W I D E R H A L L - Nr. 64
S e p t e m b e r / O k t o b e r ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Michael Nier

Deutschland in der Zeitenwende.


Die imperiale Globalisierung des Westens geht zu Ende. Sie stirbt nicht etwa am Erschöpfen der
energetischen Ressourcen oder am Glühen der Festplatten von Computern beim Börsenhandel, sondern
an der universellen Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Personen. Die Verschuldung ist so
etwas wie ein tiefer Schlamm, in dem die volkswirtschaftlichen Räder versinken. Dieser
Schuldenschlamm entsteht gesetzmäßig mit unserem Geldsystem und der sich immer mehr
potenzierenden Macht der Finanzoligarchie. Die Finanzoligarchie mit ihren vielen Gnomen in der
Finanzbranche und der Politik organisiert ihre immer imposantere Bereicherung.

Diese Bereicherung hat als Spiegelbild die Verschuldung, denn Geld entsteht in unserem System durch
Verschuldung und Zinseszins. Die Schulden müssen durch immer neue Schulden vor Ausfall gesichert
werden. Es ist ein exponentiell wachsendes System. Alle exponentiell wachsende Systeme pflegen auf
ihrem Höhepunkt zu kollabieren. Die Schulden sind von den Schuldnern nicht mehr zu tragen. Das
erlebt man dann in der Realwirtschaft und im sozialen System. In der Realwirtschaft wird nicht mehr
gekauft und bezahlt. Öffentliches Eigentum wandert in die Hände der internationalen Finanzoligarchie.
Gerade denkt die CDU über die "Privatisierung" der Autobahnen nach! Die Schulden reduzieren sich
dadurch leicht und wuchern anschließend weiter, denn es gab ja keine Entschuldung.

Im sozialen System wird den Leuten von der Obrigkeit der Brotkorb immer höher gehängt, soziale
Rechte liquidiert und ebenfalls weniger oder überhaupt nichts mehr an sozialen Zahlungspflichten
erfüllt (Renten, Pensionen, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Leistungen für Flüchtlinge usw.). Im
politischen System verschärfen sich parallel dazu die Auseinandersetzungen, zumindest verbal.
Meistens sind es politische Theateraufführungen letztlich Gleichgesinnter. Immer mehr wird die Macht
zentralisiert. Die EU baut ihre Qualität immer mehr aus, Verwaltungsdiktatur der transnationalen
Konzerne zu sein und die europäischen Staaten zu Provinzen zu degradieren.

Auf dem Weg zur großen Krise wird von der Obrigkeit auch exponentiell verstärkt gelogen. Das
können wir gerade auch bei uns schön beobachten. Alle scheiternden Systeme lügen sich bis zum Ende
immer penetranter schön. In der DDR gab es zum Schluss nur noch "Positivpropaganda". Macht und
Medien schließen sich immer enger zusammen. Auch die Überwachung der Bevölkerung wird
intensiviert, denn es entstehen soziale Unruhen und oppositionelle Bewegungen sprießen wie Pilze aus
dem Boden. Die gilt es zu kontrollieren. Neue politische Bewegungen müssen sich freilich erst aus den
alten ideologischen Gespinsten von Politik und Medien befreien und zu ihrer Eigenständigkeit finden.

Das ist schwierig, denn es sind in den scheinbar guten Zeiten viele politisch-moralische Verbotsschilder
aufgestellt worden und auch abstruse Lehren wirken im Verborgenen. Politische Korrektheit hat zu
einer weitgehenden Unterdrückung der Freiheit des Denkens geführt. Kritische Meinungen gelten als
verschwörungstheoretisch oder extremistisch. Neoliberale Glaubenssätze sind vom Alltagsdenken
aufgenommen und verinnerlicht worden. Monoton schallt es zu deren immerwährender Bekräftigung
aus allen Medien. Für alle noch oder wieder Denkenden eine tagtägliche Beleidigung.

Doch diejenigen, die ohne intellektuelle Skrupel leben und ihren durch Not mobilisierten sozialen
Gefühlen praktisch freien Lauf lassen, können die Geschichte anschieben. Es werden die im System
nicht integrierten und herunterfallenden Gruppen sein. Im Zentrum des neuen politischen Orkans
werden junge Leute aus den Unter- und Mittelschichten stehen, die willig was gelernt haben und die
nun niemand braucht. Sie werden sich Gehör verschaffen. Sie begeben sich dabei in einen mühsamen
politischen Lernprozess. Der wird wahrscheinlich blutig sein. Oslo am 22.7.2011 ist so ein Beispiel.

In dem von mir eben skizzierten Rahmen können wir nun über die eventuell stattfindende Zeitenwende
nachdenken.



Z u ~ M o m e n t e n ~ d e r ~ h i s t o r i s c h e n ~ D r a m a t i k .

Von Zeitenwenden spricht man, wenn Zyklen wirtschaftlicher Herrschaft zu Ende gehen und die
Herrschenden sich der inneren und äußeren Gegenkräfte nicht mehr erwehren können. In der Neuzeit
gab es immer Gestaltungsideen für die Zeit jenseits der bisherigen Herrschaft. Es gibt natürlich auch
Zeitenwenden, die zu historischem Abstieg und in dunkle Epochen führen. Das weströmische Reich ist
zusammengebrochen wie ein altes Haus. Es ist leider so, dass es heute für ein Jenseits der bisherigen
Globalisierung kein positives Modell gibt. Es wird nur über den Abstieg der USA und Englands
ernsthaft gesprochen und das kapitalistisch wirtschaftende, kommunistisch regierte China als neues
Machzentrum gesehen.

Manche denken schon an eine engere Verbindung von Deutschland und Russland. Wladimir
Wladimirowitsch Kotenjow, der sechs Jahre (vom April 2004 bis Juni 2010) russischer Botschafter in
Berlin war und nun an der Spitze von Gasprom-Deutschland steht, initiierte den Verein "Deutschland-
Russland - Die neue Generation". (...) Die Kotenjows mit ihren beiden Kindern lenken den Verein und
haben im Mai 2011 einen deutschen Tross von jungen Hochadligen, McKinsey-Junioren und
Jungpolitikern wie Missfelder nach Moskau eingeladen. Deutsche Elite soll zu russischer Elite finden.
(Siehe: Markus Wehner: So schön kann Russland sein. Adel, Gasprom, der Bundespräsident und die
CDU: Die `neue Generation` fliegt zum Netzwerken nach Moskau, Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung, 15. Mai 2011, S. 8. Man sehe nach unter "http://die-neue-generation.ru/imprint.htm".)

Man bastelt also schon an neuen alten Beziehungen. Als noch die Sowjetunion mit sozialistischen
Idealen hausieren konnte, gab es Freunde aus Überzeugung. Jetzt geht es nur noch um Geld. Deswegen
will man "Freunde" kaufen. Ich bin aber sicher, dass unsere amerikanischen Freunde unsichtbar dabei
sind. Die Atlantik-Brücke hat ja auch ein "Young Leader"-Programm. Vielleicht tanzen einige auf zwei
Hochzeiten? Die XI. Deutsch-Russische-Städtepartnerschaftskonferenz hat für 2012 ein
"Deutschlandjahr in Russland" und für 2013 ein "Russlandjahr in Deutschland" ausgerufen. Putin hatte
2009, vielleicht sogar als ehemaliger KGB-Mitarbeiter in der Angelikastraße Nr. 4 in Dresden, den
"Sächsischen Dankorden" des westdeutschen Semperopern-Vereins bekommen, aber der ebenso
komische Quadrigapreis 2011 von "Werkstatt Deutschland" wurde ihm vorenthalten. Es gibt also
Kämpfe um die Linie Deutschlands in die Zukunft. Letztlich führt an einer engeren Zusammenarbeit
von Deutschland und Russland kein Weg vorbei.

Deutschland wird sich von den USA lösen. Das hat begonnen. Der Währungskrieg der USA gegen den
Euro-Raum gehört dazu. Letztlich sind das alles nur Bewegungen innerhalb des gegenwärtigen
Systems und lösen nur sekundäre Probleme, wie Rohstoffversorgung, Industrialisierung,
Handelsdefizite usw..

Auch zum Konsummodell des Westens steht kein akzeptabler Entwurf in Konkurrenz. Die heutigen
bunten Revolutionen gehen von jungen Leuten aus, die westliche Lebensweise als erstrebenswert erlebt
oder beobachtet haben und was davon abhaben möchten. Sie sind die tumben Agenten des Westens.
Teilweise sind sie es ohne es zu wissen, teilweise wurden sie dafür durch US-Dienststellen und
Menschenrechtsorganisationen geschult. Doch diese Lebensweise hat eben nur der reiche Westen und
selbst dort wird immer mehr abgebaut, denn die Finanzspekulanten (auch schelmisch nett "Anleger"
oder "Finanzmärkte" genannt) saugen alles Geld aus Realwirtschaft und sozialem System. Die
westliche Lebensweise ist über weite Strecken nur noch Fassade oder buntes Elend.

Kürzlich kam raus, dass die westlichen Markenartikel im Lebensmittelbereich in osteuropäischen
Ländern zwar die bunte Verpackung hatten, aber minderwertige Grundstoffe verarbeitet wurden.
Westliche Konsumfassade als Betrug. Nach nicht erfüllbarer westlicher Lebensweise in den
Entwicklungsländern und sogenannten Schwellenländern zu streben, wird Revolten in Permanenz
bringen. Die Arabellionen (eine Wortschöpfung aus der FAZ) werden, weil immer erneut ergebnislos
für die jungen Volksmassen, permanent weitergehen. Die Instabilität dieser Staaten wird wachsen.
Solche Rebellionen können in ähnlichen Formen auch in allen westlichen Kernländern kommen, weil
sich dort auch in Permanenz die sozialen Probleme verschärfen und große Teile der Jugend
Chancenlosigkeit als Normalzustand erleben. Der Widerspruch von blendendem Konsumangebot und
Massenarmut wird alltäglich. Derzeit beginnen sich in den USA und auch schon in Europa die Reichen
des öffentlichem Protzens mit Rolex, Porsche und Luxusklamotten zu enthalten. Sie haben Angst
bekommen. Roland Tichy, der Chefredakteur der Wirtschaftswoche verwies in seiner Kolumne vom
25.7.2011, S. 3, auf einen Trend bei den Reichen nur noch beste Materialen bei ihrer Bekleidung zu
verwenden, aber nicht mehr modisch sichtbar zu protzen. "Wir sind wieder wer mit Geld, signalisiert
die Mode dem Kenner und versteckt diese Botschaft vor neidischen Blicken; unauffällig lebt es sich
besser zu Zeiten wachsender Unsicherheit."

Alles dies basiert auf tieferen und wohl gesetzmäßigen Änderungen des heutigen Kapitalismus, die
zum Teil schon vor über 100 Jahren prognostiziert worden sind, doch nun zur Reife kommen. Die
Bürger als personelle Träger der bürgerlichen Gesellschaft verzweifeln heute an ihr. An diesen
Momenten der Entwicklung des kapitalistischen Systems verliert der Kapitalismus und verlieren
insbesondere seine höchsten Repräsentanten, die Finanzoligarchie und die politische Klasse, die
Legitimation. Die Legitimationsbasis des heutigen Kapitalismus erodiert in der aktuellen großen Krise
mit hohem Tempo.

1.
Der heutige Kapitalismus ist Finanzimperialismus geworden. Die Realwirtschaft und das praktische
Unternehmertum sind zu sekundären Gesellschaftsbereichen geworden und in dienende Rolle
gezwungen. Durch Verschuldung hängen die meisten Unternehmen, sofern sie nicht hausväterlich
geführte, schuldenfreie Familienunternehmen sind, an der Finanzbranche und werden deren Wünschen
unterworfen. Die großen Aktiengesellschaften haben über Aktien ihr Eigentum ausgelagert, die
eingenommenen Beträge nicht selten an die Finanzbranche als Gewinne ausgeschüttet und sich über
Kredite erneut refinanziert. Es sind eigentlich fremdbestimmte Schuldenhaufen. Die
Aktiengesellschaften, sofern nicht Familien diese Aktien mehrheitlich selber halten oder nur die in
wenigen Händen befindlichen Stammaktien stimmberechtigt sind, sind Spielball der Finanzbranche.
Wir sehen das an den unsinnigen periodischen Zwängen zu diversifizieren oder sich auf das
Kerngeschäft zurückzuziehen. Immer kassieren die Bank und ihre Unternehmensberatungen. Über
Aktien und die Hineinnahme von sogenannten Finanzinvestoren in Unternehmen, bestimmen nicht
mehr die Realwirtschaftler und Ingenieure, sondern Beauftragte der Finanzbranche über das Wohl und
Wehe des Unternehmens und seiner Belegschaft.

Je maßloser die Gier der Finanzwirtschaft wird und je national nihilistischer die Eigentümer sind, um
so mehr deformieren sie die Unternehmen und die Volkswirtschaften nach ihren kurz- oder
längerfristigen Profitinteressen. Im Auftrag der Finanzwirtschaft expandieren die Konzerne weltweit
und lassen nichts mehr aufkommen. Konzerne übernehmen die Welt für die Finanzbranche. Konzerne
und Banken überfallen gemeinsam die Länder der Welt, wenn die dortigen Politiker ihre Länder dafür
öffnen. Freihandel ist das internationale Faustrecht der Konzerne. Die Übernahme der DDR und
Osteuropas geschah so. Die Treuhand unter Birgit Breuel war eine dafür eingerichtete Bundesbehörde.
Über einen Staatsstreich der Ost-CDU am 17. Juni 1990 wurde die Treuhand von der Pflicht zur
Bewahrung des Eigentums der DDR-Bürger befreit und auf Privatisierung und Liquidierung des
Volkseigentums eingeschworen.

Da alles DDR-Eigentum mit dem 3.Oktober 1990 Bundeseigentum geworden war, hatten die Arbeiter
und Angestellten aus der ehemaligen DDR keinerlei Eigentumsrechte mehr und konnten nur noch
ohnmächtig der Verschleuderung und Vernichtung ihrer Betriebe zusehen. Für die Ausplünderung
Griechenlands empfahl Jean Claude Junkers erneut eine "Treuhand". Zu diesem Kapitalismus gehört
als Tendenz die Massenenteignung zugunsten der Finanzbranche. Das erleben wir in vielfältiger Weise
in der Euro-Krise. Alle Deutschen sollen für die Exzesse der Finanzbranche auf Jahrzehnte hinaus mit
Vermögensverlust, Lohnabbau und Liquidierung des sozialen Systems haften. Deutschland soll rund 1
Billion Euro Schulden der anderen verkraften und so die Exzesse der Banken tragen. Das wird nicht
klappen. Deutschland geht unter oder es wird sich wehren. Es wird sich wehren.

2.
Der Kapitalismus ist mit der heutigen Globalisierung praktisch grenzen- und hemmungslos geworden.
Überall wird alles, was mit großer Industrie und mit den globalen Handelskonzernen gemacht und
verkauft werden kann, auch volkswirtschaftlich durchgesetzt. Dazu gehört, dass Klein- und
Mittelunternehmen weltweit nicht neu aufkommen können, wenn sie nicht durch national
verantwortungsbewusst handelnde Regierungen geschützt werden. Thomasz Konicz hat am 16.6.2011
in der "Jungen Welt" einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht "Deutsch-Mittelost. Ist
Mittelosteuropa zu einem ökonomischen 'Hinterhof' Deutschlands verkommen?" Er schreibt: "einem
genaueren Blick auf diese osteuropäische Konjunkturerholung wird aber schnell klar, dass sie nur
Ausdruck der dominierenden Stellung deutscher Unternehmen innerhalb dieser Volkswirtschaften ist,
die wiederum im hohen Maß vom deutschen Binnenmarkt abhängig sind.

{Tschechische, slowakische oder auch ungarische Ausfuhren werden zu großen Teilen nach
Deutschland ausgeführt und zwar wiederum von deutschen Konzernen. Die haben in den Ländern
Fabriken aufgebaut, wegen der dortigen niedrigen Löhne. Das sind dann die "verlängerten Werkbänke"
der westlichen EU-Konzerne. Derartige Exporte machen in Polen ungesunde 60 Prozent aus, in
Tschechien plus Slowakei sind es 70 %, in Ungarn sogar hohe 80 %, laut "Junge Welt".}

Unterhalb dieser westlichen, vornehmlich deutsch bezeichneter Konzerne gibt es große Mengen
unterkapitalisierter Kleinbetriebe. Auch durch Fehlen jeglicher staatlicher Industrieforschung können
keine eigenen nationalen Industriestrukturen wieder entstehen. Übrigens sind Hunger und
Unterentwicklung in den Entwicklungsländern ebenfalls ein Produkt der westlichen
Freihandelsstrategien: Zerstörung der einheimischen Wirtschaften durch Dumpingexport und
Deformation der dortigen Wirtschaften zu speziellen Exportleistungen nach Europa und den USA. Die
Hungerländer sind in der Regel Nettoexporteure von Lebensmitteln. Gerade haben internationale
Konzerne in Afrika 60 Millionen Hektar Ackerland gepachtet oder gekauft und lassen die dortigen
Bauern vertreiben. Auch für Privatanleger bieten die deutschen Banken entsprechende Fonds an.
Länder, die sich nicht gegen die westliche Freihandelsdoktrin wappnen, haben keine eigene
Entwicklungschance.

Eventuell vorhandene, die westlichen Konzerne störenden Industrien, werden niederkonkurriert oder
über Aufkauf beseitigt. In ihrer Blindheit hoffen die westlichen Konzerne, in entindustrialisierten
Ländern besonders gut verkaufen zu können. An Griechenland zeigt sich sehr deutlich, dass der
Übergang von der vorwiegenden Agrargesellschaft in die sogenannte Dienstleistungsgesellschaft über
Verschuldung in die nationale Katastrophe führt. Wenden sich national verantwortungsbewusste
Politiker gegen den westlichen Freihandel, so leben sie gefährlich und werden eventuell durch das
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gejagt.

Liebend gern würde man auch chinesische Eliten nach Den Haag zerren und mit großem Spektakel
verurteilen. Die Chinesen haben gegen den Westen eine grandiose Industrialisierung vorangebracht und
werden in Zukunft die USA mit einer überlegenen Militärtechnik der Landesverteidigung
konfrontieren. Die Tendenz des heutigen Kapitalismus ist die Niederhaltung und Verschuldung der
kleinen nationalen Volkswirtschaften zugunsten der großen Konzerne des Westens. Das erzeugt bei den
Chancenlosen einen unbändigen Hass auf den Westen und die dem Westen dienenden eigenen Eliten.

Deshalb werden wir weltweit in sehr unruhige Zeiten gehen. Wir sind erst in der Anfangsphase.

3.
Über die Jahrzehnte erfolgte eine Machtverschiebung in dem sozialen Gebilde, was man früher
Bourgeoisie nannte. Die herrschende Schicht ist heute die Finanzoligarchie. Mittelschichten, die
eigentlich die Massenbasis des Kapitalismus darstellen, schrumpfen und verarmen. Damit verengt sich
die sozialökonomische und quasi natürliche Zustimmungsbasis zum Kapitalismus. Wie deutlich die
Gegensätze zwischen den Konzernführern und den Chefs der Familienunternehmen in Deutschland
sind, zeigen die Haltungen zur Rettung des politischen Projekts Euro. Siehe dazu
www.familienunternehmen.de. In anderen Ländern haben die produktiven Mittelschichten keine
Stimme, weil sie wirtschaftlich schwach sind. Wir sind zum Glück noch in einer historischen
Ausnahmesituation.

Deutschland hat durch die Geschichte Potentiale, die international einzigartig sind. Durch die früheren
Zünfte wirkt noch eine hohe Qualität der handwerklichen Berufsausbildung nach und ein Bewusstsein
für die Qualität der Arbeit. Die wissenschaftliche Hochschulbildung für die Industrie seit Anfang des
19. Jahrhunderts und der hochwertige akademische Berufsabschluss als Diplomingenieur oder Dr.-
Ingenieur (1899) haben Deutschlands wirtschaftliche Weltgeltung begründet. Durch Einführung
angelsächsischer Bildungstypen und Studiengänge und -abschlüsse ohne Berufsfähigkeit soll dieses
Potential zerstört werden. Doch Gegenwehr ist da. Ein weiterer Kraftgewinn des deutschen
Unternehmertums in Westdeutschland waren die ethnischen Säuberungen vor allem durch Polen und
Tschechen nach 1945. Damit kamen Massen von Unternehmern und Facharbeitern nach
Westdeutschland, die aus schläfrigen agrarischen Regionen Westdeutschlands auf einmal blühende
Industrieregionen machten. Durch die Sozialisierungen vom sowjetischen Typ wurden auch aus
Mitteldeutschland Zehntausende Unternehmer und Hunderttausende von Facharbeitern nach
Westdeutschland getrieben. Dadurch ist Deutschland ein industrielles Kraftpaket geworden und wird es
noch länger bleiben.

Nach 1990 wurden durch die Beseitigung der DDR-Industrie noch einmal rund 4 Millionen
qualifizierte Deutsche und ihre Kinder nach Westdeutschland vertrieben. Dafür kamen über 2
Millionen Westdeutsche zur Ansiedlung ins Beitrittsgebiet, welche die staatliche Verwaltung, sowie
alle Spitzenpositionen und lukrative Posten von Politik, Militär, Geheimdienst, Justiz, Medien, Banken,
Kultur und Hochschulen übernahmen. Steffen Heitmann, der frühere Justizminister Sachsens, sprach
von einer "Überfremdung durch Inländer". In Westdeutschland haben wir andere Mittelschichten als im
Beitrittsgebiet. Im Beitrittsgebiet dominieren staatlich alimentierte Mittelschichten, ebenso wie heute in
Griechenland. Die griechischen Mittelschichten werden abstürzen, die mitteldeutschen Mittelschichten
westdeutscher Herkunft werden durch Zuführungen von Finanzmitteln aus Westdeutschland noch
abgesichert. Das Beitrittsgebiet ist ein historischer Sonderfall. Es gibt im Grunde keinen mit der
Region verbundenen produktiv-unternehmerischen Mittelstand.

Olaf Baale hat in seinem Buch "Links in Deutschland. Der unaufhörliche Niedergang einer von Herzen
kommenden Bewegung", Verlag das Neue Berlin, Berlin 2011, S. 189, die Situation umschrieben: "Die
Reprivatisierungen und Privatisierungen in der ersten Hälfte der 90er Jahre haben einen selbsttragenden
Abschwung in Gang gesetzt, der, wenn kein Wunder geschieht, noch bis zur Mitte des Jahrhunderts
fortdauert. Bis dahin geht es im Beitrittsgebiet langsam, aber stetig nach unten, werden sich die
wirtschaftliche Situation und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jedes Jahr ein wenig mehr
verschlechtern." Mit dieser zweigeteilten BRD werden wir also weiter zu leben haben. Daraus können
im Beitrittsgebiet eigene politische Auseinandersetzungen erwachsen.

Deutschland wird durch die Bewahrung der Industrie, vorwiegend der in familiärem Besitz, ihre
Mittelschichtenstruktur länger halten als die zu sogenannten Dienstleistungsgesellschaften verrotteten
Staaten wie USA, England oder die Staaten der EU-Peripherie.

Von 310 Millionen US-Amerikanern arbeiten 12 Millionen in der Industrie! Nach der Krise könnte
Deutschland durch seine mittelständische Wirtschaftsstruktur, die auch die Masse der Arbeits- und
Ausbildungsplätze beinhaltet, schnell wieder wirtschaftlich durchstarten. Wo die produktiven
Mittelschichten fehlen, wird die große Wirtschaftskrise zu Revolten der abstürzenden staatlich
alimentierten Mittelschichten führen. Diese Revolten werden sich aber letztlich ergebnislos totlaufen
oder in Militärdiktaturen enden. Innereuropäische Auseinandersetzungen sind möglich. Für den
Ernstfall ist es für die Deutschen positiv, eine große Rüstungsindustrie zu haben.

4.
Wir haben in Deutschland und im ganzen Westen eine wachsende Immobilität in den sozialen
Strukturen. Die Schicht der wirklich Reichen und die Oberschichten haben sich in Richtung der unteren
Mittelschichten und Unterschichten hermetisiert. Deutschland hat viele Zeiten erlebt, wo man aus
Unterschichten den Begabten den Aufstieg ermöglichte. Johann Gottlieb Fichte hat durch sein
phänomenales Gedächtnis die Aufmerksamkeit des Gutsherren Freiherr Haubold von Miltitz geweckt,
der ihn nach Schulpforta und letztlich auf den Weg zum Weltruhm schickte. Johann Andreas Schubert,
Tagelöhnersohn aus Wernesgrün, der Schöpfer der Göltzschtalbrücke (größte Ziegelbrücke der Welt)
und der ersten in Deutschland gebauten Lokomotive "Saxonia", fiel als aufgeweckter Junge, der auf
dem Trittbrett einer Kutsche mitfuhr, dem Leipziger Polizeipräsidenten Ludwig Ehrenfried von Rackel
auf. Der nahm ihn als Pflegekind auf und er bekam eine ausgezeichnete Ausbildung. Auch Gerhard
Schröder und andere Politiker kamen über den zweiten Bildungsweg. In der DDR wurden Arbeiter-
und Bauernfakultäten 1949 gegründet, um talentierten Arbeitern und Bauern, auch vielen jungen
Kriegsheimkehrern den schnellen Erwerb der Hochschulreife fürs Studium zu ermöglichen.

Weil es in Europa zum Thema unter den Mittelschichten geworden ist, dass ihren Kinder nicht mehr
der familienübliche Weg des Aufstiegs offen steht, hat sich dem die Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung am 24.7.2011, S.31 unter dem Titel, Der Chefreport. Von wegen Elitezirkel. Immer
mehr Aufsteiger schaffen es von ganz unten nach ganz oben an die Vorstandsspitzen der Konzerne. Die
Bildung macht`s", des Themas abwiegelnd angenommen. In die Finanzoligarchie und zu den wirklich
Reichen ist der Aufstieg aus der Mitte fast unmöglich. In die Ebene der Manager schon eher.
Schließlich braucht man gefügige Talente. Doch in einer Zeit, wo man der Jugend en bloc einredet,
dass alle studieren müssten und man ohne Abi wegen des liberalistisch deformierten, fachlich
abgestürzten Volksbildungswesens nicht mehr Schlosser lernen könne, da schickt man viele auf einen
Weg der Illusionen. Die Abiturquote lag noch Anfang der 80er Jahre in der BRD bei 22 Prozent, in der
DDR bei rund 14%. In der DDR war zahlenmäßig für jeden Abiturienten ein Studienplatz an einer
Hoch- oder Fachschule vorhanden. Die Quote der Absolventen von Hoch- und Fachschulen war in
DDR und BRD gleich.

In der BRD regiert der Zufall. Viele Abiturienten studieren nicht oder brechen das Studium ab. Die
Abiturquote liegt derzeit in Nordrhein-Westfalen bei über 50 Prozent. Solche Massenzahlen
korrespondieren mit Qualitätsabsenkung. Wenn man nun den jungen Leuten einredet, sie hätten mit
dem Abitur den Marschallsstab im Tornister und sie studieren Eventmanagement,
Gesundheitsmanagement, Multikulturelle Kommunikation, Politikwissenschaft oder EU-Integration
Osteuropa, dann dürfte das berufliche Scheitern ohne gute Beziehungen der Eltern programmiert sein.
In den entindustrialisierten Ländern Ost- und Südeuropas haben wir massenhaft arbeitslose Studierte
ohne jegliche Chance. Die haben Wut und mit Mut stehen sie auf der Straße. Noch hat Deutschland ein
soziales Netz auch für die vielen arbeitslosen Akademiker. Vor allem für die hat man die einst gute
Arbeitslosenhilfe auf das Hartz IV-Arbeitslosengeld heruntergedrückt.

Für unsere "bildungsnahen Schichten" behaupten die Unternehmerverbände einen Fachkräftemangel.
Das ist natürlich gelogen, man will nur billigere Fachleute importieren. Auch die deutschen
"bildungsnahen Schichten" (Man beachte den Feinsinn, nicht mehr von "Gebildeten" und
"Ungebildeten" zu sprechen! Die Ungebildeten sind die "bildungsfernen Schichten", (das ist ein
Beispiel für schmieriges Gutmenschendeutsch.) sie werden an den Rand des Systems gedrückt und
gewinnen zur politische Ordnung Distanz. Absteigen ist möglich und immer häufiger, Aufsteigen wird
immer schwieriger. Oft klappt der Einstieg in einen Beruf nicht mal mehr. Damit entlässt der
Kapitalismus große Teile seiner ausgebildete Jugend in die Hoffnungslosigkeit. Rund 1,5 Millionen
junger Leute zwischen 18 und 30 haben in Deutschland keinen Berufsabschluß. In solchen Krisen, wie
wir sie gerade haben, geht die Jugend auf die Straße. Übrigens, alle bekannten Revolutionäre stammten
in der Geschichte aus den gebildeten Schichten und sie wurden aktiv in jungen Jahren.

5.
Der politische Herrschaftstyp des Westens ist die "Konzerndemokratie", die sich in Deutschland als
"repräsentative Demokratie" darstellt. Was nicht auf dem kurzen Weg von Konzernchef zu Kanzlerin
oder Ministern klärbar ist, wird über Lobbyisten geklärt. 5000 Lobbyisten belagern die
Bundesregierung, 15.000 Lobbyisten belagern die Brüsseler EU-Administration, dort allein 700 der
Finanzwirtschaft. (Man sehe nach unter www.lobbycontrol.de.) Auch das Gebilde Europäische Union
ist ein reines Elitenprojekt, bar jeder demokratischen Legitimation und gerade dabei, jegliche
Zustimmung der Bürger zu verlieren. Mit der Krise des Euro und der strategischen Aufhäufung der
Schulden der meisten Euro-Länder auf Deutschland und seine Bürger, ist dieser Legitimationsverlust
sogar dramatisch geworden. Die Deutschen sollen für die EU und den Euro die Retter der letzten
Instanz werden.

Deshalb meldet sich nun auch in Deutschland verzagt die Straße. Zum 25.7.2011 hatte beispielsweise
Andreas Erholdt aus Woltersdorf bei Magdeburg nach 7 Jahren Pause erneuet zu einer Montagsdemo
aufgerufen, weil er die riesigen Belastungen für die Deutschen kommen sieht, da nunmehr die EU eine
Transferunion zu Lasten der Deutschen geworden ist. Er fordert: "Frau Merkel. Zeigen Sie uns doch
unseren Rettungsschirm." Die Entdemokratisierung der bürgerlichen Gesellschaft folgt einer Logik. Je
mehr sich das Eigentum in immer weniger Händen oft international gestreut, in immer größerer Menge
konzentriert, muss dem das auch das politische System entsprechen.

Der herrschende Kreis aus Geld und Macht muss sich vor den Begehrlichkeiten der Mittel- und
Unterschichten schützen, ganz besonders in Zeiten einer permanenten Umverteilung des Reichtums von
unten nach oben und dem neoliberalen Abbau des sozialen Systems. Die immer einsamer werdenden
Entscheidungen im politischen System können dem Bürger nicht mehr im offenen Dialog beigebracht
werden, sondern nur noch vermittels Manipulation über die Medien, wonach alles, was oben
beschlossen wird, alternativlos sei. Doch die Bürger trauen schon lange nicht mehr den Politikern. Nur
schlichte Gemüter trauen noch Schlichtern. Das hat sich am Immobilienprojekt Stuttgart 21 gezeigt.
Indem man auch das Instrument der Schlichtung verbrennt, tritt die ökonomische Macht immer offener
zutage. Die demokratischen Verbrämungen fallen ab. Dieser dadurch entstehende massenhafte Zweifel
an der Existenz der Demokratie wird politische Folgen haben, besonders dann, wenn der Sozialabbau
erneut Fahrt aufnimmt.

6.
Der Sozialabbau wird Fahrt aufnehmen. In Deutschland gab es seit 1990 keinen Wohlstandsgewinn für
die Arbeitenden mehr. In allen Krisenstaaten der EU wird die gleiche Sozialpolitik gemacht. Es gibt so
etwas wie einen neoliberalen Konsens, wonach der Staat für die Sicherheit des Kapitals und die
Prosperität der Finanzwirtschaft direkt zuständig sei, aber alle anderen Bereiche der Gesellschaft der
freien kapitalistischen Privatinitiative überlassen sollte. Sie sollen "privatisiert" werden. Arvato, eine
Tochter des Bertelsmann-Konzerns, bietet staatliche Verwaltungsleistungen an. Entweder lenkt nun der
Reststaat die Steuermittel in seine Nachfolgefirmen hinein und ermöglicht den nun zuständigen
Konzernen schöne Profite oder die Bürger dürfen sich die schon über Steuern bezahlten Leistungen
noch einmal oder über Gebühren zusätzlich kaufen. In der Regel wird nach der Privatisierung an
Konzerne oder Reiche weniger Lohn bezahlt und die Gemeinschaft kann sich mit den Entlassenen
herumplagen.

Aus internationalen Erfahrungen kann man berichten, alle Privatisierungen haben schlechtere
Leistungen, höhere Kosten und langfristig Verrottungen der teuer aufgebauten Infrastruktur gebracht.
Auch die Privatisierungsprojekte der Bundeswehr sind gescheitert. Privatisierung ist immer Abbau der
sozialen Strukturen und gehört damit zum generellen Sozialabbau. Sie gehören zur neoliberalen
Strategie der Umverteilung von Fleißig nach Reich und erzeugen Armut.

Ich will nicht über die Gestalten der sichtbaren und unsichtbaren Armut schreiben. Fakt ist, dass die
Deutschen entsprechend des soziokulturellen Niveaus und des Niveaus der Wirtschaft ärmer werden.
An Armut bis heran an den Hunger gewöhnt man sich, geht die Sache aber in Hunger über, dann hört
für den Deutschen der Spaß auf. Rund 15 % der Deutschen leben unterhalb der Armutsgrenze und 25%
der Deutschen wären ohne Sozialleistungen auch dort. Und da gibt es Parteien, die von sich behaupten,
für die Arbeiter, die Armen und Schwachen einzustehen, sich zugleich aber für Masseneinwanderung
aus aller Welt, endlose Euro-Rettung und den Beitritt der Türkei in die EU einsetzen. Ich meine hier
vor allem die SPD und die Linkspartei. Scheinbar vertreten diese Parteien ein unausgesprochenes
Vernichtungsprogramm gegen Deutschland und die Deutschen. (Na ja, die anderen Bundestagsparteien
sind nicht viel besser, nicht zu veregessen insbesondere die Grünen. - KHH.)

Durch Masseneinwanderung ungebildeter, kulturell fremder und für agrarische Tätigkeiten einsetzbarer
Personengruppen wird dem deutschen Arbeiter, dem Angestellten, dem Arbeitslosen und dem Rentner
eine Unterschicht zugesellt, deren Unzufriedenheit mit jeder Wirtschaftskrise mehr wachsen muss.
Wird diese Unterschicht zudem immer größer und jünger, dann sind fremde Kämpfer im Land.

Da finde ich folgenden Gedanken interessant, der derzeit unausgesprochen im Schwange ist: Die Israelis fühlen
sich weder mit den Moslems im eigenen Land noch mit den vielen Moslems in der Umgebung ihres Landes wohl.
Europa ist schon immer der Kontinent gewesen, der durch Juden kulturell mit geprägt worden ist und in dem sie
selbst kulturelle Prägung erhalten haben. Viele Israelis, mindestens 100.000, besitzen deutsche Pässe für den
Ernstfall. Sie möchten sicher nicht die gleichen Moslems in Masse wieder treffen, die ihr Land im Nahen Osten
umgeben. Deshalb läuft in ganz Europa eine antimuslimische Kampagne, die sich noch enorm verschärfen wird
und vielleicht auch die verborgenen Pläne der Gutmenschen von SPD und Linkspartei durchkreuzt. Auf jeden Fall,
durch Abbau des sozialen Systems oder Überdehnung der BRD zum Sozialamt der Welt, resultiert soziales
Konfliktpotential.

Es sollte den Oberschichten klar sein, dass einer der großen Vorzüge der BRD der soziale Ausgleich im Rahmen
der Sozialen Marktwirtschaft war. Wer den sozialen Frieden aufkündigt, der begibt sich selbst in Existenzgefahr.
Die Oberschichten in der BRD haben den sozialen Frieden aufgekündigt.

Schröder, der Sozi, hat mit der Agenda 2010 das öffentliche Signal geblasen.

7.
Derzeit produziert Deutschland Investitionsgüter und Konsumgüter für die Welt. Da die Löhne seit Jahren
stagnieren oder bei vielen Berufsgruppen sinken, die sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnisse, wie
Teilzeit, Minijobs, Zeitarbeit, 1-Euro-Jobs, Niedriglohn und Praktika wachsen, wird im kommenden
Wirtschaftsabschwung sowohl die Arbeitslosigkeit wachsen als auch keine Aufnahme der Produktmassen durch
die Bürger stattfinden können. Wer soll die Mercedes-Limousinen kaufen, welche die bald vom Immobiliencrash
geschockten Chinesen nicht mehr abnehmen. Wer kauft die Werkzeugmaschinen, wenn die Krise in den
sogenannten Schwellenländern sichtbar wird. Schließlich flüchtet des Kapital derzeit aus den Schwellenländern,
auch wenn Vermögensberater die Kunden dort zum Einstieg in Aktien und Anleihen auffordern.

Die Bundesregierung, die sich derzeit nur noch von den Herrschaften aus der Finanzbranche beraten lässt, denkt
bloß in kurzen Schritten. Derzeit ist es Konsens unter den Herrschaften der Troika, d.h. von IWF, EZB und EU,
dass man in allen Ländern der EU die Banken retten muss und das soziale System dafür herunterzufahren ist.
Wenn das auch bei uns geschieht, dann sind wir wieder zu Brünings Zeiten. Keiner kauft mehr was, weil er kein
Geld mehr hat und auch keinen Kredit mehr kriegt. Dann kommen Massenentlassungen. Wenn keine
Steuereinkünfte mehr kommen, dann muss das soziale System zusammengestrichen werden. Und so geht es
weiter. Eine Krise kommt nicht allein von der Natur des Kapitalismus her, sondern kann auch noch
herbeigeprügelt werden. Die Rettungsmaßnahmen für die Banken in Europa zeigen, dass den Regierungen alle
Maßstäbe der Vernunft zu entgleiten scheinen.

Das gilt sogar generell. Die europäischen Regierungen sind in das permanente Kriegsgeschrei der USA
eingestimmt. Freiheit und Demokratie müssen der unbotmäßigen Welt mit Feuer und Schwert gebracht werden.
Egal um was es eigentlich geht, es geht immer um "Menschenrechte". Niemand von politischer Vernunft nimmt
das Gerede ernst. Es ist rituelles Geschwätz im US-Auftrag. Psychologische Kriegsführung. Als Frau Merkel dem
Ministerpräsidenten Wen Jiabao gerade etwas zu Menschenrechten erzählen wollte, streikten dessen Kopfhörer
am 28.6.2011. Er lächelte deutlich. Er weiß, dass Merkel muss. Sie ist in einer ähnlichen Lage wie einst Erich
Honecker gegenüber den Sowjets. Eingeschränkte Souveränität und "tiefe Freundschaft". Ebenfalls unsouverän ist
Frau Merkel gegenüber der Finanzbranche. Damit es den Banken an nichts mangeln möge, müssen die Bürger der
USA und Europas den Gürtel enger schnallen.

Die Schulden, die oben gemacht worden sind, sind nun unten zu bezahlen. Das exponentielle Wachstum von Geld
und Schulden hat in einigen Ländern schon zu Grenzsituationen geführt. Den Griechen hat man die Garotte um
den Hals gelegt. Die dort erzwungenen Sparmaßnahmen ("Austerität") sollen in ganz Europa kommen, auch in
Deutschland. Griechenland ist das aktuelle politische Experimentierbeispiel der Finanzbranche. Es geht um den
Test, was sich die Völker gefallen lassen und wie Herrschaft aufrecherhalten werden kann. Alle Optionen sind
offen, auch die Militärdiktatur. Die Tatsache, dass wir in der finanzimperialistischen Phase des Kapitalismus sind,
kriecht langsam ins Bewusstsein der um ihre Ruhe und ihren Besitz besorgten Bürger. Die Verhältnisse
schwanken. Die Bürger haben Angst um ihr Geld. Das ist begründet. Bisherige Kontinuität bricht ab.
Gewissheiten machen Zweifel platz. Verdrängtes und Totgeglaubtes meldet sich wieder. Das Unterste könnte
zuoberst gewendet werden.

Es könnte sein, dass eine Zeitenwende irgendwohin ansteht. Zumindest auf eine historische Zäsur scheint es
hinauszulaufen. Das gegenwärtige Geldsystem mit dem Dollar im Zentrum scheint zu kollabieren. Die USA
agieren schon seit Jahren über ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten in der Weltpolitik. Allein durch ihre militärische
Macht, die internationalen Beziehungsnetze der westlichen politischen Klasse und die verschworene Gemeinschaft
der westlichen Finanzoligarchie scheinen die USA übermächtig. Doch der Kampf um den Euro, in welchem China
auf der Seite des Euro steht und mit Milliarden Dollar eingreift, zeigt, dass den USA ein neuer historischer Gegner
erwachsen ist. Der Euro ist als Weltreservewährung auch für China interessant.

China, einer der Hauptgläubiger der USA, ist ein kapitalistisch qualifizierter Kämpfer unter einer
nationalkommunistischen Partei. China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. China hat aber ein
wachsendes Interesse an Deutschland. Deutschland ist das wichtigste und stärkste Land der EU. Der Fortbestand
der EU hängt allein von Deutschland ab. Die NATO kollabiert ohne Deutschland. Würden sich die Eliten
Deutschlands von den USA abwenden, wäre deren Einfluss in Europa zu Ende. Würden die Deutschen zum
Bewusstsein der Schmach kommen, nützlicher Idiot der USA zu sein, änderten sich die politischen Verhältnisse
im Sturm.

Wenn wir unsere Gefühle zur Gegenwart auf ihren Realitätsgehalt abklopfen, dann entdecken wir hinter den
Einzeltatsachen vielleicht sogar eine historische Höllenfahrt. Wir sind in der Endzeit eines Gesellschaftssystems,
das um seine Fortexistenz kämpft und alle Hemmungen abgelegt hat. Der angelsächsische Finanzimperialismus ist
in seiner Krise und wir sind mittendrin. Hoffentlich sind wir nicht zu sehr dabei.

* * *

Erschienen: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Grabert-Verlag Tübingen, Heft 3, September 2011,
S. 6 - 13
Zugeschickt zur Veröffentlichung im WIDERHALL vom Autor.
Anmerkung: So {...} abgegrenzter Satz ist vom Seitenbetreiber formuliert.
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Abgeschlossen am 23. Oktober 2011.
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