frühere MI-5-Offizier David Shayler. Shaylers Anschuldigungen wurden zwar noch nicht
von unabhängiger Seite bestätigt, aber es ist klar, dass England es billigend in Kauf nahm, dass die
LIFG auf britischem Territorium ein Zentrum für logistische Unterstützung und das Sammeln von
Spenden einrichtete. Auf jeden Fall scheint die Finanzierung durch bin Laden weitaus größere
Bedeutung zu haben. Einem Bericht zufolge erhielt die LIFG vom saudischen Terrordrahtzieher bis zu
50.000 Dollar für jeden ihrer militanten Kämpfer, die im Kampf getötet wurden." [2005] (Zitiert nach:
Peter Dale Scott, Who are the Libyan Freedom Fighters and Their Patrons?, in: Global Research, März
2011.)

Es gibt widersprüchliche Berichte darüber, ob die LIFG zu Al-Kaida gehört oder als eine unabhängige
dschihadistische Gruppe operiert. Ein Bericht behauptet, die LIFG habe sich 2007 Al-Kaida
angeschlossen und später den Namen Al-Qaida des islamischen Maghreb (AQIM) angenommen.
(Siehe: Webster Tarpley, The CIA’s Libya Rebels: The Same Terrorists who Killed US, NATO Troops
in Iraq, in: Global Research, March 2011)

*

Kontinuität der Geheimdienstoperationen der USA und ihrer Verbündeten: Al-Kaida-Angehörige in
Jugoslawien.

Seitdem sowjetisch-afghanischen Krieg wurde das Al-Kaida-Netzwerk von der CIA für
geheimdienstliche Operationen eingesetzt. Wie ein Dokument des amerikanischen Senats aus dem
Jahre 1997 bestätigt, wurden Al-Kaida-Mitglieder von der Regierung Clinton als Versorgungskanal
dazu benutzt, die bosnisch moslemische Armee Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zu
unterstützen. (Siehe dazu: US Senate, Republican Party Committee, Clinton-Approved Iranian Arms
Transfers Help Turn Bosnia into Militant Islamic Base, 1998)

Wie ausführlich dokumentiert ist, hatte die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), die von der NATO
unterstützt wurde, intensive Verbindungen zu dem islamischen Terrornetzwerk aufgebaut. (US Senate,
Republican Party Committee, The Clinton Administration Sets Course for NATO Intervention in
Kosovo, 1998,; siehe dazu auch: Michel Chossudovsky, America's "War on Terrorism", Global
Research, Montreal, 2005).

In Jugoslawien wurde Al-Kaida im Zusammenhang mit dem "humanitären Krieg" der NATO für
geheimdienstliche Operation benutzt. Terrororganisationen wurden verdeckt unterstützt und finanziert.
Das militärische Eingreifen der NATO erfolgte zur Rettung der UÇK, die von Al-Kaida-Mitgliedern
unterstützt wurde. (Dokumente des Parteivorstandes der Republikanischen Partei der USA zum
Kosovo, op cit):

"Einer der beunruhigendsten Aspekte der derzeitigen [Terror-]Krise [1998 im Kosovo] hängt damit
zusammen, dass sie möglicherweise durch unsere eigene ungeschickte Außenpolitik in Bosnien und im
Kosovo ausgelöst wurde. Entgegen allem gesunden Menschenverstand ertappen wir uns dabei, wie wir
uns für moslemische Gruppen einsetzen, die von den selben islamisch-fundamentalistischen
Terrorgruppen unterstützt werden, die in anderen Teilen der Welt unsere Todfeinde sind." (Oberst
Harry G. Summers, Bringing terrorists to justice, in: Washington Times, 8. Dezember 1998. Oberst
a.D. Harry G. Summers (1932-1999) war Distinguished Fellow am Institut für Strategische Studien des
U.S. Army War College in Carlisle im US-Bundesstaat Pennsylvania)

Ist Operation Odyssey Dawn in Libyen Teil einer geplanten Strategie der USA und der NATO? Wurde
hier ein Aufstand unterstützt, an dem Terroristen beteiligt sind, um damit ein militärisches Eingreifen
aus humanitären Gründen - nämlich um das Leben von Zivilisten zu retten - zu rechtfertigen?

So lautete schon die Rechtfertigung der NATO für das militärische Eingreifen in Bosnien und im
Kosovo. Welche Lehren lassen sich daraus für Libyen ziehen?

*

Der frühere libysche Geheimdienstchef und "Doppelagent" Mussa Kussa läuft in England über!

Die LIFG wurde nicht nur von der CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6, sondern auch von
Fraktionen innerhalb des libyschen Geheimdienstes unterstützt, an dessen Spitze der frühere
Geheimdienstchef und Außenminister Mussa Kussa stand, der Ende März 2011 in Großbritannien
überlief.

Im Oktober 2001 traf der libysche Geheimdienstchef Mussa Kussa mit dem amerikanischen
Staatssekretär im Außenministerium William J. Burns zusammen. Die Begegnung zwischen Mussa
Kussa und Burns waren von entscheidender Bedeutung. An den Treffen nahmen auch hochrangige
Vertreter der CIA und des MI-6 teil, darunter Sir John Scarlett, der damals [Oktober 2001] den
Gemeinsamen Geheimdienstausschuss (JIC) des Kabinetts leitete und direkt Premierminister Tony
Blair Bericht erstattet. Der JIC überwacht im Auftrag der britischen Regierung die Festlegung der
Prioritäten der nachrichtendienstlichen Tätigkeiten von MI-5, MI-6 und des Militärgeheimdienstes.

"Unser Mann in Tripolis" Mussa Kussa sollte als Doppelagent tätig werden. In Geheimtreffen mit Sir
John Scarlett einigte man sich darauf, dass "ein britischer Agent in Tripolis kooperieren könnte".
(Libya defector Moussa Koussa was an MI6 double agent, in: Sunday Express, 3. April 2011)

Die Entwicklung der LIFG zu einer paramilitärischen Dschihadisten-Bewegung sowie ihre
Einbeziehung in Gaddafi feindlich gegenüberstehende oppositionelle Kräfte stehen in einem direkten
Zusammenhang zu der entscheidenden Rolle, die Doppelagent Mussa Kussa beim Aufbau bilateraler
Beziehungen zur CIA und zum MI-6spielte.

In dieser Hinsicht trägt das Überlaufen Mussa Kussas Ende März alle Anzeichen einer sorgfältig
inszenierten Operation. In einer ungewöhnlichen Wendung kam die Absprache mit der britischen
Regierung über die Vermittlung eines früheren Führers der mit Al-Kaida verbundenen Libyschen
Islamischen Kampfgruppe (LIFG) zustande, der heute mit einer Menschenrechtsorganisation in London
zusammenarbeitet:

Noman Benotman, der mit dem Mussa Kussa befreundet ist, erklärte gegenüber der BBC, er habe
mitgeholfen, den Abfall Kussas vom Gaddafi-Regime zu organisieren. Benotman gehörte früher zur
Führung der Libyschen Islamischen Kampfgruppe, arbeitet jetzt aber für die Quilliam-Stiftung, eine
Denkfabrik, die sich kritisch mit Extremismus auseinandersetzt. - Seiner Ansicht nach werde Kussa mit
der britischen Regierung verhandeln und sei, was Informationen angehe, sehr kooperativ. Der BBC-
Journalist Gordon Corera fügte hinzu, die britische Regierung stehe vor einem Dilemma, was die
Behandlung von Kussa wegen dessen Vergangenheit als Chef des libyschen Geheimdienstes angehe.
Benotman schilderte in der Sendung BBC Breakfast, wie er Kussa geholfen habe, auszusteigen und
bemerkte, dass sie früher oft Rivalen gewesen seien. (BBC Breakfast, 1. April 2011.)

Ironischerweise wurde Benotman als Mudschaheddin für den Kampf im sowjetisch-afghanischen Krieg
rekrutiert und gehörte zu den Gründern der LIFG in Afghanistan. Gegenwärtig arbeitet Benotman als
Senior Analyst für die Quilliam-Stiftung, wo er sich vorrangig mit Fragen der Bekämpfung von
Extremismus beschäftigt. Zu seinen derzeitigen Arbeitsgebieten gehört es auch, "zu versuchen,
Gesprächs- und Kontakmöglichkeiten zu aktiven und früheren Extremisten zu eröffnen, und Quilliam
als Forum zu nutzen wo er seine intime Kenntnis über Al-Kaida und andere Dschihadisten-Gruppen
mit einer breiteren Öffentlichkeit teilen kann".

*

Das "Anti-Terror-Programm" der CIA in Libyen.

Die bilateralen Verbindungen zwischen CIA und MI-6 einerseits und dem libyschen Geheimdienst
andererseits verschafften westlichen Geheimdiensten seit Oktober 2001 über ihren proamerikanischen
Ansprechpartner im von Mussa Kussa geleiteten libyschen Geheimdienst unmittelbaren Zugang und
Einflussmöglichkeiten in Libyen. Diese Vereinbarung ermöglichte es westlichen Diensten, den
libyschen Geheimdienst, der von einem MI-6 Doppelagenten gelenkt wurde, erfolgreich zu
unterwandern.

In einem Bericht des amerikanischen Außenministeriums aus dem Jahr 2008 hieß es, die libysche
Regierung "arbeitet bei der Bekämpfung des Terrorismus weiterhin mit den Vereinigten Staaten und
der internationalen Gemeinschaft zusammen... Amerikanische Regierungsvertreter hoffen, die Anti-
Terror-Unterstützung an Libyen im Haushaltsjahr 2010 und 2011 ausweiten zu können " (Siehe dazu:
Christopher M. Blanchard, Libya: Background and U.S. Relations, in: US Congress Research Service,
16. Juli 2010.)

2009 richteten der libysche Geheimdienst und die CIA ein gemeinsames Anti-Terror-Programm ein, in
dessen Rahmen libysche Geheimdienstler eine Antiterrorausbildung durch die CIA erhalten sollten.
Dieses Programm war Teil einer Vereinbarung, die Mussa Kussa mit der CIA ausgehandelt hatte.
Darüber hinaus war (zumindest theoretisch) beabsichtigt, die Libysche Islamische Kampfgruppe
(LIFG) mit Unterstützung von CIA-Mitarbeitern aufzulösen. Hier tritt eine krasse Doppelbödigkeit des
CIA-"Antiterrorprogramms" zu Tage: Die Gründung der LIFG in Afghanistan Anfang bis Mitte der
90er Jahre des letzten Jahrhunderts war ja gerade Teil eines CIA-Projektes gewesen, innerhalb ihres Al-
Kaida-Netzwerkes eine libysche Fraktion aufzubauen.

Ebenfalls 2009 verkündeten die inhaftierten Führer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) in
einer Vereinbarung mit libyschen Sicherheitsbeamten angeblich das Ende ihres bewaffneten Kampfes
gegen das Gaddafi-Regime. (New jihad code threatens al Qaeda, CNN, November 2009.)

Welche Bedeutung hatte das amerikanisch-libysche Anti-Terror-Programm aus Washingtoner Sicht? -
Offiziell diente es dazu, die Namen der LIFG-Mitglieder zu ermitteln und die LIFG als Organisation
aufzulösen. Tatsächlich aber verschaffte die von Amerika geleitete Operation in Libyen, zu der auch
die Ausbildung libyscher Geheimdienstmitarbeiter unter Aufsicht der CIA gehört, dem amerikanischen
Geheimdienst einen bequemen Deckmantel für nachrichtendienstliche Operationen innerhalb Libyens.
Darüber hinaus ermöglicht es die Ausbildungsprogramme CIA, den libyschen Geheimdienst zu
unterwandern und dort vertrauenswürdige Kontakte zu installieren.

Das Anti-Terror-Programm aus dem Jahr 2009 steht in direktem Zusammenhang zu den Aufständen im
März 2011. Es ermöglichte es der CIA, zusammen mit dem britischen Geheimdienst MI-6, die LIFG
schon im Vorfeld des bewaffneten Aufstands vom März 2011 verdeckt zu unterstützen. In den Medien
wird die Ansicht vertreten, die LIFG sei aufgelöst worden (im Rahmen des von der CIA unterstützten
Anti-Terror-Programms). Aber dafür gibt es keine Beweise. Im Gegenteil, die LIFG wird weiterhin in
der am 24. März aktualisierten Terrorliste des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgeführt:
QE.L.11.01. Name: LIBYAN ISLAMIC FIGHTING GROUP
Name (original script): A.k.a.: LIFG F.k.a.: na Address: na Listed on: 6 Oct. 2001 (amended on 5 Mar.
2009.)

Weitere Informationen: Am 21. Juni 2010 erfolgte eine Überprüfung entsprechend Resolution 1822
(2008) des UN-Sicherheitsrates. (Die LIFG erscheint auf Seite 70 des Berichtes) Nach den
Bestimmungen des UN-Sicherheitsrates werden Terror-Organisationen, die sich aufgelöst haben, in
einem entsprechenden Verfahren aus der Liste gestrichen. Die LIFG wurde nicht aus der Liste entfernt.
Consolidated List established and maintained by the 1267 Committee with respect to Al-Qaida, Usama
bin Laden, and the Taliban and other individuals, groups, undertakings and entities associated with
them (Akutaliserte Fassung vom 24. März 2011).

*

Waffenlieferungen und verdeckte Unterstützung für die LIFG-Rebellen.

Es gibt Anzeichen dafür, dass CIA und MI-6 weiterhin die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG),
die derzeit an vorderster Front des bewaffneten Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime kämpft,
verdeckt unterstützen. Der libysche Rebellenführer Hakim al-Hasidi erklärte, Dschihadisten, die gegen
die Soldaten der Allierten im Irak gekämpf hätten, stünden nun im Kampf gegen das Regime
Muammar al-Gaddafis an vorderster Front...

Al-Hasisi pochte darauf, seine Kämpfer "sind Patrioten und gute Moslems, keine Terroristen", fügte
aber hinzu, "Mitglieder von Al-Kaida sind auch gute Moslems und kämpfen gegen die Invasoren".
(Libyan rebel commander admits his fighters have al-Qaeda links, in: Daily Telegraph, 25. März
2011.)

Abdul Hakim al-Hasidi ist einer der Führer der LIFG, die ihre militärische Ausbildung in einem
Guerilla-Lager in Afghanistan erhielten. Er leitet die Sicherheitsabteilung der Oppositionsgruppen in
einer der von den Aufständischen gehaltenen Regionen und kommandiert etwa 1.000 Kämpfer.
(Libyan rebels at pains to distance themselves from extremists, in: The Globe and Mail, 12. März
2011)

Die Koalition aus USA und NATO versorgt die Dschihadisten mit Waffen. Diese Waffen gelangen
über Saudi-Arabien, das geschichtlich gesehen seit Beginn des sowjetisch-afghanischen Krieges
verdeckt Al-Kaida unterstützt hat, an die LIFG. In Verbindung mit Washington und Brüssel versorgen
die Saudis nun die Rebellen mit panzerbrechenden Waffen und Boden-Luft-Raketen.

*

Desinformation der Medien: Islamische Terroristen schließen sich der Demokratiebewegung "als
Privatpersonen" an.

Admiral James Stavridis, Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte in Europa, räumte ein,
amerikanische Geheimdienste hätten ein "Aufflackern" terroristischer Aktivitäten unter den
Rebellengruppen beobachtet. Dies sei "sehr alarmierend". Aber man setze sich nicht mit diesem
"Aufflackern" auseinander. Die LIFG-Kämpfer bilden das Rückgrat des bewaffneten Aufstandes.

In westlichen Medien zeigte man sich ebenfalls besorgt, stellte aber in den Vordergrund, dass es sich
bei den Dschihadisten um "frühere" Mitglieder der LIFG handele, die sich dem bewaffneten Kampf
sozusagen als "Privatpersonen" und nicht als Mitglieder einer Terror-Organisation angeschlossen
hätten. Benotman erklärte in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN:

"'Dutzende frühere LIFG-Kämpfer haben sich jetzt den Bemühungen der Rebellen zum Sturz Gaddafis
angeschlossen', aber, so betonte er, 'sie haben dies als Privatpersonen und nicht Gruppe getan, die
Aktionen organisiert.' Einige westliche Anti-Terror-Experten befürchten, ein langwieriger Bürgerkrieg
in Libyen könnte Al-Kaida Einflussmöglichkeiten und Aktionsraum eröffnen. Die Regierungen und die
Nichtregierungsorganisationen müssen jetzt rasch handeln , erklärte Benotman, 'und in den von den
Rebellen gehaltenen Regionen dabei helfen, ein Bildungswesen, ein Gesundheitswesen und
demokratische Institutionen aufzubauen'." (Paul Cruickshank und Tim Lister, Libyan civil war: An
opening for al Qaeda and jihad?, in: CNN, March 23, 2011.)

Eine mit Al-Kaida in Verbindung stehende Terrororganisation soll die libysche Demokratiebewegung
zu einem Ganzen zusammenbringen? Seit wann handeln Terroristen als "Privatpersonen"? Sowohl die
LIFG als Organisation, als auch ihre einzelnen Mitglieder werden vom UN-Sicherheitsrat gemäß
Resolution 1267 als Terroristen eingestuft. (The Al-Qaida and Taliban Sanctions Committee - 1267)

*

"Unser Mann in Tripolis".

Mussa Kussa war "unser Mann in Tripolis". Die Umstände seines Überlaufens sowie seine
Zusammenarbeit mit der CIA und dem MI-6 legen nahe, dass er seit zehn Jahren für Interessen der
Amerikaner und ihrer Verbündeter tätig ist. Dies schließt auch die Planungen und Vorbereitungen des
bewaffneten Aufstandes der Demokratiebewegung in Ostlibyen ein.

Der ehemalige libysche Geheimdienstchef Mussa Kussa war wesentlich daran beteiligt, der LIFG im
Interesse seiner westlichen Geheimdienstpartner verdeckte Unterstützung zukommen zu lassen. Der
frühere CIA-Direktor George Tenet erklärte in seiner 2007 erschienenen Autobiographie ein, ohne sich
allerdings direkt auf "unseren Mann in Tripolis" zu beziehen, der "Abbau der Spannungen mit Libyen
[war] einer der größeren Erfolge seiner Amtszeit, da sie zu einer Zusammenarbeit zweier
Spionagedienste gegen Al-Kaida führte". (zitiert nach: Intelligence Partnership between Qadhafi and
the CIA on counter-terrorism, op cit)

Ohne Zweifel sind NATO und LIFG Bettgenossen. Das westliche Militärbündnis unterstützt eine
Rebellion, die von islamischen Terroristen zusammengehalten wird, und das im Namen des "Kriegs
gegen Terrorismus".

Wer sind nun die Terroristen? Während der Islamische Dschihad von der amerikanischen Regierung als
"Bedrohung der westlichen Zivilisation" präsentiert wird, stellen die gleichen islamischen
Organisationen wie die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) in einer zynischen Verdrehung ein
wichtiges Instrument amerikanischer militärgeheimdienstlicher Operationen in Zentralasien, dem
Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika und, nicht zu vergessen, auch in den moslemischen
Republiken der früheren Sowjetunion dar.

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Quelle:
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/prof-michel-chossudovsky/-unser-mann-in-
tripolis-von-den-usa-und-der-nato-unterstuetzte-islamische-terroristen-schliessen-s.html
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Abgeschlossen am 9. Juni 2011.
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