W I D E R H A L L - Nr. 65
W E I H N A C H T - D e z e m b e r 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Michael Nier

Finanzkrise geht weiter und wird schlimmer.
Die Belastung Deutschlands wird größer.


Die Staatsschuldenkrise Europas wird wohl in einer Krise des europäischen Finanzsystems münden.
Diese wird langfristig sein und uns immer erneut beschäftigen. In Europa ist der Bankensektor im
Verhältnis zum Volkseinkommen zu groß geworden. Torsten Polleit, der Chefvolkswirt der
Commerzbank, hat in der österreichischen Zeitung "Die Presse" am 15. September 2011 formuliert:
"Im Euroraum macht die kumulierte Bilanzsumme 360 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in den
USA sind es 90 Prozent." Die Klagen von Obama oder Geithner über die Finanzzustände in der Euro-
Zone sind also nicht unbegründet. In der "Wirtschaftswoche" vom 19. September 2011 steht unter dem
Titel "Aufgeblähte Bilanzen. Die Bürger der Euro-Zone sind Geiseln eines völlig überdimensionierten
Finanzsektors" folgender kleiner Text: "Es gibt viele Wege in die Pleite. Im Modell Griechenland
nimmt eine Regierung neue Schulden auf, bis ihr keiner mehr was leiht." UND WEITER HÄTTE IM
"MODELL IRLAND" DER ZUSAMMENBRUCH DES ÜBERGROSSEN BANKENAPPARATES
FÜR DEN PLÖTZLICHEN STAATSBANKROTT GESORGT. WÄHREND ITALIEN DEM
BEISPIEL GRIECHENLANDS NACHGEEIFERT HAT, AMT SPANIEN DIE IRISCHE
GANGART NACH. UND IN PARIS TRIFFT MAN SICH WIEDER; DENN DIE FORDERUNGEN
DER FRANZÖSISCHEN BANKEN GEGEN ITALIEN, SPANIEN UND GRIECHENLAND
SUMMIEREN SICH AUF 430 MILLIARDEN EURO. Wörtlich weiter: "Die Gesamtforderungen
französischer Banken erreichen 8000 Milliarden Euro - gut das vierfache der französischen
Wirtschaftsleistung."

Deutschland hat eine Bankenbilanzsumme von ebenfalls rund 8000 Milliarden Euro, die 320 Prozent
des BIP ausmacht. Luxemburg hat eine Bankenbilanzsumme von über 1000 Milliarden Euro und damit
2509 Prozent des BIP. Luxemburg ist ein Finanzzentrum und natürlich mit einer dem großen Geld
verpflichteten Regierung. Neben der Europa-Ideologie der Kapitalverkehrsfreiheit als Kern der
Europaidee spukt in den dortigen Verantwortlichen die Ablehnung der deutschen Reichsidee. Nur so
kann die Vehemenz verstanden werden, Deutschland und die Deutschen in der EU untergehen zu
lassen und bis dahin als Zahlmeister zu mißbrauchen. Da sich alle an den Machthebeln in Deutschland
befindlichen Politiker der internationalen Finanzoligarchie verpflichtet fühlen, wird die dauernde
Bankenrettung auch installiert werden, koste es, was es wolle. In der BRD werden die Empfehlungen
des Bundesverfassungsgerichtes umgangen. Außerdem hat das Bundesverfassungsgericht ja festgestellt,
wenn ganz demokratisch die nationalen Rechte nach Brüssel abgegeben werden, ist alles in Ordnung.
Mittlerweile sind die meisten Parteien und alle Gewerkschaften für die Ausdehnung des Euro-
Rettungsfonds.

Daß zwei Drittel der Deutschen gegen die finanziell uferlose Euro-Rettung sind und die Frankfurter
Allgemeine Zeitung am 27. September 2011 "Deutsche sehen EU-Binnenmarkt als Bedrohung" titelt,
interessiert die Konzernchefs, die Vertreter der Unternehmerverbände, die Gewerkschaftsbosse und die
Bundestagsabgeordneten anscheinend nicht. In der ganzen Euro-Zone gab es mit dem Euro einen
enormen Sozialabbau. Gewinne sind nur auf der Seite der Kapitaleigner und der Unternehmer. Für sie
war der Euro ein Geschäft. Mit dem Euro und mit den weiteren Euro- also Bankenrettungen, wird sich
die soziale Spaltung in der ganzen EU vertiefen. Die Bedingungen sind auch weiter so, daß sich an den
Euro-Rettungen nur die Unter- und Mittelschichten beteiligen müssen und die Oberschichten daraus
weiteren Vermögensaufbau gewinnen möchten.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. September 2011, S. 41, steht unter dem Titel
"Ist Italien noch zu retten? Die Kreditwürdigkeit Italiens schwindet. Einer Erholung steht die alte
feudale Elite entgegen. Sie genießt die Heimat und investiert auswärts" Revolutionäres: "Was war
schiefgelaufen? Wir lernen, daß die besten makroökonomischen Bedingungen und großzügigsten
Infrastrukturfonds nichts bringen, wenn eine heimische Klasse von Entrepreneuren fehlt, die bereit ist,
in den langfristigen industriellen Fortschritt in ihrem Land zu investieren. Gesucht sind Unternehmer,
die ihr Schicksal mit der Heimat verbinden, kurz eine patriotische Wirtschaftselite." In den Südländern
haben sich die feudalen Eliten erhalten, für welche die Völker nur pragmatischen Wert besitzen. Auch
im Deutschland eines wachsenden neoliberalistischen Egoismus könnten wir nach der Struktur und
Mentalität der Eliten fragen und würden wohl erschrecken. Der Autor Wolfgang Streeck stellt fest, daß
wir in Südeuropa "immer neue Wachstumspläne ohne Wachstumseffekte finanzieren müssen".

Das trifft für alle Südländer der Euro-Zone zu, vielleicht auch für Frankreich. Diese Länder sind ein
Faß ohne Boden. Das ist aber den Banken egal, wenn ihre zur Verkonsumierung vergebenen Kredite
immer wieder ersetzt werden. Diese immer mehr erweiterten Rettungsfonds sollen das ewige Spiel der
Banken ermöglichen, koste es, was es wolle.

Geld steht über Recht. Das werden wir bis zum bittern Ende erleben. Die Bürger in den Nordstaaten
der EU haben leider keine Sicht auf die Gefahren. Sie leben noch in der Illusion ewigen Wohlstandes
oder meinen, daß es doch nicht so schlimm werden wird. Das läßt den Politikern die ungeheuerlichen
politischen Spielräume für ihre dauernden Fehlentscheidungen. Der EFSF in seiner bisherigen und
seiner neuen Gestalt ist nämlich letztlich nur ein Instrument zum Ausgleich von Bankbilanzen. Aus der
europäischen Staatsschuldenkrise haben die europäischen Banken einen aktuellen Finanzbedarf von
300 Mrd. Euro! Frau Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des IWF geworden ist, möchte, daß
die Staatshilfen des EFSF nicht den Umweg über die verschuldeten Staaten gehen, sondern direkt an
die wackelnden Banken gehen sollen. Diese Rettung der Banken wird schamhaft
"Eigenkapitalerhöhung" genannt.

Seit dem 9. Mai 2011 kaufte die EZB Staatsanleihen der PIIGS-Staaten auf. Das war eigentlich der
Todestag für den ehemals als stabil behaupteten Euro. Manche prognostizieren, daß der Euro - sollte es
ihn weiter geben - "hart" wie die frühere Lira werde. Nunmehr soll der EFSF mit einer sieben- bis
achtfachen Hebelwirkung versehen werden, damit auch wirklich jeder Anleiheabfall aus den Banken
aufgekauft werden und den Banken neues Spielgeld dafür geschenkt werden kann. Wir dürfen dann
mindestens - mit Zinsen - für eine Billion Euro bürgen, wenn nicht mehr. Der dauerhafte
Rettungsfonds ESM soll auf den Juli 2012 vorgezogen werden.

Damit entsteht eine Wunschstruktur in der EU für die Finanzbranche, die dann einen Geldtopf zum
freien Zugriff hat. In der EU-Kommission ist man bestrebt, die "Vereinigten Staaten von Europa" mit
aller Gewalt und Hinterlist durchzusetzen, um den Völkern jede nationale Struktur der Gegenwehr zu
nehmen. Doch gegen ökonomische Gesetze kann man nur eine kurze Zeit verstoßen. Wie kurz die
Spanne sein wird, werden die nächsten Monate zeigen.

International ist alles vorbereitet, damit das große Geld weiter tanzen kann.

Die FED wird bis 2013 die Leitzinsen bei unter 1 Prozent lassen. Die Zentralbanken FED, EZB, die
Zentralbanken von England, Japan und der Schweiz haben beschlossen, bis Ende März 2012
nachfragenden Banken unbegrenzt Dollars zur Verfügung zu stellen. Durch den Abzug von 1,5
Billionen Dollars aus Geldmarkfonds der EU im Sommer 2011 und durch den erhöhten Dollarbedarf
bei der Abwicklung von auf Dollar lautenden Derivaten werden Unmengen Dollars benötigt.

Die Schweiz hat den Schweizer Franken an den Euro gekoppelt und verwässert den Franken durch
Gelddrucken. Die USA werden ihre "Quantitative Lockerung 3" auch noch durchziehen und ihren
Dollar weiter verwässern. In China sacken die Immobilienpreise ab, und 60 Millionen Wohnungen, ja
ganze neu gebaute Städte stehen leer. Für die Weltwirtschaft, auch für die Schwellenländer, wird ein
gewaltiger Abschwung vorausgesagt.

Da auch in der EU immer mehr gespart werden muß und die kreditfinanzierte Nachfrage zurückgeht,
dürfen wir einen enormen Wirtschaftsabschwung für Deutschland vorhersagen. Die Rohstoffpreise
sinken bereits. Die Bundesagentur für Arbeit hat schon heute kein Geld für das dann nötige riesige
Kurzarbeiterprogramm mehr. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, und der Konsum wird einbrechen. Es
geht wirtschaftlich abwärts. Was politisch geschieht, ist nicht vorhersagbar. Die Deutschen werden
sicher den besten politischen Schlaf haben. Wie man geschickt politisch umsteuert, kann man in
Ungarn sehen.
Vielleicht ist Ungarn wieder ein Experimentierfeld.

*

(Anmerkung: Textstelle in Großschreibung Formulierung vom Seitenbetreiber. - KHH.)

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Quelle: "Euro-Kurier" 10/2011, Grabert-Verlag, Postfach 1629, D-72006 Tübingen.

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Unsere gegenwärtige Geldsystemkrise ist nicht gelöst, sondern nur übertüncht. Der Bevölkerung wird
verstärkt eine Scheinwelt von Aufschwung und Geldsicherheit eingeredet. Am Casino der
Finanzmärkte, wo schon die letzte Krise durch Gier und Betrug ausgelöst wurde, geht es fast
unkontrolliert in immer astronomischeren Summen um das Schicksal ganzer Länder und Kontinente.
Sehr zu empfehlen!
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Abgeschlossen am 10. Dezember 2011.
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