W I D E R H A L L - Nr. 64
S e p t e m b e r / O k t o b e r ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Michael Winkler

Fällt der Euro, fällt Merkel.


Die Dame in den häßlichen, grellbunten Hosenanzügen erzählt zwar, daß der crashende Euro Europa
zum crashen bringe, doch das ZDF hat das eingeschränkt, daß der Euro wohl nur unser aller Kanzlerin
zum Platzen bringen werde. Die Befreiung vom Euro sollte uns den Abtritt einer ohnehin ungeliebten
Kanzlerin wert sein. Das ist nichts Persönliches, denn rein persönlich betrachte ich das Verschwinden
dieser Selbstdarstellungs-Kanzlerin als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Der Euro als Gemeinschaftswährung einer europäischen Wirtschaftszone war ursprünglich eine Idee
der Nationalsozialisten. Hitler hatte das planen lassen, mit einer Zentralbank in Linz. Ich bin überzeugt,
jene Planung hätte funktioniert. Statt eines größeren Frankreichs, das große Teile Europas als
Kolonialreich gockelhafter Enarchen betrachtet, hätte es ein größeres Deutschland gegeben, eine
internationale Nord-Zone. Allerdings hätten zu diesem Europa nur die Nordstaaten gehört,
insbesondere der Südosten Europas wurde explizit ausgeschlossen.

Die Wirtschaftsregierung in Berlin hätte jedem Volk, jeder Nation das zugewiesen, was den Stärken
dieser Nation entspricht. Das Ziel wäre eine partnerschaftliche Arbeitsteilung gewesen, ein Austausch
von Leistungen, statt der ausbeuterischen Geldwirtschaft, bei der jeder versucht, seine Konkurrenten zu
unterbieten und auszuschalten. Eine einheitliche Finanz-, Wirtschafts- und Steuerpolitik hätte eine
Konvergenz bewirkt, ohne die Querverteilung durch Subventionen und den irrsinnigen Wasserkopf
überbezahlter Beamter in Brüssel.

Aber ja, das wäre natürlich eine ganz böse Diktatur gewesen, nationalsozialistisch eben. Heute
hingegen ist alles ganz wunderbar demokratisch, mit dem nicht gewählten Politbüro der Kommissare in
Brüssel. Demokratische Regierungen in allen Ländern der EU entscheiden, wie sie das Geld anderer
Völker für Wahlgeschenke verpulvern können. Man jagt sich gegenseitig mit Fördergeldern Betriebe
ab, die nach ein paar Jahren die Produktion einstellen, weil sie nicht in die neue Umgebung passen.
Und, ganz demokratisch, wird gelogen und betrogen, was das Zeug hält, bis nichts mehr zu vertuschen
ist und alles zum größten Schaden der Gemeinschaft auffliegt.

Die Maxime der EU ist, daß Frankreich regiert und Deutschland bezahlt. Solange Deutschland genug
Geld gehabt hatte, wurden mit diesem deutschen Geld die Probleme der EWG, EG und EU aus dem
Weg gekauft. Großbritannien möchte weniger bezahlen? Aber bitte sehr, wofür ist Deutschland da?
Osteuropa muß geholfen werden, wirtschaftlich und bei der Demokratisierung? Prima, Deutschland
zahlt das bestimmt gerne.

Als Hans-Dietrich Genscher die Idee aus der Hitler-Zeit ausgegraben hatte - es hat mich die ganze Zeit
gewundert, daß der eine eigene Idee gehabt hatte -, geschah das, ohne die zugehörige
Gebrauchsanleitung zu lesen. Die Franzosen haben das sofort verstanden, sie haben eingesehen, daß
diese Gemeinschaftswährung 1987 noch nicht möglich gewesen ist. Zu frisch waren die Erinnerungen an
das EWS (Europäisches Währungs-System, s.u.), die ach so tolle Idee von Helmut Schmidt. Damals
sollten die beteiligten Währungen innerhalb einer begrenzten Bandbreite schwanken, also einen Block
begrenzter Elastizität bilden. Schon dieses simple System hat nach kurzer Zeit versagt, weil die
beteiligten Volkswirtschaften zu schwach gewesen waren. Großbritannien wurde herausgekegelt. Und -
was für ein Wunder - es hat keinen Krieg in Europa gegeben, die Union hat einfach weitergemacht.

1990 hatten die Franzosen ein Problem. Der Tanzbär (die BRD - KHH.), den sie bisher am Nasenring
vorgeführt hatten, war plötzlich noch größer und kräftiger geworden. Das größere Frankreich war in
Gefahr, sich nicht mehr an Paris, sondern an Berlin zu orientieren. Die beherrschende Kraft dieses
Gebildes, die wichtigste Währung, war die Deutsche Mark. Die Bundesbank in Frankfurt war nicht nur
der Kontrolle der deutschen Regierung entzogen, sie war obendrein an keinerlei Weisungen der
französischen Regierung gebunden.

Die Franzosen haben Rothschilds Aussage bestens verstanden, wonach es dem, der die Währung eines
Landes kontrolliert, egal sein kann, wer dort die Gesetze macht. In Deutschland wird dieses Zitat
bereits als antisemitisch angesehen, weil der Rothschild-Clan, der durch die Beachtung dieser simplen
Wahrheit unermeßlich reich und mächtig geworden war, eine jüdische Familie ist. Dies ist eine
Verweigerung der Wirklichkeit, und ein Staat, der dies inquisitorisch verlangt, gehört zu den
schlimmsten Auswüchsen des Mittelalters und nicht in die Moderne.

Nach der Rothschild-Methode, dank der nützlichen Genschers, Kohls und Waigels, haben die
Franzosen den Euro durchgesetzt, als Preis der Wiedervereinigung. Die Deutschen haben die D-Mark
aufgegeben, die beste und weltweit angesehenste Währung, die sie je hatten. Heute wird diese Währung
verunglimpft, mit der lächerlichen Behauptung, der Euro sei stabiler als die alte Mark. Der Beweis
dafür sind die fehlerhaften und geschönten Statistiken, deren Warenkörbe mit der Wirklichkeit nichts
mehr zu tun haben.

Der Euro wurde als manipulierbare Währung geschaffen und er wurde manipuliert, seit er existiert. Die
Stabilitätskriterien, für deren Festlegung sich Deutschland unter Theo Waigel vehement eingesetzt
hatte, wurden zuerst von Deutschland unter Schröder / Fischer / Eichel außer Kraft gesetzt. Frankreich
hat natürlich willig assistiert, dessen Staatshaushalt war genauso zerrüttet wie der unsere. Einigermaßen
stabil, eine neue Mark, war der Euro nur in den Jahren 1999 bis 2001, als die alte Mark noch offizielles
Zahlungsmittel und der Euro nur eine virtuelle Verrechnungseinheit gewesen war.

Als Merkel Kanzlerin wurde, hat sie einen waidwund geschossenen Euro übernommen. Innenpolitisch
hat sie von jenen Reformen profitiert, die Schröder in seiner Partei das Amt gekostet hatten. Diese
Reformen betrafen vor allem die Statistiken, welche die Arbeitslosenzahlen beschönigten und sinken
ließen, und sie bewirkten eine massive Einsparung bei den Bedürftigen im eigenen Volk. Die größte
eigene Leistung jener ersten Merkel-Regierung bestand in der größten
Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik.

Merkel hat sich 2006 als "Miss Erfolg" feiern lassen, mit ihrer Gastgeberrolle bei internationalen
Treffen, in einer Führungsrolle, die ihr turnusmäßig zugefallen war. Volltrunken von dieser
Scheinbedeutung sind sie und ihre Experten in die beginnende Finanzkrise getorkelt. In meinen
Tageskommentaren finden sich erste Hinweise auf die Immobilienblase in den USA am 31. Oktober
2005 - ich als Amateur hatte bereits Hinweise gesehen, als die gutbezahlten
Profis noch ihre Büros eingerichtet haben.

"Bisher bin ich davon ausgegangen, daß wir in Deutschland bei einer Wiederholung des Jahres 1932
angekommen seien. Zumindest bemüht sich die neue Regierung, möglichst alle Fehler der damaligen
Reichsregierung zu wiederholen. Weltweit sind wir aber noch im schwarzen Oktober 1929. Amerika
und sein europäischer Ableger Großbritannien konsumieren fröhlich vor sich hin, gestützt auf den
immer weiter ansteigenden Wert der eigenen Immobilien. 1929 waren es die Aktien, die in den
Himmel schossen. Jedenfalls wuchsen die Vermögen auf dem Papier in eben diesen Himmel. Für diese
riesigen Vermögen gab und gibt es bei der Bank Kredit. 1929 funktionierte das prächtig, bis schließlich
die Blase platzte."

Das Wort "Bankenkrise" habe ich am 20. Juli 2007 das erste Mal verwendet. Davor, am 19. Juli, stand
im Tageskommentar, daß sich unsere geschätzte Kanzlerin demnächst in den Urlaub verabschiede. Ich
will es deshalb noch einmal wiederholen: Wenn einem Amateur wie mir, der auf jene Nachrichten
angewiesen ist, die frei zugänglich in öffentlichen Medien verbreitet werden, solche Dinge auffallen,
um wie viel mehr hätten die Profis, die Analysten in Banken und Regierung, diese Entwicklung
erkennen müssen?

Trotzdem taumelte die ganze Finanzwelt und die Politik ahnungslos ins Desaster, als am 15. September
2008 Lehman Brothers zusammengebrochen ist. Deutschlands dümmste Bank hat sogar noch
Millionen ins Schwarze Loch überwiesen, als der Bankrott längst offenkundig geworden war. Was soll
man zu Bankern, was soll man zu einer Regierung sagen, die nicht auf das reagieren, was zu diesem
Zeitpunkt seit drei Jahren abzusehen gewesen war? Womit rechtfertigen die Vorstände einer Hypo Real
Estate, aber auch der Commerzbank und der meisten anderen Geldhäuser der BRD ihre Gehälter, wenn
sie wie die Lemminge in den Abgrund rasen?

Im Herbst 2008 waren es Merkel und der heute ach so gerühmte Peer Steinbrück, die diese Krise hätten
bewältigen sollen. Die ach so großartige Aussage, wonach die Rettung dieser Dummkopf-Banken
alternativlos sei, möchte ich an dieser Stelle einfach unangetastet stehen lassen. Gerettet wurde damals,
wie in der deutschen Politik üblich, mit sehr viel Geld anderer Leute. Steinbrück und Merkel haben
alles mit neu aufgenommenen Schulden zugeschüttet.

Die Damen und Herren Dummdreist-Banker - dumm, weil sie nichts gemerkt hatten (da setze ich mal
drei Fragezeichen??? - KHH.), dreist, weil sie sich für diese Unfähigkeit fürstlich bezahlen ließen und
lasen - können froh sein, daß wir nicht mehr im Mittelalter leben. Damals hätte man mit ihnen einige
kreative Dinge angestellt, die auf Jahrzehnte jeden Nachahmer abgeschreckt hätten.

September 2008, das war ein Jahr vor der letzten Bundestagswahl, ein Dreivierteljahr Zeit zum
Regieren, bevor die heiße Phase des Wahlkampfs ausbricht. Anstatt der Schweiz die Kavallerie
anzudrohen, hätten Steinbrück und sein Ministerium die Ursachen der Bankenkrise bekämpfen müssen.
Merkel gab nur die Parole heraus, daß Deutschland aus dieser Krise stärker hervorgehen solle, als es in
sie hineingeraten war, und verweigerte jegliche Hausaufgaben.

Statt dessen wurde der Vertrag von Lissabon beschlossen und im ersten Halbjahr 2009 durch die
Parlamente gepeitscht.

Mit einer gewissen Berechtigung kann man sagen, Merkel hätte einfach Pech gehabt, daß ausgerechnet
in ihrer Amtszeit (um das Tätigkeit voraussetzende Wort "Regierungszeit" explizit zu vermeiden) die
Banken-, Finanz-, Währungs- und schließlich Staatenkrise ausgebrochen ist. Andererseits sollte eine
Bundeskanzlerin wissen, daß sie ihr Gehalt nicht bezieht, um Ausstellungen zu eröffnen, Preise
einzuheimsen, Reisen um die Welt zu unternehmen und überall in der ersten Reihe zu sitzen. Für
solche Repräsentationsaufgaben halten wir uns einen Bundespräsidenten, ein Kanzler sollte arbeiten
und Krisen bewältigen.

Merkel brauchte weder auf die Grünen noch auf die SED/PDS/Linken mit ihrer gesammelten
wirtschaftlichen Inkompetenz zurückgreifen, sie hatte vier eigene Parteien in ihren
Regierungskoalitionen. Gerade das Finanzministerium war während dem Auflaufen der Krise, von
1998 bis 2009, in den Händen der SPD. Das Versagen von Eichel und Steinbrück ist offensichtlich,
kann aber nicht davon ablenken, wer an der Spitze gestanden war und noch immer steht.

Die Banken, die 2006 bis 2008 eine Weltkrise herbeigeführt hatten, haben 2009 bis 2011 unreguliert
weitergewurstelt und die noch größere heutige Krise ausgelöst. Die Banker haben weiterhin ihre
obszönen Leistungsprämien eingesteckt, diesmal im festen Vertrauen darauf, daß im Zweifelsfall die
Steuerzahler für die Verluste aufkommen würden.

Ende 2009 begann die Krise um Griechenland. Den Begriff "PIGS", mit G für Griechenland, hatte ich
das erste Mal am 19. Mai 2009 im Tageskommentar. Am 6. Oktober 2009 habe ich gemeldet, daß die
abgewählte Regierung Karamanlis noch schnell 12.000 Anhänger, Parteifreunde und Verwandte mit
staatlichen Pöstchen versorgt hatte. Am 10. Dezember 2009 erschien die erste Herabstufung der
Bonität Griechenlands - und als merkelsichere Anlage habe ich damals Gold (799,- Euro die Unze
Krügerrand) und Silber (14,50 Euro die Unze Philharmoniker) empfohlen.

Hätte Merkel nötige Format besessen, hätte es zu Anfang ihrer zweiten Amtszeit kein
Reichtumsbeschleunigungs-Gesetz mit Steuererleichterungen für Hoteliers und reiche Erben gegeben,
sondern Maßnahmen, um die sich abzeichnende Krise zu bewältigen. Von der FDP um den politischen
Leichtmatrosen Westerwelle war damals so wenig Hilfe zu erwarten, wie heute unter dem
Schiffsjungen Rösler. Die CDU praktizierte statt dessen die Rezepte aus der Helmut-Kohl-Zeit, die
damals schon nicht wirklich geholfen hatten: Geld ausgeben und aussitzen.

Zugegeben, woher sollte Merkel mehr gelernt haben? Bei der FDJ bestimmt nicht, der Marxismus-
Leninismus lehrt zwar, daß der Kapitalismus von Krise zu Krise taumelt, Rezepte, diese Krisen
systemerhaltend zu lösen, hält er jedoch nicht bereit.

Als Parteichefin hat sie sich entwickelt, insbesondere die großartige Qualifikation erworben, jeglichen
fähigen Mann aus ihrer Umgebung schnellstens wegzubeißen.

Die EU ist ein wunderbares Instrument, um Gurkenkrümmungsradien festzulegen oder Glühbirnen zu
verbieten. Das Politbüro aus Kommissaren, die im Heimatland ihre Karriere als Politiker hinter sich
hatten, verfügt zwar über einen Stab überbezahlter Beamter, jedoch über keinen einzigen kreativen
Kopf. Mehr als vielfach erprobte, wenn auch nicht erfolgreiche Rezepte stehen den Polit-Offizieren
nicht zur Verfügung.

Das Gebilde aus 27 Staaten (davon 17 mit der Währung Euro) ist unregierbar, wenn schnelle
Entscheidungen getroffen werden sollen. Die Treffen liefern zwar wunderbare Gipfelphotos - der
herausstechende, die Optik störende grellbunte Fleck darauf heißt Merkel -, nur leider keine
umsetzbaren Beschlüsse. Seit Anfang 2010 schicken diese Damen und Herren Staatenlenker Geld nach
Griechenland, ohne damit den Hauch eines Ansatzes der Besserung zu erzielen. Die Griechen sollen
sparen und streiken dagegen, der Obergrieche Papandreou schreitet mit ernstem Blick einher und
beteuert, alles tun zu wollen, das war es schon.

Sarkozy als Führer der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Euro-Zone, wirkt wie jemand, der mit
heroischer Geste schmalspurige und ideenlose Anweisungen gibt, Bunga-Bunga-Berlusconi der
Nummer Drei, Italien, ist weit mehr Teil des Problems als der Lösung. Nummer Vier, Spanien, gehört
ebenfalls zu den PIGS, leidet unter schrumpfender Wirtschaft und hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Wer also sollte Europa führen? Deutschland, als Zahlmeister der Gemeinschaft, hätte die nötigen
Impulse geben müssen. Ausgerechnet in dieser schicksalsschweren Zeit steht an der Spitze der stärksten
Wirtschaftsmacht die schwächste Persönlichkeit aller Nachkriegskanzler. Schröder, Kohl, Schmidt,
Brandt und Erhard wären nur wenig besser gewesen. Allenfalls dem hochgebildeten Kiesinger und dem
bauernschlauen Adenauer hätte ich es zugetraut, eine Lösung zu finden.

Die Euro-Krise ist zur persönlichen Krise von Bundeskanzlerin Merkel geworden. Nach sechs Jahren
des Aussitzens und Nichtstuns schlagen die Probleme über ihr zusammen.

Der Euro war ein Fehler, der allen Beteiligten nur wirtschaftliche Bedrängnis gebracht hat. Die Lektion
des EWS hätte ausreichen müssen, damit alle Beteiligten einsehen, daß dieses Europa noch nicht reif
ist für eine gemeinsame Währung. Die Dehnfugen im EWS waren im Euro zubetoniert worden. Wo
das EWS noch elastisch reagiert hatte, konnte der Euro nur zerbrechen.

Zu den gerne geäußerten Allgemeinplätzen gehört, Deutschland habe vom Euro profitiert, sogar "am
meisten". Wer, bitte, soll dieses Deutschland sein, das profitiert hätte? Von ein paar Managern
abgesehen, haben die Deutschen sinkende Reallöhne zu beklagen. Das Mehr an
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, das so gerne herausgestrichen wird, besteht aus Teilzeit-
und prekären Arbeitsverhältnissen, schlecht bezahlt und keinesfalls sozial
abgesichert.

Wie sieht es mit den Kleinsparern aus? Angeblich hat uns der Euro eine nie gekannte
Währungsstabilität mit weniger als zwei Prozent Inflation pro Jahr beschert. Dies entspräche in den
zehn Jahren des Euros als umlaufendes Bargeld einer Preissteigerung von insgesamt zwanzig Prozent.
Die "gefühlte Inflation", also die real erlebten Preissteigerungen, liegen bei vier bis sieben Prozent pro
Jahr, entsprechend einer kumulierten Preissteigerung von 50 bis 100%. Der Sparer, der auf sein
Sparbuch ein Prozent Zinsen erhält, erlebt folglich einen realen Kaufkraftverlust von sechs Prozent pro
Jahr.

Betrachten wir die großen Unternehmen, die dank des Euros von einem großen Währungsraum
profitieren sollten. Sie haben dies ausgenutzt, ihre Werke in Länder mit niedrigerem Lohnniveau
verlagert und damit die Löhne in Deutschland begrenzt. Vor dem Euro waren sie in einer
"Deutschland-AG" gegenseitig verflochten, in sicheren Händen, durch eine Fehlleistung der Regierung
Schröder (Finanzdienstleistungs-Modernisierungsgesetz - KHH.) wurden diese Beteiligungen aufgelöst.
Heute sitzen die Aktionäre irgendwo auf der Welt. Die Umsätze und der Export dieser Unternehmen
sind angestiegen, jedoch nur deswegen, weil sich eine Kreditblase gebildet hat. Die Gewinne sind
virtuell, sie wurden an die Manager ausbezahlt oder liegen in der Finanzwirtschaft, als Zahlen im
Rechner, die bald von der Realität aufgefressen werden.

Haben die anderen Länder profitiert? Die Südschiene, von Portugal bis Griechenland, hat durch den
Euro billiges Geld bekommen und sich damit so vollgestopft, daß sie allesamt an Überschuldung
platzen werden. Frankreich, das an ein "Versailles ohne Krieg" geglaubt hatte, erlebt, daß gerade seine
Banken untergehen, ohne über die Mittel zu verfügen, etwas dagegen unternehmen zu können. Die
soliden Länder im Euro, die Niederlande, Finnland, Slowakei und Österreich, bluten durch diese
Währung ebenso wie Deutschland. Der Euro ist ein politisches Symbol, das ohne jede Weitsicht
geschaffen wurde, um den Nachruhm einiger Politiker zu sichern, deren Namen künftig zur
Abschreckung in den Geschichtsbüchern stehen werden.

Was ist mit den Touristen? Spanien, Italien, Griechenland - wir können die klassischen Urlaubsländer
besuchen, ohne Geld umzutauschen. Allerdings ist dort jetzt alles teurer geworden und der Lire-Effekt
fällt weg. Als die Wirte in Italien früher die Preise erhöht hatten, war die Währung gefallen und die
Preise in Mark hatten sich nicht verändert. Der zeitweise starke Euro hat die Reisen in die USA und
den Rest der Welt verbilligt, doch die Hochzeiten sind längst vorbei. Die Schweiz wurde unbezahlbar,
bis deren Nationalbank den Franken an den schwächelnden Euro gekoppelt hatte. In der Summe kann
ich nur feststellen: Ja, ein bißchen profitiert haben die Reisenden, aber wer im streikenden
Griechenland Urlaub machen möchte, benötigt einen gehörigen Schuß an Abenteuerlust.

Wie sähe es mit der Mark im Export aus? Gerade die Schweiz hatte Problemen zu kämpfen, weil ihr
Franken immer stärker geworden ist. In einer großen, verflochtenen Wirtschaft wie der deutschen sieht
das anders aus. Wo "Made in Germany" draufsteht, ist die ganze Welt enthalten. Rohstoffe und Teile
werden importiert. Bei einer teuren Mark werden diese Zulieferungen billiger. Durch die Endfertigung
wird dieser Vorteil wieder aufgehoben, in der Summe ergibt sich ein Preis, der sich nur wenig vom
heutigen Preis in Euro unterscheidet. Die Nachteile wären gering, dafür hätten wir gewaltige Vorteile:
Was immer wir in Mark erwirtschaften, käme dem Land zugute. Was wir in Euro erwirtschaften, geht
an Europa, wo sich jeder bedient. Von 190 Milliarden Euro, die durch den deutschen Export 2008
erwirtschaftet wurden, sind gerade einmal ZEHN Milliarden Euro übrig geblieben.

Unsere Kanzlerin sagt, wenn der Euro crashe, crashe Europa. Sie blendet dabei aus, daß Europa schon
funktioniert hatte, als eine Gemeinschaftswährung nur in einem Konzeptpapier aus
nationalsozialistischen Zeiten gestanden war. Das gemeinsame Europa hat das EWS kommen und
gehen sehen, es wird auch den Euro überleben. Im Gegenteil, je eher der Spaltpilz Euro entfernt wird,
desto eher kehren wieder gesunde Verhältnisse ein. Was der Euro anrichtet, sehen wir an den sozialen
Unruhen in Griechenland.

Wir werden an dem, was uns Kohl und Mitterand eingebrockt haben, noch lange, sehr lange löffeln.
Der Euro hat Europa um zehn, womöglich um zwanzig Jahre zurückgeworfen, doch er gibt uns auch
die Chance, die Fehlentwicklungen zu überdenken, die in diesen zwanzig Jahren passiert sind. Der
regelwütige Beamtenmoloch in Brüssel ist überflüssig, das größere Frankreich längst eine Illusion. Mit
neuem, besserem Personal, mit neuen, besseren Regeln, ließe sich ein neues, ein besseres Europa
schaffen.

Was wird aus Merkel? Bitte, wen kümmert's? Der Euro, das heutige Europa, spiegelt die überforderten
Kanzlerin wider, die statt zu führen nur getrieben wurde. Der von Helmut Kohl angerichtete Schaden
geht in Hunderte Milliarden, Merkel hat daraus Billionen erwachsen lassen. Bisher wurden solche
Kanzler komfortabel alimentiert, ob nun Millionen mit ihrem Namen fluchen oder nicht. So wird auch
Merkel verschwinden und nur gelegentlich zu einer Quatsch-Sendung aus der Rentenkammer
vorgekramt. Möge sie zur Rechten von Helmut Kohl sitzen - und zur Linken von Erich Honecker.

Und ich? Ich habe eine Lösung für mein Problem gefunden: Wenn ich nicht mehr von
Merkeldeutschland schreiben kann, wird daraus ein merkelbefreites Deutschland.
© Michael Winkler

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Erklärung EWS: Das EWS war das "Europäische Währungs-System", bei dem verabredet war,
daß die Währungen gegeneinander nur um 2,25% schwanken dürfen, ansonsten waren die
Notenbanken zum Eingreifen verpflichtet.

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Quelle: http://www.michaelwinkler.de
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors Michael Winkler,
Steinburgerstr. 90, D-97080 Würzburg.
ePost: autor(A)michaelwinkler.com

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Hier ein passendes Buch von Michael Winkler:

Politk am Pranger.

Für 9,90 Euro in Ihrer Buchhandlung. ISBN 978-3-941956-34-6

Der Pranger war eine Einrichtung der mittelalterlichen Strafjustiz, ein Brett, an das Straftäter in völliger
Hilflosigkeit gefesselt wurden, um ihre Schandtaten der Öffentlichkeit preiszugeben. Wer am Pranger
stand, wurde verspottet. Es war eine vergleichsweise milde Strafe, in einer Zeit, in der bedenkenlos
geköpft und verstümmelt wurde.

Seit Oktober 2004 erscheinen auf der Internet-Seite www.michaelwinkler.de in der Rubrik "Pranger"
allwöchentlich Texte zu einer großen Auswahl von Themen. Unter Kennern haben diese Texte längst
Kultstatus erlangt. Dieses Buch enthält ausgewählte Texte zum Thema Politik. Es ist in sechs Kapitel
untergliedert und nimmt die Demokratie, die Zerfallserscheinungen in der BRD, die selbstherrlichen
Parteien, die offizielle Geschichtsschreibung und die desinteressierten Mitmenschen aufs Korn. Das
letzte Kapitel ist der Erneuerung gewidmet, der Hoffnung auf Besserung.

Der mittelalterliche Pranger diente der Belehrung, der Angeprangerte sollte zur Einsicht gebracht
werden - und er sollte weiterleben, um sich zu bessern. Genau dies ist die Absicht der Internetseite und
dieses Buches.
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Natürlich kann das Buch auch beim Autor selbst per ePost-Adresse (oben) bestellt werden.
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Abgeschlossen am 1. November 2011.
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